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[MoPo] U-Bahnhof Mohrenstr. soll umbenannt werden...
geschrieben von micha774 
.. in Glinkastr.

[www.morgenpost.de]

Ohne Worte.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.07.2020 19:05 von micha774.
Ich finde es gut und überfällig. Da es keinen tagesaktuellen Anlass für eine Umbenennung gibt, wird man aber sicher auf einen Fahrplanwechsel oder die Eröffnung der U5 warten, wenn ohnehin einiges in diesem Bereich umzustellen ist.
Ich hab mich schon gefragt, wann auch die BVG auf diesen Zug aufspringt.
Zitat
Lopi2000
Ich finde es gut und überfällig. Da es keinen tagesaktuellen Anlass für eine Umbenennung gibt, wird man aber sicher auf einen Fahrplanwechsel oder die Eröffnung der U5 warten, wenn ohnehin einiges in diesem Bereich umzustellen ist.

Sehe das wie du. Eine einfache und schnelle Entscheidung, wenn die Bezirkspolitik seit Jahr(zehnt)en nicht in der Lage ist, diesen unsäglichen Namen zu ändern.
Zitat
micha774
Ohne Worte.

Da freu' ich mich doch drüber :)

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Serviervorschlag
Zitat
m7486
Zitat
Lopi2000
Ich finde es gut und überfällig. Da es keinen tagesaktuellen Anlass für eine Umbenennung gibt, wird man aber sicher auf einen Fahrplanwechsel oder die Eröffnung der U5 warten, wenn ohnehin einiges in diesem Bereich umzustellen ist.

Sehe das wie du. Eine einfache und schnelle Entscheidung, wenn die Bezirkspolitik seit Jahr(zehnt)en nicht in der Lage ist, diesen unsäglichen Namen zu ändern.

Ich bin bei der prinzipiellen Thematik etwas zwiegespalten. Letztlich hängt es davon ab, ob man geografische Namen (wie Straßennamen) als Zeugnisse der Geschichte oder als Ehrung eines Menschen oder Menschenbildes begreift - im Grunde sind sie ja beides, es ist dann halt eine Entscheidung, welcher Wert einem im konkreten Fall wichtiger ist.

Auch Zeugnisse der Geschichte muss man ja durchaus nicht unkommentiert stehen lassen (auf ein ähnliches politisches Minenfeld, Denkmäler, bezogen ist das zum Beispiel in Hamburg sehr gut gelungen). Zugleich ist gerade bei historischen Persönlichkeiten durchaus schwierig, wo die Grenze zu ziehen ist. Ich brauche jedenfalls keine Straßen- oder Platznamen nach hochrangigen Funktionsträgern des "Dritten Reichs" oder auch nach anderen Massenmördern wie Stalin.

Bei der Mohrenstraße bin ich da auch zwiegespalten. Ganz sympathisch fand ich die Version mit den beiden Punkten, die zuweilen illegal über dem O ergänzt wurden. :) Jedenfalls ist von Vorteil, dass der heutige Name des U-Bahnhofs ja alles andere als historisch ist. Insofern finde ich es gar nicht so schlimm, wenn er umbenannt wird, einfach weil die Bezeichnung nicht so im Stadtleben verwurzelt ist wie Gleisdreieck oder Thielplatz. Rückblickend frage ich mich sowieso allein aus Gründen des Informationswertes, wieso man in der Nachwendezeit unbedingt die Mohrenstraße als Namenspatronin für den U-Bahnhof ausgewählt hat, liegen doch gleich drei U2-Bahnhöfe im Umfeld dieser Straße.

Wahrscheinlich konnte es (wie auch bei der Dimitroffstraße) wieder nicht schnell genug gehen, und man hat sich eine andere namensgebende Straße gesucht, statt die Umbenennung der bisher als Namenspatronin dienenden Straße abzuwarten. Bei Straßenumbenennungen in der Nachwendezeit hat Cottbus übrigens einen sehr viel pragmatischeren und sinnvolleren Weg eingelegt als die Bilderstürmer in Berlin: wissend, dass es eh bald neue Postleitzahlen gibt, hat man die Straßenumbenennungen entsprechend vertagt, damit Bürger/innen und Wirtschaft die Adressen nicht zweimal ändern müssen. Dadurch haben sich die Gemüter beruhigt, und man konnte mit klarerem Kopf entscheiden - und so gibt es bis heute eine Straße der Jugend, während die Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft Vergangenheit ist.

Die Umbenennung des U-Bahnhofs dürfte auf jeden Fall auch in gewisser Weise deeskalierend wirken, sind doch Namen von U-Bahnhöfen einfach sehr viel prominenter als bloß auf Straßenschildern. U-Bahnhöfe gibt es halt keine 150 in Berlin, und viele von ihnen sind noch nicht mal nach Straßen oder Plätzen benannt - Straßen aber tausende. Und so verschwindet der Name zu einem nicht unerheblichen Teil aus der öffentlichen Wahrnehmung. Aus meiner Sicht auch: Gut so. Über den Umgang mit dem Straßennamen kann (und soll) man weiterdiskutieren. Wie gesagt: ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Umbenennung oder eine Kommentierung für den besseren Weg halte.

Mein erster Gedanke war, dass Nelson-Mandela-Straße nicht schlecht wäre, und als ich gegoogelt habe, ob es in Berlin schon eine gibt, kam ich drauf, dass ich nicht der erste mit dieser Idee war.

Aber wieso eigentlich Glinkastraße? Wäre Wilhelmstraße nicht die bessere Wahl, da die Straße einfach bekannter ist?
Zitat
def
Aber wieso eigentlich Glinkastraße? Wäre Wilhelmstraße nicht die bessere Wahl, da die Straße einfach bekannter ist?

Aber die Wilhelmstraße hat ja das gleiche Problem wie die Mohrenstraße: je nach konkretem Ziel kommt man von Brandenburger Tor oder vielleicht auch Hallesches Tor günstiger dorthin.

Ich würde ja vorschlagen, den Zietenplatz in Kaiser-Otto-Platz umzubenennen und den U-Bahnhof gleich mit. :-)
Zitat
Jumbo
Zitat
def
Aber wieso eigentlich Glinkastraße? Wäre Wilhelmstraße nicht die bessere Wahl, da die Straße einfach bekannter ist?

Aber die Wilhelmstraße hat ja das gleiche Problem wie die Mohrenstraße: je nach konkretem Ziel kommt man von Brandenburger Tor oder vielleicht auch Hallesches Tor günstiger dorthin.

Aber zumindest nicht an der gleichen Linie, und zumindest liegt der heutige U-Bahnhof Mohrenstraße eher in der Mitte der Wilhelm- als der Mohrenstraße. Andererseits ist die Glinkastraße natürlich um einiges kürzer, insofern ist es eindeutiger (auch wenn für den nördlichen Teil auch Brandenburger Tor und Französische Straße bzw. künftig Unter den Linden die Bahnhöfe der Wahl sind).

***

Ich bin übrigens noch auf einen ganz interessanten Text des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch zur Thematik gestoßen:

Zitat
A. Stefanowitsch/Sprachlog
Diese Tradition hat der Name [Mohrenstraße, Anm.] tatsächlich: Sie führt direkt ins 18. Jahrhundert, in dem die Straße ihren Namen erhielt, weil dort verschleppte und zur Sklavenarbeit am preußischen Hof gezwungene Kinder lebten. Und das zeigt eben, dass es mit den angeblich neutralen Bezeichnungen der guten alten Zeit eben nicht so sonderlich weit her ist, weil diese gute alte Zeit schlicht und einfach nicht neutral, sondern zutiefst rassistisch war.

[...]

Das Wort [Mohr, Anm.] findet sich schon im Althochdeutschen, wo es Nordafrikaner/innen und/oder Schwarze, aber auch Teufel bezeichnete (Kurze Denkaufgabe für zwischendurch: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass in einer Zeit, in der schwarze Menschen mit dem Teufel gleichgesetzt werden, „neutralen“ Begriffe für diese Menschen entstehen?).
Zitat
def
[...]
Aber wieso eigentlich Glinkastraße? Wäre Wilhelmstraße nicht die bessere Wahl, da die Straße einfach bekannter ist?

Zietenplatz wäre die beste Wahl. Der liegt nämlich direkt über dem U-Bahnhof. Offenbar ist aber ein Preußischer General aktuell nicht gewünscht, also hat man halt die nächstbeste Querstraße genommen, die unverfänglich erscheint.

Die Herkunft des Straßennamens ist aber durchaus interessant zu erforschen und da stellt sich schon die Frage, ob da nicht viel besser eine erklärende/kritische Auseinandersetzung sinnvoll wäre, anstatt die Tilgung anzustreben.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
Lopi2000
Da es keinen tagesaktuellen Anlass für eine Umbenennung gibt, wird man aber sicher auf einen Fahrplanwechsel oder die Eröffnung der U5 warten, wenn ohnehin einiges in diesem Bereich umzustellen ist.

Was hat der langerwartete Neubau der U5-Verlängerung mit der U2 zu tun?
Es war seinerzeit ziemlich blöd, bei der Rückbenennung der Grotewohlstraße zur Wilhelmstraße nicht auch diesen Namen für den Bahnhof übernommen zu haben. Eine Umbenennung nach dem Preußengeneral von Zieten wird wohl die linke Senatsmehrheit nicht wollen.

In der Mohrenstraße liegen zwei U-Bahnhöfe, weshalb dieser Name unglücklich gewählt wurde. Dennoch sollte man keinesfalls vor der amtlichen Umbenennung der Mohrenstraße irgendwas unternehmen.

so long

Mario
Zitat
Mario
Dennoch sollte man keinesfalls vor der amtlichen Umbenennung der Mohrenstraße irgendwas unternehmen.

Sagt wer?

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Serviervorschlag
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der weiße bim
Zitat
Lopi2000
Da es keinen tagesaktuellen Anlass für eine Umbenennung gibt, wird man aber sicher auf einen Fahrplanwechsel oder die Eröffnung der U5 warten, wenn ohnehin einiges in diesem Bereich umzustellen ist.

Was hat der langerwartete Neubau der U5-Verlängerung mit der U2 zu tun?

Es spart Druckkosten, wenn man nur einmal neue Pläne drucken muss!

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
def

Ich bin bei der prinzipiellen Thematik etwas zwiegespalten. Letztlich hängt es davon ab, ob man geografische Namen (wie Straßennamen) als Zeugnisse der Geschichte oder als Ehrung eines Menschen oder Menschenbildes begreift - im Grunde sind sie ja beides, es ist dann halt eine Entscheidung, welcher Wert einem im konkreten Fall wichtiger ist.

Mich stört daran, dass die BVG einfach nur auf einen Zug aufspringen zu scheinen will, weil es gerade angesagt ist und man sich nun plötzlich behaupten möchte. Es passt zur Image-Kampagne, die BVG wurde dahingehend sicher beraten. Googelt man mal, wie der Name "Mohrenstraße" zustande kam, gibt es Theorien weit abseits des Rassismus', die sogar eine Ehrung darstellen. Ich bin gespannt, wann Danone die Fruchtzwerge umbenennt. ;-)
Genau deswegen ist es für mich ohne Worte.
Der Railroader und ich einer Meinung... Sachen gibt es ;-)

Irgendwann werden die Bahnhöfe nur noch mit Himmelsrichtungen bezeichnet, obwohl, wenn dann die Zeugen Jehovas Einspruch einlegen weil es Gotteslästerung ist, wird es langsam eng.

Zuzutrauen ist in diesem Deutschland alles.
Zitat
der weiße bim
Es war seinerzeit ziemlich blöd, bei der Rückbenennung der Grotewohlstraße zur Wilhelmstraße nicht auch diesen Namen für den Bahnhof übernommen zu haben.

In die Zukunft schauen konnte man halt auch nicht. Die Wilhelmstraße erhielt ihren historischen und heutigen Namen erst Jahre später (zurück), also benannte man die Station eben nach einer anderen angrenzenden Straße - eben wie auch beim Beispiel Dimitroffstraße, wo man die Rückbenennung dieser ja auch nicht abgewartet hat und deshalb die weitaus weniger bekannte Eberswalder Straße als Namenspatronin erwählte.

Das dürfte seinerzeit einfach mit einem Machtkampf zwischen Senat und Bezirken zu tun gehabt haben. Ersterer ist m.E. für die Benennung von U-Bahnhöfen zuständig, letztere für Straßennamen, und im Senat hatte nun mal in den frühen 90er Jahren die cdU das Sagen. Dass sie dabei mit zweierlei Maß vorging, zeigt der Umstand, dass die Treitschkestraße in Steglitz ihren Namen bis heute trägt. Eine Schrift namens "Die Juden sind unser Unglück" zu verfassen, reicht für die cdU offensichtlich nicht, um sich als Namensgeber einer Straße zu disqualifizieren; der Name "Frankfurter Tor" war hingegen hochpolitisch und abzulehnen, weil die städtebauliche Situation in der DDR geschaffen wurde.

Zitat
der weiße bim
In der Mohrenstraße liegen zwei U-Bahnhöfe, weshalb dieser Name unglücklich gewählt wurde. Dennoch sollte man keinesfalls vor der amtlichen Umbenennung der Mohrenstraße irgendwas unternehmen.

Du widersprichst Dir. Wenn Du eh der Meinung bist, dass die Mohrenstraße aus pragmatischen Erwägungen (unabhängig von der politischen Komponente) keine geeignete Namenspatronin für den U-Bahnhof ist, ist es doch völlig egal, wie sie heißt.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 04.07.2020 07:57 von def.
Zitat
Railroader
Mich stört daran, dass die BVG einfach nur auf einen Zug aufspringen zu scheinen will, weil es gerade angesagt ist und man sich nun plötzlich behaupten möchte.

Man kann auch aus falschen Gründen das richtige tun. Und angesagt (im Sinne von angebracht) wäre es seit Jahrzehnten gewesen; es wurde Zeit, dass es nun auch angesagt (im Sinne von im Trend) ist, auch wenn es dazu leider einen grausamen Polizeimord brauchte.

Zitat
Railroader
Googelt man mal, wie der Name "Mohrenstraße" zustande kam, gibt es Theorien weit abseits des Rassismus', die sogar eine Ehrung darstellen.

Na dann verlinke diese Theorien doch bitte auch.
Zitat
micha774
Irgendwann werden die Bahnhöfe nur noch mit Himmelsrichtungen bezeichnet, obwohl, wenn dann die Zeugen Jehovas Einspruch einlegen weil es Gotteslästerung ist, wird es langsam eng.

Dass Du gerade nichtweiße Menschen mit einer Sekte vergleichst, ist Dir schon bewusst?

Unabhängig davon finde ich unpolitische Straßennamen in der Regel eh am besten. Insofern ist man in der Nachwendezeit im Hans-Loch-Viertel in Friedrichsfelde sehr gut vorgegangen, wo man die Straßen einfach nach Gewässern (Seen und Meeren) benannte.

Zitat
micha774
Zuzutrauen ist in diesem Deutschland alles.

Warum dieses abfällige "dieses Deutschland"? Weil es endlich Diskussionen und Reflektionen über die eigene Geschichte gibt?

Abgesehen davon waren Straßennamen immer politisch. Was meinst Du, wieso nach politischen Systemwechseln immer so viele dran glauben mussten?
Ich bin immer dafür, die Straßennamen den Rassisten wegzunehmen und würdigere Personen zu suchen. Im Fall der Mohrenstr. würde ich an die Straßenschilder eine Ergänzung schrauben, auf der erklärt wird, dass die Straße nach dem Musiker Carsten Mohren benannt ist. Fertig.
Zitat
VvJ-Ente
Ich bin immer dafür, die Straßennamen den Rassisten wegzunehmen und würdigere Personen zu suchen. Im Fall der Mohrenstr. würde ich an die Straßenschilder eine Ergänzung schrauben, auf der erklärt wird, dass die Straße nach dem Musiker Carsten Mohren benannt ist. Fertig.

Umwidmungen bestehender Straßennamen sind in der Tat ein geschickter Weg, um die verschiedenen Anforderungen (Ehrung vs. Stadtgeschichte) unter einen Hut zu bringen. Wo immer möglich, sollte er ernsthaft erwogen werden. Im konkreten Fall müsste man halt noch zwei Jahre warten, bis zum 5. Todestag von Carsten Mohren.
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