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Historische Fotoaufnahmen aus Berlin und Brandenburg II
geschrieben von Sasukefan86 
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mitropam
Zitat
Bäderbahn
.., auch die Drehscheibe in der BW Krumme Lanke ist kurz zu sehen.

Wofür gab es denn da eine Drehscheibe?

Die hatte früher, also es noch keine Doppeltriebwagen gab, doch jeder Betriebshof.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
In der Bw Friedrichsfelde ist sogar noch eine U-Bahn Drehscheibe erhalten.
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mitropam
Zitat
Bäderbahn
.., auch die Drehscheibe in der BW Krumme Lanke ist kurz zu sehen.

Wofür gab es denn da eine Drehscheibe?

Ursprünglich kam die Werkstatt Zehlendorf ohne Drehscheibe aus, da die größeren Instandsetzungsarbeiten der Fahrzeuge auf der Wilmersdorf-Dahlemer Bahn in der Werkstatt Warschauer Brücke oder Hw Grunewald ausgeführt wurden. Die Vorkriegszüge bestanden aus Triebwagen und Beiwagen. Da die Triebwagen nur an einem Ende einen Fahrerstand besaßen, mussten sie bei Bedarf gedreht werden.

Nach Trennung der BVG-Ost von der BVG-West und der daraus resultierenden Schließung der Bw Warschauer Brücke für die Instandhaltung von U-Bahnwagen wurden viele Arbeiten nach Krumme Lanke ausgelagert, so dass auch an diesem Standort eine Drehscheibe erforderlich wurde. Nach umfangreichen Kaufverhandlungen und einer "Umweltverträglichkeitsprüfung" wegen Beseitigung der den Hang stabilisierenden geschützten Sträucher konnte im Oktober 1951 das BVG-Grundstück um angrenzende Teile erweitert und mittels einer Stützwand die bisherige Böschung nutzbar gemacht werden. 1952 wurde dann die Drehscheibe in Betrieb genommen.
Schon 1968 wurde die Fahrzeuginstandhaltung in den Werkstätten Grunewald am Bahnhof Olympiastadion zentralisiert und die Bw Krumme Lanke geschlossen. Seitdem wurde die Halle noch bis 2005 als Garage für die Abstellung von Zügen genutzt. Die Drehscheibe verschwand um 1970.
Hier mal ein Foto aus dem BVG-Archiv von 1953 mit zwei A2-Beiwagen auf dem Drehscheibengleis.

so long

Mario


Danke, Mario, wie so häufig spannende Erläuterungen und ein klasse Bild! Das Drehen von Trieb- und Beiwagen muss doch recht zeitaufwendig gewesen sein!? Passte auf die Drehscheibe ein Wagen (so wirkt es) oder tatsächlich Trieb- und Beiwagen?

Und wo wir grad in Krumme Lanke sind: wieso hat man seinerzeit eigentlich nicht gleich die U-Bahn bis zum Mexikoplatz gebaut? Opponierten die Villenbesitzer/-makler rund um den Platz?
Zitat
Stichbahn
Danke, Mario, wie so häufig spannende Erläuterungen und ein klasse Bild! Das Drehen von Trieb- und Beiwagen muss doch recht zeitaufwendig gewesen sein!? Passte auf die Drehscheibe ein Wagen (so wirkt es) oder tatsächlich Trieb- und Beiwagen?

Und wo wir grad in Krumme Lanke sind: wieso hat man seinerzeit eigentlich nicht gleich die U-Bahn bis zum Mexikoplatz gebaut? Opponierten die Villenbesitzer/-makler rund um den Platz?

Die Drehscheiben waren für Einzelwagen bestimmt, so dass deren Durchmesser der Wagenlänge entsprach. Also ca. 12 m beim Kleinprofil und an die 18 m beim Großprofil. Anfangs waren die Scheiben wie bei der Reichsbahn handbetrieben per Kurbel und Zahnradübersetzung. Später zum Teil mit elektrischem Antrieb ausgerüstet. Die Scheibe im Krumme Lanke hatte wohl immer nur den Kurbelantrieb, andere Fotos sind mir noch nicht begegnet. Damals hatte man noch mehr Personal, das Drehen dürfte aber in 10 Minuten machbar gewesen sein. Heute zahlen die Leute im Fitness-Studio viel Geld für ähnliche köperliche Betätigung.
Auch wegen dieses Rangieraufwands hat man ja ab den 1950er Jahren nur noch Doppeltriebwagen mit Fahrerständen an beiden Enden beschafft, bei denen nur noch einzelne Drehgestelle gedreht werden dürfen. Die Wagen selbst sind nun richtungsgebunden, das vereinacht die E-Kupplung.

Der Bau der nie richtig rentablen Linie, geschah auf Anregung und Kosten der Grundstücksgesellschaft, die dort die Flächen vermarktete. Der Baugrund wurde der BVG kostenfrei zur Verfügung gestellt und ein Betriebskostenzuschuss vereinbart. In der Eröffnungsschrift von 1929 war die Verlängerung zum damaligen Vorortbahnhof Zehlendorf-West (heute S-Bhf Mexikoplatz) bereits gestrichelt eingetragen. Obwohl die ersten 180 m Tunnel bereits mitgebaut wurden und seitdem Platz zur Aufstellung von zwei Achtwagenzügen bieten, wurde der Weiterbau bisher stets wegen Mangel an Investitionsmitteln zurückgestellt. Da das Gelände dieses Abschnitts bereits bebaut war, konnte die Grundstücksgesellschaft Sommerfeld den dort natürlich unter der bestehenden Straße geplanten und damit im Vergleich zur Einschnittbahn erheblich teuren Tunnel nicht finanzieren.

so long

Mario


Zitat
der weiße bim
Zitat
Stichbahn
Danke, Mario, wie so häufig spannende Erläuterungen und ein klasse Bild! Das Drehen von Trieb- und Beiwagen muss doch recht zeitaufwendig gewesen sein!? Passte auf die Drehscheibe ein Wagen (so wirkt es) oder tatsächlich Trieb- und Beiwagen?

Und wo wir grad in Krumme Lanke sind: wieso hat man seinerzeit eigentlich nicht gleich die U-Bahn bis zum Mexikoplatz gebaut? Opponierten die Villenbesitzer/-makler rund um den Platz?

Die Drehscheiben waren für Einzelwagen bestimmt, so dass deren Durchmesser der Wagenlänge entsprach. Also ca. 12 m beim Kleinprofil und an die 18 m beim Großprofil. Anfangs waren die Scheiben wie bei der Reichsbahn handbetrieben per Kurbel und Zahnradübersetzung. Später zum Teil mit elektrischem Antrieb ausgerüstet. Die Scheibe im Krumme Lanke hatte wohl immer nur den Kurbelantrieb, andere Fotos sind mir noch nicht begegnet. Damals hatte man noch mehr Personal, das Drehen dürfte aber in 10 Minuten machbar gewesen sein. Heute zahlen die Leute im Fitness-Studio viel Geld für ähnliche köperliche Betätigung.
Auch wegen dieses Rangieraufwands hat man ja ab den 1950er Jahren nur noch Doppeltriebwagen mit Fahrerständen an beiden Enden beschafft, bei denen nur noch einzelne Drehgestelle gedreht werden dürfen. Die Wagen selbst sind nun richtungsgebunden, das vereinacht die E-Kupplung.

Ja, aber wie genau lief das ab? Der Fahrstand des Triebwagens wäre doch in jedem Fall zunächst an der Kuppelstelle mit dem Beiwagen!? Aber vielleicht ist es auch grad einfach zu spät, damit ich das verstehe... ;)

Vor dem Drehen:
<--TW--/--BW--
Nach dem Drehen zunächst:
--TW-->/--BW--

(wobei > den Fahrstand kennzeichnet)

Und dann? Rausziehen und einmal aneinander vorbeirangieren? Klingt mir noch nicht sehr schlüssig.


Zitat
der weiße bim
Der Bau der nie richtig rentablen Linie, geschah auf Anregung und Kosten der Grundstücksgesellschaft, die dort die Flächen vermarktete. Der Baugrund wurde der BVG kostenfrei zur Verfügung gestellt und ein Betriebskostenzuschuss vereinbart. In der Eröffnungsschrift von 1929 war die Verlängerung zum damaligen Vorortbahnhof Zehlendorf-West (heute S-Bhf Mexikoplatz) bereits gestrichelt eingetragen. Obwohl die ersten 180 m Tunnel bereits mitgebaut wurden und seitdem Platz zur Aufstellung von zwei Achtwagenzügen bieten, wurde der Weiterbau bisher stets wegen Mangel an Investitionsmitteln zurückgestellt. Da das Gelände dieses Abschnitts bereits bebaut war, konnte die Grundstücksgesellschaft Sommerfeld den dort natürlich unter der bestehenden Straße geplanten und damit im Vergleich zur Einschnittbahn erheblich teuren Tunnel nicht finanzieren.


Ich habe grad Zeitungen der 20er durchsucht. Tatsächlich wurde lange Zeit der Bahnhof "Zehlendorf West" als Bauziel angegeben. Im Sommer 1927 berichtete bspw. die Vossische:
Zitat

Schließlich ist auch die Verlängerung der Dahlemer Schnellbahn bis nach Zehlendorf-West wieder akut geworden. Die Bahn soll dort hinter dem Thielplatz [...] bis etwa zum Wannseebahnhof Zehlendorf-West laufen.

Auch diesen Bau werden die Bewohner der westlichen Siedlungen aufs lebhafteste begrüßen. Die Stadt hat ja selbst zusammen mit gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften in Zehlendorf-Mitte, -West und im benachbarten Schlachtensee viele Hunderte von neuen Häusern errichten lassen, für Tausende von Familien, die bereits neu zugezogen sind oder noch im Herbst dieses Jahres zuziehen werden. Für sie alle wird die Möglichkeit, außer der etwas schwerfälligen Wannseebahn, deren letzter Zug trotz der 3-Uhr-Polizeistunde immer noch um 1.10 Uhr vom Potsdamer Bahnhof abfährt, noch ein anderes Verkehrsmittel benutzen zu können, sehr erwünscht sein.
Zitat
Stichbahn
[

die Vossische:
Zitat

Schließlich ist auch die Verlängerung der Dahlemer Schnellbahn bis nach Zehlendorf-West wieder akut geworden. Die Bahn soll dort hinter dem Thielplatz [...] bis etwa zum Wannseebahnhof Zehlendorf-West laufen.

Auch diesen Bau werden die Bewohner der westlichen Siedlungen aufs lebhafteste begrüßen. Die Stadt hat ja selbst zusammen mit gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften in Zehlendorf-Mitte, -West und im benachbarten Schlachtensee viele Hunderte von neuen Häusern errichten lassen, für Tausende von Familien, die bereits neu zugezogen sind oder noch im Herbst dieses Jahres zuziehen werden. Für sie alle wird die Möglichkeit, außer der etwas schwerfälligen Wannseebahn, deren letzter Zug trotz der 3-Uhr-Polizeistunde immer noch um 1.10 Uhr vom Potsdamer Bahnhof abfährt, noch ein anderes Verkehrsmittel benutzen zu können, sehr erwünscht sein.

Auch wieder eine tolle Argumentation. Wenn die letzte S-Bahn zu früh fährt, was ist die Lösung:
Eine zusätzliche S-Bahn-Fahrt? Nein? Klar lieber extra eine ganz neue U-Bahn bauen ;-)
Es hat sich also nix jeändert
Zitat

"der weiße bim" am 17.2.2021 um 22.55 Uhr:

[...] Schon 1968 wurde [...] die Bw Krumme Lanke geschlossen. Seitdem wurde die Halle noch bis 2005 als Garage für die Abstellung von Zügen genutzt.

Im September 2011 hatte ich die Gelegenheit, die "vergammelnde" Halle und die Umgebung unter fachkundiger Führung zu besichtigen, Bilder davon gibt es hier.

Zitat

Die Drehscheibe verschwand um 1970. [...]

Und 2011 sah der Ort, wo sich früher die Drehscheibe befand, so aus:


(Webseite)

Zitat

"der weiße bim" am 18.2.2021 um 0.56 Uhr:

[...] Obwohl die ersten 180 m Tunnel bereits mitgebaut wurden und seitdem Platz zur Aufstellung von zwei Achtwagenzügen bieten [...]

Damals nutzten wir auch die Gelegenheit, einen Blick in diese "Vorleistung" zu werfen:


(Webseite)

Viele Grüße, Thomas

--
Thomas Krickstadt, Berlin, Germany, usenet@krickstadt.de
Hallo Thomas,

hast du eventuell auch ein Bild vom Ende des Tunnels?

VG, Marc
Zitat

"Krumme Lanke" am 18.2.2021 um 12.42 Uhr:

Hallo Thomas, hast du eventuell auch ein Bild vom Ende des Tunnels?

Das "Ende des Tunnels", also die beiden Prellböcke und die Betonwand dahinter, kannst Du klein in der Mitte des Fotos erkennen, besonders, wenn Du Dir die Originalgröße auf meiner Webseite anschaust. Ansonsten gab es da nichts, was uns veranlasst hätte, die 180 Meter bis zum Ende zu laufen, deshalb gibt es nur dieses Foto.

Gruß, Thomas

--
Thomas Krickstadt, Berlin, Germany, usenet@krickstadt.de
Müsste eigentlich die Abstellanlage oder eine Kehranlage hinter Mexikoplatz wieder errichtet werden?

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Es ist ja keine gewollte Abstellanlage sondern eine Vorleistung. Somit würde Mexikoplatz eine Kreuzzungsweiche reichen.
Zitat
GraphXBerlin
Es ist ja keine gewollte Abstellanlage sondern eine Vorleistung. Somit würde Mexikoplatz eine Kreuzzungsweiche reichen.

Trotzdem muß der Wegfall der Abstellgleise kompensiert werden.
Zitat
Bd2001
Zitat
GraphXBerlin
Es ist ja keine gewollte Abstellanlage sondern eine Vorleistung. Somit würde Mexikoplatz eine Kreuzzungsweiche reichen.

Trotzdem muß der Wegfall der Abstellgleise kompensiert werden.

Krumme Lanke steht eine große Halle mit U-Bahn-Gleisanschluss ;)
Zitat

Trotzdem muß der Wegfall der Abstellgleise kompensiert werden.

Nur wenn in der Betriebspause voll genutzt werden muß zzgl. der zwei Gleise außerhalb.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.02.2021 00:15 von GraphXBerlin.
Zitat
Stichbahn
Zitat
Bd2001
Zitat
GraphXBerlin
Es ist ja keine gewollte Abstellanlage sondern eine Vorleistung. Somit würde Mexikoplatz eine Kreuzzungsweiche reichen.

Trotzdem muß der Wegfall der Abstellgleise kompensiert werden.

Krumme Lanke steht eine große Halle mit U-Bahn-Gleisanschluss ;)
Tja. Mich würde ja bis heute mal interessieren was genau an der Halle baufällig ist. Können ja nur die Oberlichter auf dem Dach sein bzw. die Dachkonstruktion selber.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.02.2021 00:16 von GraphXBerlin.
Zitat
GraphXBerlin
Zitat

Trotzdem muß der Wegfall der Abstellgleise kompensiert werden.

Nur wenn in der Betriebspause voll genutzt werden muß zzgl. der zwei Gleise außerhalb.

Dir ist aber schon klar, dass es für die zusätzlichen Züge, die in den nächsten Jahren angeschafft werden, auch irgendwo zusätzliche Abstellkapazitäten geben muss?

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Sicherlich. Aber nicht unbedingt als neu gebaute Abstellanlage Mexikoplatz. Dafür käme jetzt die vorhandenen Halle Krumme Lanke ins Visier.
Zitat
GraphXBerlin
Es ist ja keine gewollte Abstellanlage sondern eine Vorleistung.

Die Gleise wurden also "aus Versehen" verlegt?

Zitat
GraphXBerlin
Somit würde Mexikoplatz eine Kreuzzungsweiche reichen.

Ein Gleiswechsel solte es schon sein.

Zitat
GraphXBerlin
Sicherlich. Aber nicht unbedingt als neu gebaute Abstellanlage Mexikoplatz. Dafür käme jetzt die vorhandenen Halle Krumme Lanke ins Visier.

Laut einem Gleisplan von 1932 passen in die Wagenhalle 32 Wagen, man verliert aber die Kapazität von 16 Wagen. Auf Gleis 3 passen 14 Wagen, bei Vierwagenzügen also nur 12 Wagen.

x--x--x--x

Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: U4 verlängern - jetzt!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.02.2021 01:53 von B-V 3313.
Zitat

"GraphXBerlin" am 19.2.2021 um 0.14 Uhr:

Mich würde ja bis heute mal interessieren was genau an der Halle baufällig ist.

Du scheinst Dir meine Bilder nicht angeschaut zu haben, oder? Wie der aktuelle Zustand ist, kann ich mangels Wissen nicht schreiben, aber ich befürchte, dass sich der Zustand in den letzten zehn Jahren nicht verbessert hat.

Gruß, Thomas

--
Thomas Krickstadt, Berlin, Germany, usenet@krickstadt.de
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