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Die nächste Grundsatzdebatte zur S-Bahn
geschrieben von dubito ergo sum 
Reicht das nicht? Und wer bezahlt eigentlich den ganzen Aufwand, sich durch die Ausschreibungsunterlagen kämpfen zu müssen und ein Angebot erstellen zu müssen, was dann am Ende gar nicht ausgewählt wird?

Ergänzung: Entweder ist es ein riesen Aufwand oder ein unglaubwürdiges Angebot...



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.2020 13:42 von PassusDuriusculus.
Zitat
PassusDuriusculus
Reicht das nicht? Und wer bezahlt eigentlich den ganzen Aufwand, sich durch die Ausschreibungsunterlagen kämpfen zu müssen und ein Angebot erstellen zu müssen, was dann am Ende gar nicht ausgewählt wird?

Ergänzung: Entweder ist es ein riesen Aufwand oder ein unglaubwürdiges Angebot...

Das Lesen von Ausschreibungsunterlagen und das Erstellen von Angeboten ist Kernbestandteil der Marktwirtschaft. Im Kleinen, wenn Mediamarkt ein Prospekt erstellt und Du es liest und vergleichst, im Mittleren, wenn Du eine Anfrage an 3 Fensterbaufirmen stellst und diese Dir ein Angebot schreiben, und im Großen eben hier.

Die Alternative ist eine staatliche Kommission, die Preise, Mengen und Pläne zentral erarbeitet und festlegt. Kann man auch machen, gabs ja schon Versuche dazu. Aber wer hat die Tausenden Leute in der staatlichen Plankommission eigentlich bezahlt? ;-)

Viele Grüße
André
Zitat
PassusDuriusculus
Reicht das nicht? Und wer bezahlt eigentlich den ganzen Aufwand, sich durch die Ausschreibungsunterlagen kämpfen zu müssen und ein Angebot erstellen zu müssen, was dann am Ende gar nicht ausgewählt wird?

Ergänzung: Entweder ist es ein riesen Aufwand oder ein unglaubwürdiges Angebot...

So groß scheint der Aufwand auch nicht zu sein, wenn man ihn in Relation zum Auftragvolumen setzt.

Ich weiß von mindestens einem Beispiel, bei dem ein potenzieller Monopolist zwei verschiedene Angebote vorbereitet hatte - ein teures Monopolangebot und ein günstigeres, konkurrenzfähiges Angebot. Dann wurde der Zugangsbereich des Aufgabenträgers bis kurz vor Abgabeschluss beobachtet. Erst nachdem der einzige wackelige Konkurrent seine Angebotsordner reingetragen hatte, entschied sich der potenzielle Monopolist, das wettbewerbstaugliche Angebot abzugeben.

Ironie der Geschichte: der wackelige Konkurrent war tatsächlich umgefallen, hatte dies dem Aufgabenträger mitgeteilt und wurde von diesem gebeten, trotzdem Ordner zu bringen, die dann halt leere Blätter enthielten. So wurde vermieden, dass der potenzielle Monopolist ein Monopolangebot abgeben konnte.
Zitat
PassusDuriusculus
Reicht das nicht? Und wer bezahlt eigentlich den ganzen Aufwand, sich durch die Ausschreibungsunterlagen kämpfen zu müssen und ein Angebot erstellen zu müssen, was dann am Ende gar nicht ausgewählt wird?

Ergänzung: Entweder ist es ein riesen Aufwand oder ein unglaubwürdiges Angebot...

Aus gutem Grund verzichten durchaus viele Unternehmen darauf, sich an Ausschreibungen der öffentlichen Hand zu beteiligen. Der Aufwand ist durchaus immens und steht für viele Unternehmen nicht mehr im angemessenen Verhältnis zu den Chancen, die sich bei Gewinn des Ausschreibungsverfahrens ergeben. Bezüglich der jetzt zu erfolgenden Ausschreibung könnte noch eine Rolle spielen, das zumindest ein Teil der Marktteilnehmer durch den Ablauf des Verfahrens zur Ringbahnausschreibung frustriert ist und insoweit sehr genau durchspielen werden, ob sie - bei noch so viel investiertem Aufwand in das Ausschreibungsverfahren - überhaupt Chancen haben, die Ausschreibung zu gewinnen und zusätzlich dabei nicht rote Zahlen zu schreiben...

Mit besten Grüßen

phönix
Zitat
micha774
Zitat
Marienfelde
Strittig ist u.a. "die Forderung, dass das Personal auch bei den neuen Betreibern zu denselben Bedingungen wie heute bei der S-Bahn Berlin GmbH beschäftigt wird.

Einen schönen Mittwoch wünscht Euch
Marienfelde

Hört sich zwar romantisch an, wird aber wohl eher abschrecken, denn wo will man sparen wenn nicht beim Personal? Dann kann auch die S-Bahn GmbH das Netz weiter betreiben.

Zum Beispiel beim Stromeinkauf (kein Zwang bei DB Energie einzukaufen), beim Fahrzeugkauf, bei der Rendite, beim Verwaltungsoverhead, bei unternehmischen internen Abläufen. Bei der Freiheit nicht an Konzernvorgaben gebunden zu sein.

Wenn eh alle Unternehmen gleich wirtschaften würden könnten wir auch gleich zur Planwirtschaft übergehen. Sie wirtschaften aber nicht gleich.

*******
Die Signatur ist zu kurz um sie mit Inhalten zu verstopfen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.2020 14:10 von Logital.
1300 S-Bahnwagen vor zu halten und dem Nahverkehr in Berlin zur Verfügung zu stellen, instand zuhalten und zu verwalten ist ein rein logistisches Managementproblem, das ein Startup bewältigen kann. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind rein wettbewerbsrechtlich über die Ressourcen frei zu verfügen (Werkstätten, etwaige Depots, Gleisanlagen) und diese anzumieten und zu beschäftigen, sowie das Produkt zu beschaffen, zu vermieten, leasen oder verkaufen. Wo ist das Problem? Gewerkschaften braucht es da nicht, denn diese beschränken sich auf die autonomen oder im Besitz irgendwelcher Gesellschaften befindlichen Werkstätten. Offen ist, wie man mit dem Fahrpersonal verfährt. Stellt es zu 100% der Nahverkehrsbetreiber, beschäftigt der Vermieter eigenes Fahr-Personal oder genügt das der Werkstätten.

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Zitat
andre_de
Zitat
Marienfelde
Nachtrag: Die Sicht der zuständigen Einzelgewerkschaft (EVG im DGB) mag im Lok Report etwas deutlicher werden: [www.lok-report.de]

Vielen Dank für die Links. Der Artikel im Lok-Report ist tatsächlich lesenswert. Unabhängig davon, dass ich das Agieren der EVG hier nicht unterstütze (reine Besitzstandswahrung), so zeigen die Ausführungen wieder mal, wie ungeschickt, unvorbereitet und unprofessionell Frau Günther agiert. Vorlagen stimmt man mit den relevanten "Stakeholdern" vorher ab, und versucht nicht, durch Wegducken, Verzögern und Tricksen seine Ziele zu erreichen. Stattdessen sieht sie sich im extrem wichtigen Thema der S-Bahn-Vergabe inzwischen nur noch Gegnern gegenüber, so ziemlich jeder agiert gegen sie. Und das passiert ihr mit ihren Vorhaben ja permanent. Für mich unbegreiflich, wie man sich selbst so wenig reflektieren kann ("1 Geisterfahrer? Hunderte!"). Die letzte S-Bahn-Krise wurde insbesondere durch die SPD-Genossen massiv verschärft, nun treten offensichtlich die Grünen an, die Verkehrswende zu sabotieren.

Viele Grüße
André

Ohne Dich ärgern zu wollen: Das erste, was ich in einem Grundseminar meiner Gewerkschaft ötv im DGB (heute ver.di) gelernt habe, war etwas über die Schutz- und Gestaltungsfunktion der Gewerkschaften.

Zur Schutzfunktion rechnet die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen:

"die Durchsetzung von Lohn-, Gehalts- und Ausbildungsvergütungen,
die Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen,
der Schutz von Arbeitsplätzen,
die Bereitstellung von Rechtsschutz,
die Unterstützung der Mitglieder bei Arbeitskampf- und Streikmaßnahmen."

Die "reine Besitzstandswahrung", nötigenfalls auch unter Einsatz gewerkschaftlicher Mittel, ist eine Kernaufgabe der Gewerkschaften, vgl. S. 9: [www.gdp.de]

Bei einer besseren Abstimmung mit den "Stakeholdern" mögen Einigungslinien auch in solchen konfliktträchtigen Fragen aber nicht ausgeschlossen sein.

Zur politischen Gestaltungsfunktion der Gewerkschaften haben die Kolleginnen und Kollegen der GdP folgende Punkte benannt:

"die Mitbestimmung am Arbeitsplatz,
die Demokratisierung von Verwaltung und Wirtschaft,
die humane Gestaltung der Arbeitsplätze,
die Berücksichtigung von Gesundheits- und Umweltschutzgesichtspunkten am Arbeitsplatz,
der Schutz der Tarifautonomie und des Streikrechts,
die Förderung von Demokratie und Frieden."

Darauf kann ich mich guten Gewissens beziehen,
Marienfelde.
@Marienfelde: Du ärgerst mich nicht :-) Ich bezog mich mit der Stakeholder-Abstimmung auch weniger auf die Gewerkschaften (da sind die Positionen ja klar), sondern auf den aktuellen Fall, dass ihr die Vorlage am Abstimmungstag durch ein Veto der Sozialsenatorin um die Ohren fliegt. Und das ist ja nicht das erste Mal, dass sie politisch derart ungeschickt ist. Hätte ich etwas deutlicher schreiben sollen.

Viele Grüße
André
Zitat
Heidekraut
1300 S-Bahnwagen vor zu halten und dem Nahverkehr in Berlin zur Verfügung zu stellen, instand zuhalten und zu verwalten ist ein rein logistisches Managementproblem, das ein Startup bewältigen kann. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind rein wettbewerbsrechtlich über die Ressourcen frei zu verfügen (Werkstätten, etwaige Depots, Gleisanlagen) und diese anzumieten und zu beschäftigen, sowie das Produkt zu beschaffen, zu vermieten, leasen oder verkaufen. Wo ist das Problem? Gewerkschaften braucht es da nicht, denn diese beschränken sich auf die autonomen oder im Besitz irgendwelcher Gesellschaften befindlichen Werkstätten. Offen ist, wie man mit dem Fahrpersonal verfährt. Stellt es zu 100% der Nahverkehrsbetreiber, beschäftigt der Vermieter eigenes Fahr-Personal oder genügt das der Werkstätten.

Klingt wie ein Wahlprogramm der FDP-aber genau das funktioniert eben in der Wirklichkeit nicht.
Und all den Ausschreibungswahn zum Kostendrücken auf dem Rücken der Arbeitnehmer, sprich ihrer Lohntüten auszutragen, ist eh unterste Schublade.
Man hat ja selbst in der Coronakrise bemerkt, das die Systemrelevanten, die in dieser Zeit das Land am laufen hielten,
nicht die mit den dicken Lohntüten sind...und bei allem Gelease und Angemiete und Ausgelager wirste eins merken-ohne Indianer läuft so ein Laden nicht.
Das ist mehrere Nummern dicker als ein Prenzelberger Hinterhofbüro mit 15 PC, LatteMacciatoautomat und KiWa Abstellplatz.

T6JP
Man fragt sich aber, ob das ne Ausschreibung werden soll oder ein Beschäftigungsprogramm. Man kann auch gleich das ganze auf ABM abwickeln. Wenn man durch Ausschreibung das günstigste oder besser fairste Angebot erhalten will, dann muss man isch von den Staatsbetrieben lösen und es machen wie in der Telekommunikation. Die Werkstätten kann man sehr wohl erhalten mit samt der Beschäftigung, aber dann müssen sie aus der DB gelöst werden und allen zur Verfügung gestellt werden. Eine eigene Gesellschaft gründen, die die Werkstätten betreibt und die Aufträge entgegen nimmt. Das kann man doch per Gesetz regeln, zumal die DB ja im Besitz des Bundes ist. Braucht man zusätzliche Werkstätten, kann die Gesellschaft diese errichten und ebenfalls betreiben und verwalten. Ob nun FDP oder Grüne, es ist ein Gebot der Realwirtschaft. Wenn man aber die DB oder die S-Bahn GmbH nur betreiben will, damit die Leute arbeit haben, dann kann man auch alles beim alten belassen. wogegen niemand etwas hat. ;-)

Heidekraut zum Hauptbahnhof



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.2020 20:33 von Heidekraut.
@Marienfelde, es geht hier aber nicht um die Gewerkschaft, sondern zunächst einmal um die Beschaffung und Betreibung von S-Bahn-Zügen.

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Zitat
Marienfelde
Auf Welt.de habe ich dazu auch etwas gefunden: [www.welt.de]

In diesem Artikel müsste ein Fehler sein: Die Linie S8 gehört doch zum Teilnetz Ringbahn, wo in wenigen Jahren die neue Baureihe 483/484 fahren werden, oder?
...



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.2020 23:37 von Henning.
Zitat
Henning
Zitat
Marienfelde
Auf Welt.de habe ich dazu auch etwas gefunden: [www.welt.de]

In diesem Artikel müsste ein Fehler sein: Die Linie S8 gehört doch zum Teilnetz Ringbahn, wo in wenigen Jahren die neue Baureihe 483/484 fahren werden, oder?
Richtig bemerkt. Gemeint ist die S85.
Wenn die Züge durch das Land beschafft werden und die Instandhaltung ein weiteres Unternehmen durchführt, bleiben für ein EVU nicht mehr sooo viele "Tätigkeiten" übrig. Und bei diesem Rest sind die Personalkosten schon ein sehr großer Block. Wenn man nun den Leuten nachher wie vorher dasselbe zahlen möchte (weil sonst zu wenige wechseln), dann bleiben nicht mehr viele Dinge übrig. Man muss dann dasselbe mit weniger Leuten oder (wobei die Zahl der TF sich nicht senken lassen wird) oder mit der gleichen Zahl an Leuten mehr rausholen. Aber letzteres ist schwierig, da doe Preise festgeschrieben sind und man auch nicht einfach mehr fahren kann für mehr Umsatz.

Was kann ein neuer Betreiber tun?
- Standards senken, die nix mit Personal zu tun haben (z. B. IT-Sicherheit)
- besseres Kostencontrolling
- stromsparender fahren
- billige IT/IT-Provider
- günstige Mietflächen
- weniger indirekte Leistungen (bAV, Langzeitkonto, ...) - die DB bietet schon sehr viel an dieser Stelle, wo jemand anderes sparen kann
- knapper kalkulieren und insolvent gehen

Euch fällt bestimmt noch mehr ein. Ich gehe davon aus, dass wir ein oder zwei neue S-Bahn-Betreiber bekommen werden. Ob das aber schön ist, wird man in 20 Jahren wohl besser beurteilen können :)
Und ich gehe auch bei gleichen Leistungen davon aus, dass nicht alle TF wechseln werden, zumal Dank Deutschlandtakt, i2030 etc. auch bei DB Regio, ODEG & Co. mehr Personal benötigt wird und Babyboomer in Massen in Rente gehen.
Der nächste Zeitungsartikel dazu:
[m.tagesspiegel.de]

Heute Senatssitzung dazu.
Es geht los.
Leider gibt es bzgl. der Tarifthematik keine Details
[www.rbb24.de]
Zitat
TomB
Es geht los.
Leider gibt es bzgl. der Tarifthematik keine Details
[www.rbb24.de]

Nun ja, das kann aber auch heißen, dass es für Nicht-DB-EVU eher unattraktiv wird, sich zu bewerben, weil letztlich kaum noch unternehmerisch frei gestaltbare Felder bleiben. Unter den rechtlich gegebenen Voraussetzungen war wohl tatsächlich keine Direktvergabe machbar. Aber - bis zur Zuschlagserteilung kann die Ausschreibung jederzeit abgebrochen werden...

Viele Grüße
Arnd
Zitat
TomB
Der nächste Zeitungsartikel dazu:
[m.tagesspiegel.de]

Heute Senatssitzung dazu.

In dem Artikel steht ja u.a. folgendes:

Gesucht werden per Vergabeverfahren nun Unternehmen, die die neuen S-Bahnen beschaffen und instandhalten und den Betrieb übernehmen wollen....
.....

Meine Frage:
War nicht eigentlich geplant das die 1308 neuen S-Bahn-Wagen das Land Berlin kaufen wollte?


Gruß S-BahnBerlin28
Zitat
S-Bahnberlin28
Zitat
TomB
Der nächste Zeitungsartikel dazu:
[m.tagesspiegel.de]

Heute Senatssitzung dazu.

In dem Artikel steht ja u.a. folgendes:

Gesucht werden per Vergabeverfahren nun Unternehmen, die die neuen S-Bahnen beschaffen und instandhalten und den Betrieb übernehmen wollen....
.....

Meine Frage:
War nicht eigentlich geplant das die 1308 neuen S-Bahn-Wagen das Land Berlin kaufen wollte?


Gruß S-BahnBerlin28

Alles richtig, was du schreibst, das schließt sich ja nicht aus. Die Wagen sollen in Landeseigentum übergehen, trotzdem muss die wer bauen, warten, und fahren. Das kann ein Unternehmen sein, können aber auch mehrere Unternehmen 'arbeitsteilig' verrichten.
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