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[MoPo] U-Bahnhof Mohrenstr. soll umbenannt werden...
geschrieben von micha774 
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Jay
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def
[...]
Aber wieso eigentlich Glinkastraße? Wäre Wilhelmstraße nicht die bessere Wahl, da die Straße einfach bekannter ist?

Zietenplatz wäre die beste Wahl. Der liegt nämlich direkt über dem U-Bahnhof. Offenbar ist aber ein Preußischer General aktuell nicht gewünscht, also hat man halt die nächstbeste Querstraße genommen, die unverfänglich erscheint.

Die Herkunft des Straßennamens ist aber durchaus interessant zu erforschen und da stellt sich schon die Frage, ob da nicht viel besser eine erklärende/kritische Auseinandersetzung sinnvoll wäre, anstatt die Tilgung anzustreben.

Ich wäre auch für Wilhelmstraße! Sie verbindet das Hallesche mit dem Brandenburger Tor und kreuzt u.a die Leipziger Str. und mündet in UdL(auch wenn der letzte Abschnitt durch die Britische Botschaft seit dem Irakkrieg für den Verkehr voll gesperrt ist.)
Es ist eine sehr bekannte und wichtige Straße und sehr geschichtsträchtig...auch deshalb wäre Wilhelmstr. der passendere Name als Glinkastraße.Außerdem ist der Westzugang der , wo man in den Bus M48 und 300 umsteigt, der Ostzugang an der Mauer-und Glinkastr. ist eher "Hinterland".
Zudem ist das Design des Bahnhofs eher für die Wilhelmstr. ausgelegt(man stelle sich WILHELMSTRASSE in vergoldeten Lettern an der Bahnhofswand vor)...sowie damals für die Otto-Grotewohl-Str., für die dieses Bahnhofsdesign wohl so gewählt wurde? Hat zufällig jemand Bilder aus der Zeit, als der Bahnhof noch Kaiserhof und Thälmannplatz hieß?
Ausserdem wird ja wohl nur der Name des U-Bahnhofs geändert, der eigentliche Straßenname bleibt ja bestehen, oder?
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def

Ein weiterer Gedanke dazu: nur, weil man etwas als Ehrung meint, heißt das nicht, dass die (vermeintlich) Geehrten dies auch als Ehrung empfinden. Zugleich steckt da auch wieder diese kolonialistische Von-oben-herab-Haltung mit drin, die auch der Straßenname verkörpert: "WIR entscheiden, was eine Ehre ist! Wenn ihr schon nicht aus Dankbarkeit und Ehrfurcht erstarrt, haltet wenigstens die Fresse!"

Für mich kommt es darauf an, von wem die Forderung kommt. Kommt sie von Dunkelhäutigen, die sich hierdurch diskriminiert fühlen, kann ich es verstehen, kommt sie aus Marketingzwecken von einem Verkehrsunternehmen, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass die Maßnahme eher dem Eigennutz dienlich sein soll. Natürlich kann man aber auch aus falschen Beweggründen Richtiges tun, wenn es dann etwas Richtiges ist. Das mag ich nicht beurteilen. Wir unterstellen den Afrikanern ja jetzt einfach mal, dass sie sich dadurch diskriminiert fühlen und kommen mit eben solcher "von oben herab"-Haltung daher, den Menschen einzureden, dass sie sich dadurch diskriminiert zu fühlen haben und nicht mündig und in der Lage sind, das selbst zu entscheiden. Wenn es von ihnen hingegen Klagen gab, nehme ich alles zurück.

Das mit der Ehrung ist insgesamt so eine Sache. Ich kenne Frauen, die den Frauentag als Ehrung und Respekt für ihre Rechte toll finden, andere sagen, sie müssen nicht extra dafür geehrt werden, dass sie das Geschlecht haben, was sie nun mal haben. Mitnichten wird der Frauentag aber ein Zugeständnis sein, damit alle Frauen künftig ihre "Fresse halten". Und wie auch Jay schon schrieb, gibt es viele Interpretationen für die Namensgebung der Mohrenstraße, auch sehr ehrende. Da darfst du Google gerne selbst bemühen, bin gerad zu faul entsprechende Artikel rauszusuchen. ;-)

Was mich an diesen Diskursen immer etwas stört ist, dass sich Menschen ermächtigen, Minderheiten einzureden, was für sie eine Diskriminierung darstellen soll und was nicht. Fühlen sich Menschen vielleicht irgendwann einfach diskriminiert, weil man ihnen ständig einredet, dass das so zu sein hat, obwohl sie vorher nie in diese Richtung dachten? Wir haben gerade eine Zeit, in der sich jeder wegen irgendwas sofort angegriffen fühlt. Die Hysterie kann ich manchmal nicht ganz verstehen.

Und zu Phillips Statement, es brächte doch alles keine Nachteile. Das ist richtig und mir persönlich ist es völlig egal, wie dieser U-Bahnhof künftig heißen wird. Wir sind aber hier in einem Forum, in dem man über den Nutzen diskutieren darf. Es hat auch keiner einen Nachteil von einem anderen Farbdesign auf den neuen S-Bahnzügen und dennoch reden wir drüber. Von daher halte ich das auch für ein Totschlagargument.

Ob die ganze Geschichte nun der Bekämpfung des Rassismus' dient, stelle ich infrage. Rechtsextreme werden sich sicher nicht an dem Namen einer Straße ergötzen und werden nicht weniger rechtsextrem, wenn der U-Bahnhof nun einen anderen Namen trägt. Von daher ist mein Resümee, dass die Maßnahme unbegründet ist, es sei denn, diejenigen, die es betrifft, sehen bei Beibehaltung des Namens einen Nachteil. Es ist nicht mein Recht darüber zu urteilen, wann ich jemanden beileidigt oder diskrimiert habe und ebenso ist es nicht mein Recht, jemandem einzureden, dass er sich diskriminiert fühlen muss.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 05.07.2020 21:11 von Railroader.
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B-V 3313
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Tramy1
Im übrigen, hätte ein Schwarzer Polizist einen Weißen Polizisten so zur Strecke gebracht in den USA, hätte es keine Sau interessiert.

Warum sollte ein Polizist einen anderen Polizisten so "zur Strecke bringen"? In Amerika und überall geht es derzeit gewiss nicht um irgendeine innerpolizeiliche Gewalt.

In Friedrichshagen scheint irgendetwas im Trinkwasser zu sein...

Ich habe es geändert. Sollte: Schwarzer Polizist einen Weißen Zivilisten heißen.

GLG.................Tramy1
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Railroader
Für mich kommt es darauf an, von wem die Forderung kommt.

Und in diesem Fall kommt zumindest die Forderung, die Straße umzubenennen, eben unter Anderem vom ISD-Bund e.v., also von Betroffenen. Dass sich die BVG nun mit ihrem Schritt quasi aus der Schusslinie holen will, halte ich für verständlich.

~ Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt ~
Zitat
Philipp Borchert

Vielleicht gibt es ja Gründe, die ich schlichtweg nicht kenne?

Damit würdest du aber zu jeder Änderung, von der du keinen persönlichen Nachteil hast, Ja und Amen sagen, weil es ja Gründe geben kann, die du nicht kennst. Hast du mal bei Abstimmungen mitgemacht, die dich vmtl. nicht betreffen? Flughafen Tegel, Tempelhofer Feld etc.?
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Philipp Borchert

Und in diesem Fall kommt zumindest die Forderung, die Straße umzubenennen, eben unter Anderem vom ISD-Bund e.v., also von Betroffenen.

Wer ist Anton W. Amo?
Müsste ich nachgucken wie Du vermutlich auch, aber die Grundidee ist ziemlich eindeutig - der bisherige Name soll weg.

~ Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt ~
Zitat
Railroader
Wer ist Anton W. Amo?

Dass die Mehrheit der Forumsnutzer das nicht wissen wird, ist der beste Beweis für einen strukturellen Rassismus in dieser Gesellschaft. Schwarze Geschichte existiert hier einfach nicht.

(Und wenn der Bahnhof bislang tatsächlich irgendwen ehren würde, sollte er bekannt sein...)
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Railroader
Damit würdest du aber zu jeder Änderung, von der du keinen persönlichen Nachteil hast, Ja und Amen sagen, weil es ja Gründe geben kann, die du nicht kennst.

Eigentlich nicht. Wenn ich keine Gründe kenne, kann ich nichts entscheiden. Bei Deinen beiden Beispielen waren das Für und Wider allerdings bekannt. Und die Ideen betreffen mich durchaus, und zwar beide. Nur nicht aus Anwohnersicht.

~ Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt ~
Zitat
eiterfugel

Dass die Mehrheit der Forumsnutzer das nicht wissen wird, ist der beste Beweis für einen strukturellen Rassismus in dieser Gesellschaft. Schwarze Geschichte existiert hier einfach nicht.

Muss man denn die Geschichte der ganzen Welt kennen? Warum kennt die Welt im Umkehrschluss unsere Geschichte? Doch auch nur, weil hier ein Massenmord begangen wurde. Frag mich nach Namen in der britischen oder französischen Geschichte. Da kenne ich die meisten auch nicht. Also bitte eine Nummer kleiner. Ich kenne auch nicht alle amerikanischen Präsidenten.

Fakt ist: ich komme im Alltag erstmal mit allen Menschen klar, egal, welchen (Migrations)-Hintergrund sie haben, wie sie sexuell orientiert sind oder sonst was. Ob mein Gegenüber ein A-Loch ist, stelle ich nicht anhand dieser Faktoren fest. Und es ist auch völlig egal, was ich über deren Geschichte weiß. Wenn ich sie mag und sie mich mögen, wird man sich darüber austauschen. So funktioniert mulitikulturelles Miteinander. Bin ich hingegen jemand, der Ausländer per se nicht mag, wird es an meiner Einstellung nichts ändern, wenn ich um die Geschichte weiß und Bahnhöfe umbenannt werden.



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 05.07.2020 21:50 von Railroader.
Ja Wilhelmstr., ehemals Otto-Grotewohl-Str. macht Sinn und ist den meisten Berlinern ein Begriff. Die Mohrenstr. kenne ich persönlich gar nicht. Erinnert mich an die sinnfreien Umbenennungen des Frankfurter Tors in Rathaus Friedrichshain und Petersburger Str..
Zitat
Philipp Borchert
Zitat
Railroader
Für mich kommt es darauf an, von wem die Forderung kommt.

Und in diesem Fall kommt zumindest die Forderung, die Straße umzubenennen, eben unter Anderem vom ISD-Bund e.v., also von Betroffenen. Dass sich die BVG nun mit ihrem Schritt quasi aus der Schusslinie holen will, halte ich für verständlich.

Das ist der BVG aber nicht wirklich gelungen. Im Gegenteil, hat sie sich damit in die Schusslinie gebracht, denn Herr Glinka könnte da eher der nächste Konfliktkandidat werden, wenn sich die Fraktion der "political correctness" mit seinem Lebenslauf beschäftigt. Alternativ könnte sie auch Berliner Zeitung lesen:
Zitat
Berliner Zeitung
[...] Und dann ist da Glinkas Oper „Fürst Cholmskij“. Die spielt 1474 und handelt von einer jüdischen Verschwörung, der „Häresie der Judaisten“. Diese wollten die russische Regierung und den Klerus durchdringen und von innen zerstören. [...] Die Oper wird aus guten Gründen nicht mehr aufgeführt, ich kenne sie nicht. Der Literatur ist zu entnehmen, sie strotze von Antisemitismus. [...]

Und nun?

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 05.07.2020 23:34 von Jay.
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eiterfugel
Dass die Mehrheit der Forumsnutzer das nicht wissen wird, ist der beste Beweis für einen strukturellen Rassismus in dieser Gesellschaft. Schwarze Geschichte existiert hier einfach nicht.

Was willst Du uns damit sagen? Dass die Deutschen, die nicht alle Hallenser Gelehrten-Kollegen von Amo (Anfang des 18. Jahrhunderts) kennen, sich nicht ausreichend mit ihrer deutscher Geschichte auseinandergesetzt haben?
Da vermisse ich bei Dir eher eine Auseinandersetzung mit Amos "De iure Maurorum" - zu Deutsch: "Über die Rechtsstellung der Mohren (in Europa)"

Mit besten Grüßen

phönix
Frauen sind keine Minderheit. Wir leben noch immer in einer patriachalischen Gesellschaft, also darf man die Frauen schon ehren. Rassismus ist kein Problem der Rechtsextremen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Alltagsproblem. Jeder von uns sollte in sich hineinhören, wo er unbeabsichtigt und unbemerkt rassistische Klischees bedient. Also warum nicht durch Umbenennung auf Rassismus aufmerksam machen, im Sinne von wachrütteln.

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Du lebst ja in einer merkwürdigen Gesellschaft.

______________________

Nicht-dynamische Signatur
Hallo,

die Geschichte mit den Kolonien sollte man nicht unterbuttern.
Da hat sich keiner der Kolonie Führer mit Ruhm bekleckert.
Die Mohrenstr. ist völlig unbendenklich.
Wichtiger wäre statt der sinnlosen Umbenennung der U-Bahn Station den Alltagsrassismus zu beseitigen. Den gibt es nicht nur in den USA, sondern bei uns in Berlin und ausgerechnet da, wo es nicht sein sollte, bei der Berliner Polizei und beim Verfassungsschutz, eine völlig überflüssige Institution!

Gruß
Anna
War das Ironie?

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Nicht-dynamische Signatur
Leute, ohne nochmal nachgezählt zu haben, aber hier im Baum steht doch schon mind. zweimal, dass es bei Rassismus eben nicht (nur) um die schlechte Tat geht - was ein flächendeckendes Verständnisproblem in diesem Land ist, übrigens bei allen -Ismen.

Es kann gar nicht um „Schuld“ einer einzelnen Person gehen, wohl aber um die Frage, warum es gesamtgesellschaftlich als normal empfunden wird von Amo noch nie gehört zu haben. Weil wir auch sonst niemanden aus der Zeit kennen und ihnen auch nie in der Schule begegnet sind?

Wie sieht es mit zeitgenössischen Schriftsteller*innen aus? Wer kennt May Ayim? Wer hier hat schon Olga Grjasnowa, Sasha Marianna Salzmann oder Saša Stanišic gelesen? (Spoiler: Die sind übrigens nicht Schwarz, aber werden sie - gerade wenn man sie nicht kennt - als deutschsprachige Autor*innen erkannt?) Stanišic hat es ja in einem Bundesland schon zur Abiturlektüre geschafft - das neueste und „am meisten andere“ zu meiner Zeit (in den 00er-Jahren) war Plenzdorf, sonst lasen wir in Deutsch nur tote, weiße Männer. Da wurde nicht mal mit einem vermeintlichen Kanon argumentiert, das war einfach so.
Das ganze lässt sich ziemlich wahllos mit allen -Ismen in allen öffentlichen Bereichen durchexerzieren: Es sei an den ARD-Chef erinnert dem vor kurzen erst keine Moderatorinnen einfielen.

Trotzdem noch ein Beispiel: Wer kennt neben Michele Kiesewetter auch nur einen weiteren Namen der NSU-Opfer? Die haben halt alle so komische Namen...

Ja, billige Repräsentationspolitiken werden zu recht auch kritisiert - und trotzdem sind die manchmal unumgänglich. Am Freitag wurde eine erste ostdeutsche Person ins Richter*innenamt des Bundesverfassungsgerichts gewählt. Ein in meinen Augen überfälliger Schritt. Über die Schlammschlacht im Vorfeld ist einiges geschrieben worden: Dass Prof. Härtel, obwohl sie eine ausgewiesene Expertin für Digitalrecht ist, gar nicht zum „Kreis der Nominierten“ gehörte, dafür aber zwei Männer ohne Ahnung vom Fachgebiet - sowas passiert wohl, wenn das Geschlecht ausschlaggebend ist keine Rolle spielt.

Dass endlich, nach einem fürchterlichen Mord, die Debatte um Benennungspraxen im öffentlichen Raum wieder an Fahrt gewonnen hat - und damit zugleich auch auf die jahrzehntelange gesellschaftliche Realität als Einwanderungsland eingegangen wird - erscheint mir notwendig. Ob Glinka der Weisheit letzter Schluss ist, sei dahingestellt. Besser als irgendeinen Wilhelm oder gar Zieten (der lebte übrigens zeitgleich mit Amo) dürfte er, trotz der berechtigten Kritik, alle mal sein.
Zitat
BobV
Ich wäre auch für Wilhelmstraße!

Da es nicht nur eine Wilhelmstraße gibt, sollte der Name schon raus sein. Außerdem gibt es an der Wilhelmstraße, an der der U-Bahnhof Mohrenstraße liegt, mehrere U-Bahnhöfe.

x--x--x--x

Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: die Farben der U4 und U7 tauschen!
Zitat
Heidekraut
Ich möchte aber darauf hinweisen, dass gerade das Wort Mohr ein sehr altmodisches Wort geworden ist und kaum noch im aktuellen Sprachgebrauch vorhanden, außer halt als Straßennamen und anderen Eigennamen, die ja bekanntlich eine zähe Lebensfähigkeit besitzen.

Denkst Du dabei an Mohrrüben?


Bitte sprechen Sie während der Fahrt mit dem Busfahrer/der Busfahrerin - er/sie hat sonst niemanden.
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