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Chaos im Ausflugsverkehr an die Ostsee
geschrieben von Tradibahner 
Zitat
Bd2001
Zu kurze Bahnsteige, zu lange Fahrzeiten sind gerade auf den Strecken zur Ostsee das Problem, daß viele von der Wahl mit der Bahn anzureisen abhält.

Ja was denn nun? Das passt ja nun nicht gerade zum Anlass des Themenstarters. Zu lange Fahrzeiten sind offenbar gar nicht unbedingt das Problem, sonst würde sich ja kaum wer in 'n Fernbus setzen. Auf 'nem bequemen Sitz in einem klimatisierten, modernen und eben nicht überfüllten Doppelstockwagen lässt es sich ja auch 'n Weilchen aushalten.

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
Bd2001
Zitat
der weiße bim
Die Investitionen in die Bundesfernstraßen steigen um 49%:

Die Investitionen in das Schienennetz steigen noch stärker:

Und bleiben unter dem Strich unter dem Wert für Fernstraßen. Gerade die Schieneninfrastruktur ist kapitalintensiv.

Gemessen an der erbrachten Transportleistung kann sich die Investitionssumme in den Schienenverkehr sehen lassen, da auf den Straßen inzwischen über zehnmal mehr Personen befördert werden als auf deutschen Gleisen:



Im Gütervekehr sieht es ähnlich aus, hier teilt sich die Bahn den Nicht-Straßen-Anteil mit der Binnenschifffahrt, ähnlich wie im Personenverkehr mit der Luftfahrt.
Will aber nicht mehr als nötig Tortendiagramme zeigen, wegen Allergie einiger Teilnehmer ;-)

so long

Mario
Zitat
Mario
Will aber nicht mehr als nötig Tortendiagramme zeigen, wegen Allergie einiger Teilnehmer ;-)

Wer davon allerdings nicht genug bekommen kann, hier entlang...
[www.graphitti-blog.de]
[www.graphitti-blog.de]

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
Bd2001
Zu kurze Bahnsteige, zu lange Fahrzeiten sind gerade auf den Strecken zur Ostsee das Problem, daß viele von der Wahl mit der Bahn anzureisen abhält.

Meiner Meinung nach sind es die völlig überfüllten Züge, die viele von der Reise mit der Bahn abhält. Die Fahrzeiten mit RE 2 (Wismar) und RE 5 (Rostock) sind ja einigermaßen adäquat. Aber auch das Gezuckel mit der RB 3 dem RE 3, der ja an wirklich jeder Milchkanne hält, hält viele nicht von der Nutzung des Angebotes ab.


Es fährt keinmal am Tag ein Bus und das in beide Richtungen.
Zitat
Alter Köpenicker
Zitat
Bd2001
Zu kurze Bahnsteige, zu lange Fahrzeiten sind gerade auf den Strecken zur Ostsee das Problem, daß viele von der Wahl mit der Bahn anzureisen abhält.

Meiner Meinung nach sind es die völlig überfüllten Züge, die viele von der Reise mit der Bahn abhält. Die Fahrzeiten mit RE 2 (Wismar) und RE 5 (Rostock) sind ja einigermaßen adäquat. Aber auch das Gezuckel mit der RB 3 dem RE 3, der ja an wirklich jeder Milchkanne hält, hält viele nicht von der Nutzung des Angebotes ab.

Es wurde hier auch schon angesprochen, daß die Anreise mit dem Auto für viele zeitlich attraktiver ist. Würde man also schneller an die Ostsee per Bahn kommen würden so manche es sich überlegen, ob sie sich die Anreise mit dem Auto antun. Aber das würde ja die Züge noch mehr überfüllen.
Es wird immer so undifferenziert betrachtet...

Das Fernbus-Phänomen zeigt auf jeden Fall: Wenn's spottbillig ist, wird auch eine lange Fahrzeit in Kauf genommen.

Aber in der Preis/Geschwindigkeits-Frage darf man die ebenfalls große Menge Leute nicht ignorieren, denen es auf Geschwindigkeit ankommt*

Würde man also den MIV zur Ostsee aktiv reduzieren wollen, müsste es entsprechend folgendes differenziertes Angebot geben:

RB3 ^^ wie bisher 2h Erschließung möglichst vieler kleiner Ortschaften

RE3 entspricht in der Fahrplanlage ungefähr den jetzigen Einzel-ICs --> also um einen halben Takt versetzt zum RB3 mit Halt in Bernau, Eberswalde, Angermünde, Prenzlau, Pasewalk, Anklam, Züssow, Greifswald, Stralsund. Entsprechend mit bis zu 6/7 Dostos inkl. zweier Fahrradwagen (Unterer Stock nur Fahrräder)

neuer IC alle 2 h nur mit Halt in
Angermünde (mit Anschluss nach Stettin)
evtl. Pasewalk oder Anklam
Greifswald (mit Anschluss an Express-UBB, die bis Wolgast durchfährt und ab dort einen der regulären Verstärker-Umläufe bedient (im Sommerfahrplan))
Stralsund, Bergen, Binz

So könnte man (a) das derzeitige Kapzitätsproblem abfangen UND Kapazitäten schaffen für Menschen, die vom Auto auf den dann entspannten Zug umsteigen, sowie (b) adäquate Angebote für billig/langsam UND teuer/schnell schaffen



*Selbiges gilt auch für diese ständig auftauchenden U-Bahn/Tram-Diskussionen. Es braucht beides: Ein dichtes Schnell(!)-Netz und ein dichtes Tramnetz. Und bevor irgendjemand mit dem "U-Bahnen sind nicht schneller, weil lange Zugangswege..."-Argument losbrechen möchte: In Berlin gehen wir einfach eine kurze Treppe runter und stehen auf dem Bahnsteig. Wir sind ja nicht Stockholm!
Zitat
PassusDuriusculus
Und bevor irgendjemand mit dem "U-Bahnen sind nicht schneller, weil lange Zugangswege..."-Argument losbrechen möchte: In Berlin gehen wir einfach eine kurze Treppe runter und stehen auf dem Bahnsteig. Wir sind ja nicht Stockholm!

Stimmt, die Zugangswege bei den Neubaustrecken der letzten 35 Jahre (U7, U8, U2 und jetzt die U5) werden ja immer kürzer...

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
PassusDuriusculus
(...)
Würde man also den MIV zur Ostsee aktiv reduzieren wollen, müsste es entsprechend folgendes differenziertes Angebot geben:

RB3 ^^ wie bisher 2h Erschließung möglichst vieler kleiner Ortschaften

RE3 entspricht in der Fahrplanlage ungefähr den jetzigen Einzel-ICs --> also um einen halben Takt versetzt zum RB3 mit Halt in Bernau, Eberswalde, Angermünde, Prenzlau, Pasewalk, Anklam, Züssow, Greifswald, Stralsund. Entsprechend mit bis zu 6/7 Dostos inkl. zweier Fahrradwagen (Unterer Stock nur Fahrräder)

neuer IC alle 2 h nur mit Halt in
Angermünde (mit Anschluss nach Stettin)
evtl. Pasewalk oder Anklam
Greifswald (mit Anschluss an Express-UBB, die bis Wolgast durchfährt und ab dort einen der regulären Verstärker-Umläufe bedient (im Sommerfahrplan))
Stralsund, Bergen, Binz

So könnte man (a) das derzeitige Kapzitätsproblem abfangen UND Kapazitäten schaffen für Menschen, die vom Auto auf den dann entspannten Zug umsteigen, sowie (b) adäquate Angebote für billig/langsam UND teuer/schnell schaffen
(...)

Ich denke, so ein Konzept würde in die richtige Richtung gehen. Die Anschlüsse - auch in Züssow - wären natürlich sorgfältig zu planen.

Mit dem Ostsee-Ticket gibt es auch für den Fernverkehr ein preislich attraktives Angebot. Hier würde ich mir eine längere Geltungsdauer wünschen, also: Hin- und Rückfahrt innerhalb eines Monats statt innerhalb von 15 Tagen.

Einen schönen Tag wünscht Euch
Marienfelde
Zitat
PassusDuriusculus
...
Greifswald (mit Anschluss an Express-UBB, die bis Wolgast durchfährt und ab dort einen der regulären Verstärker-Umläufe bedient (im Sommerfahrplan))
...

Da Usedom sicher ein recht wichtiges Reiseziel für die Zielgruppe des Zuges ist, würde ich den Anschluss in Züssow nicht aufgeben wollen. Es sind immerhin fast 20 km, die doppelt gefahren werden müssten, wenn man den Umsteig verlegt.

Zitat
Marienfelde
Mit dem Ostsee-Ticket gibt es auch für den Fernverkehr ein preislich attraktives Angebot. Hier würde ich mir eine längere Geltungsdauer wünschen, also: Hin- und Rückfahrt innerhalb eines Monats statt innerhalb von 15 Tagen.

Man könnte diese Einschränkung auch ganz aufgeben und die Konditionen diesbezüglich dem ähnlichen Stadt-Land-Meer-Ticket angleichen.
Zitat
DaniOnline
Vielen Dank an Mario für die Zahlen, gefühlt hätte ich im Straßenbereich doppelt so viel wie im Schienenverkehr vermutet.

Glaube keiner Zahl.... ;-)

In den Grafiken haben wir die offiziellen Ansätze im aktuellen Bundesverkehrswegeplan. Also die Gelder, die der Bund (also der Zentralstaat) in die Bundesverkehrswege zu investieren beabsichtigt.
Nicht enthalten sind die ganzen zusätzlichen Haushaltstitel, die zur Finanzierung der Verkehrssysteme dienen. Als Faustwert gilt übrigens, dass die Länder, Kreise, Kommunen etc. mindestens noch einmal die gleiche Summe für den Straßenetat aufwenden. Es fließen auch weitere Mittel in den ÖPNV - darunter auch Schienenverkehre u.s.w. auf regionaler und kommunaler Ebene. Aber bei weitem nicht so viel, wie in die Straße.

Doch zurück zu den Ansätzen des Bundesverkehrswegeplans: In der Realität wurde in der Geschichte der Bundesrepublik noch kein ursprügnglich angesetzter Finanzrahmen eingehalten. Die während der Laufzeit gesetzten politischen Prioritäten haben stets zu einer Veränderung der Mittelverwendung geführt.

Und das Thema "Externe Kosten des Verkehrs" ist hier noch gar nicht angesprochen.

Insofern sind die Grafiken zwar schön anzusehen - doch leider bilden sie nicht ansatzweise die finanzielle Realität des Verkehrssystems in Deutschland ab.

Ingolf
Zitat
B-V 3313
Zitat
PassusDuriusculus
Und bevor irgendjemand mit dem "U-Bahnen sind nicht schneller, weil lange Zugangswege..."-Argument losbrechen möchte: In Berlin gehen wir einfach eine kurze Treppe runter und stehen auf dem Bahnsteig. Wir sind ja nicht Stockholm!

Stimmt, die Zugangswege bei den Neubaustrecken der letzten 35 Jahre (U7, U8, U2 und jetzt die U5) werden ja immer kürzer...

In der Tat ist es immer wieder beeindruckend, wie hier bei fast jedem Thema die U-Bahn als geeignetes Verkehrssystem für die Flächenerschließung angepriesen wird.
Kommt als Nächstes hier jetzt ein Vorschlag für eine U-Bahn-Strecke an die Ostsee als Lösung aller Verkehrsprobleme? Natürlich mit maximaler Flächenerschließungsfunktion - vom U-Bahn-Ausgang direkt an den Strand. Ich befürchte jedoch, die meisten Tunneleulen würden den Licht- und Frischluftschock dann nicht vertragen... ;-)
[images2.dawandastatic.com]

Sommerliche Grüße ;-)
Ingolf
Zitat
fatabbot
Zitat
Alter Köpenicker
Als es noch das Tragflächenboot ab Stettin gab (Bosman-Express), war das sogar eine schnellere Alternative.

Gibt es doch (unter anderem Namen) noch. [wodolotszczecin.com.pl]

Allerdings verkündet die Seite zum einen Termine und Preise, zum anderen die Einstellung der Fahrten im Juli (nicht: ab).

Für dieses Jahr sind alle Fahrten annulliert.
Es ist übrigens ein anderes Unternehmen und ein anderes Tragflügelboot, als seinrzeit der "Bosman-Express"
(Steht auf der roten Oberzeile auf dem Link oben).

Ingolf
Zitat
Ingolf
Für dieses Jahr sind alle Fahrten annulliert.
(Steht auf der roten Oberzeile auf dem Link oben).

Ingolf

Jetzt steht das da. Und als ich den Link gepostet habe stand dort das, was ich schrieb: Das die Fahrten im (nicht: ab) Juli gestrichen wurden.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.08.2018 13:32 von fatabbot.
Zitat
fatabbot
Zitat
Ingolf
Für dieses Jahr sind alle Fahrten annulliert.
(Steht auf der roten Oberzeile auf dem Link oben).

Ingolf

Jetzt steht das da. Und als ich den Link gepostet habe stand dort das, was ich schrieb: Das die Fahrten im (nicht: ab) Juli gestrichen wurden.

Als ich vor einigen Jahren mal wieder mitfahren wollte, hieß es, das uralte Boot aus russischer Produktion sei kaputt und wann und ob überhaupt der Verkehr wieder aufgenommen werde, sei völlig unbekannt. Offenbar wurde vorübergehend nun wieder eine Alternative gefunden; schade, daß es nichts dauerhaftes geworden ist - handelte es sich doch um den schnellsten Weg nach Swinemünde. Es hatte schon was, mit 75 km/h über das Stettiner Haff zu brettern.


Es fährt keinmal am Tag ein Bus und das in beide Richtungen.
Zitat
fatabbot
Jetzt steht das da. Und als ich den Link gepostet habe stand dort das, was ich schrieb: Das die Fahrten im (nicht: ab) Juli gestrichen wurden.

Eben, deswegen habe ich ja die aktuelle Meldung hier reingeschrieben. ;-)
Ingolf
Zitat
Alter Köpenicker

Als ich vor einigen Jahren mal wieder mitfahren wollte, hieß es, das uralte Boot aus russischer Produktion sei kaputt und wann und ob überhaupt der Verkehr wieder aufgenommen werde, sei völlig unbekannt. Offenbar wurde vorübergehend nun wieder eine Alternative gefunden; schade, daß es nichts dauerhaftes geworden ist - handelte es sich doch um den schnellsten Weg nach Swinemünde. Es hatte schon was, mit 75 km/h über das Stettiner Haff zu brettern.

Uraltes Boot? Der Bosmann-Expreß ist Baujahr 1993 und damit keineswegs uralt. Die an der Ostsee rumschippernden Adler-Schiffe sind allesamt Mitte der 60er Jahre gebaut. Da kann man eher von uralt sprechen.
Das von PassusDuriusculus weiter oben entwickelte Konzept würde natürlich Geld kosten.

Unterhalb der Ebene, viel mehr Züge zu bestellen und ein vernünftiges Fernverkehrsangebot (wieder) aufzubauen, würden längere Zuglängen auf der RE 3 auf den Umläufen nach Züssow/Stralsund natürlich helfen.

Gestern habe ich immer mal wieder Aushänge der DB gelesen, denen zufolge in Klein Bünzow (zwischen Züssow und Anklam) neue Bahnsteige mit 140 Meter Länge gebaut werden sollen - also für eine maximale Zuglänge von fünf Wagen.

Die Leute, die derlei Entscheidungen zu verantworten haben, lernen auch nichts,
meint Marienfelde.

P.S.: Ja, ich weiß - im ungleich wichtigeren Neubrandenburg wird derselbe Unfug getrieben. Dennoch: Im Zweifel wird der Standard durch das schwächste Glied in der Kette bestimmt.
Kernpunkt aus meiner Sicht wäre ja eine strikte Trennung von RE- und RB-Verkehren. Die RB's sind Nahverkehr und Ländersache. Die Bundeslandgrenzen-überschreitenden RE's sind ein Mischding aus Nah- und Fernverkehr, hier sollte man einmal grundsätzlich darüber nachdenken, ob diese zu 100% aus den Nahverkehrstöpfen finanziert werden sollen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass für die RE-Nutzung ein Zuschlag - ähnlich den Schnellbussen in Hamburg - gezahlt werden muss.
Heute haben wir leider vielfach Züge die als RE's unterwegs sind, aber an jeder Milchkanne halten. Das sind aus meiner Sicht RB's.
Eine besonders nette Mischform gibt es auf dem RE 1 Ost. Der erste Zug ist zwischen Berlin und Erkner RE, dann bis Fürstenwalde RB (mit Halt auf allen Stationen), dann bis Frankfurt/Oder RE. Der zweite Zug ist von Berlin bis Fürstenwalde RE, dann bis Frankfurt/Oder RB.

Bäderbahn
Zitat
Bäderbahn
Kernpunkt aus meiner Sicht wäre ja eine strikte Trennung von RE- und RB-Verkehren. Die RB's sind Nahverkehr und Ländersache. Die Bundeslandgrenzen-überschreitenden RE's sind ein Mischding aus Nah- und Fernverkehr, hier sollte man einmal grundsätzlich darüber nachdenken, ob diese zu 100% aus den Nahverkehrstöpfen finanziert werden sollen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass für die RE-Nutzung ein Zuschlag - ähnlich den Schnellbussen in Hamburg - gezahlt werden muss.
Heute haben wir leider vielfach Züge die als RE's unterwegs sind, aber an jeder Milchkanne halten. Das sind aus meiner Sicht RB's.
Eine besonders nette Mischform gibt es auf dem RE 1 Ost. Der erste Zug ist zwischen Berlin und Erkner RE, dann bis Fürstenwalde RB (mit Halt auf allen Stationen), dann bis Frankfurt/Oder RE. Der zweite Zug ist von Berlin bis Fürstenwalde RE, dann bis Frankfurt/Oder RB.

Das sind natürlich sehr grundsätzliche Fragen. Die RE-Linien decken zu einem erheblichen Teil Aufgaben des (reduzierten oder ganz eingestellten) "eigenwirtschaftlichen" Fernverkehrs ab, keine Frage.

Auf vielen "Rennstrecken" gibt es ein Grundangebot in Form von Nahverkehrs- oder "moderner" Regionalzügen nicht mehr, außer der RE 1 wären die RE 3 und 4 "Süd" mit ihren unterschiedlichen Haltekonzepten ein Beispiel dafür. Die meist nur bis Ludwigsfelde verkehrende RE 4 bedient Teltow und Birkengrund, die RE 3 dann Thyrow usw. Für die Masse der Fahrgäste von und nach Berlin prima, aber wer mit der Bahn von Teltow nach Thyrow möchte, hat Pech.

Zuschläge für RE halte ich nicht für sinnvoll. Vielmehr sollte der Bund endlich seine sich aus dem Artikel 87e (4) GG ergebenden Verpflichtungen für den Fernverkehr wahrnehmen.

Leider lehnt die derzeitige Bundesregierung und die sie tragende Bundestagsmehrheit das im Artikel 87e (4) GG zwingend vorgesehene Fernverkehrsgesetz ab, wie auch alle Vorgängerregierungen bzw. Bundestagsmehrheiten seit der sogenannten "Bahnreform", die zu Weihnachten 1993 beschlossen wurde.

"Die Bundesregierung lehnt den Gesetzentwurf ab, da er insbesondere die mit der Bahnreform 1993 geschaffenen Verhältnisse (ausschließliche Eigenwirtschaftlichkeit des SPFV) umkehren und mit hohen zusätzlichen finanziellen Belastungen für den Bund einhergehen würde." Dies ergibt sich aus der Stellungnahme der Bundesregierung zum Gesetzentwurf des Bundesrates für ein Schienenpersonenfernverkehrsgesetz (Seite 10), hier mal ein Link für Interessierte: [dip21.bundestag.de]

Hier wird der Wortlaut des Grundgesetzes seitens der Bundesregierung ins Gegenteil verkehrt - und warum? Weil ein Fernverkehrsgesetz Geld kosten würde. Die Haltung aller Bundesregierungen und der sie jeweils tragenden Bundestagsmehrheiten in dieser Frage ist ein politischer Skandal, seit 1993,

meint Marienfelde.
Zitat
PassusDuriusculus
Es wird immer so undifferenziert betrachtet...

Das Fernbus-Phänomen zeigt auf jeden Fall: Wenn's spottbillig ist, wird auch eine lange Fahrzeit in Kauf genommen.

Aber in der Preis/Geschwindigkeits-Frage darf man die ebenfalls große Menge Leute nicht ignorieren, denen es auf Geschwindigkeit ankommt*

Würde man also den MIV zur Ostsee aktiv reduzieren wollen, müsste es entsprechend folgendes differenziertes Angebot geben:

RB3 ^^ wie bisher 2h Erschließung möglichst vieler kleiner Ortschaften

RE3 entspricht in der Fahrplanlage ungefähr den jetzigen Einzel-ICs --> also um einen halben Takt versetzt zum RB3 mit Halt in Bernau, Eberswalde, Angermünde, Prenzlau, Pasewalk, Anklam, Züssow, Greifswald, Stralsund. Entsprechend mit bis zu 6/7 Dostos inkl. zweier Fahrradwagen (Unterer Stock nur Fahrräder)

neuer IC alle 2 h nur mit Halt in
Angermünde (mit Anschluss nach Stettin)
evtl. Pasewalk oder Anklam
Greifswald (mit Anschluss an Express-UBB, die bis Wolgast durchfährt und ab dort einen der regulären Verstärker-Umläufe bedient (im Sommerfahrplan))
Stralsund, Bergen, Binz

So könnte man (a) das derzeitige Kapzitätsproblem abfangen UND Kapazitäten schaffen für Menschen, die vom Auto auf den dann entspannten Zug umsteigen, sowie (b) adäquate Angebote für billig/langsam UND teuer/schnell schaffen



*Selbiges gilt auch für diese ständig auftauchenden U-Bahn/Tram-Diskussionen. Es braucht beides: Ein dichtes Schnell(!)-Netz und ein dichtes Tramnetz. Und bevor irgendjemand mit dem "U-Bahnen sind nicht schneller, weil lange Zugangswege..."-Argument losbrechen möchte: In Berlin gehen wir einfach eine kurze Treppe runter und stehen auf dem Bahnsteig. Wir sind ja nicht Stockholm!

Die DB hatte (hat) in den vergangen Jahren das Ziel verfolgt, möglichst viele IC´s durch RE´s zu ersetzen, die gelten als Nahverkehrszüge und werden von den Kommunen bezahlt.

Hatte man früher noch ein etwaiges 2 Stundenangebot von Berlin an die Ostsee, so sind es heute nur noch vereinzlte IC - Züge. Es sind ja nicht nur die Berliner und Brandenburger, die an die Ostsee fahren, sondern auch aus dem übrigen Bundesgebiet kommen Urlauber per Bahn. Verlockend ist die Vorstellung nicht , wenn man z b aus Westdeutschland mit dem ICE ankommt und schon einige Stunden Fahrzeit hinter sich hat, dann noch in einen Mlchkannenexpress einzusteigen. Der RE 3 ist einfach zu langsam und müsste - wie Du schon richtig sagst - auf wenige Halte beschränkt werden. Hier werden aber Berufspendler und Urlauberverkehre zusammengemischt. Bis vor einem Jahr gab es auf dem RE 3 noch nicht einmal klimatisierte Wagen, geschweige denn das in diesen genügend Stauraum für Gepäck vorhanden war. Als Vielfahrer hatte ich die Möglichkeit mit einigen Reisenden zu sprechen, das Echo war grundsätzlich, das machen wir nie wieder, das ist ja Viehtransport.

Fairerweise muss man aber auch sagen, das ´viele Ostseegemeinden sich in der Vergangenheit mehr um schicke Autobahnen bemüht haben statt um eine attraktive Zuganbindung. So langsam dämmert denen aber auch das es nicht so prickelnd ist, wenn alle mit dem eigenen rollenden Umweltverschmutzer angebraust kommen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 09.08.2018 13:15 von Hansawagen.
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