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Jahresticket für 365 Euro?!
geschrieben von micha774 
Da stimme ich dir zu.

Ich wiederum habe verpasst, was das 365€-Ticket mit Verkehrswende zu tun hat (1) bzw. was daran sozial ist. (2)

Eig wurde ja verstreut alles irgendwo schon mal gesagt... Aber zur Zusammenfassung

(1) Ganz konkret hier vorort im VBB scheitert es an Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Angebotsdichte. (Ich bin auch immer überrascht wo irgendwo mitten in Schleswig-Holstein oder von Frankfurt Main ausgehend nach Hessen Züge mit 7 Doppelstockwagen im 30-Minuten-Takt verkehren)

Hier muss investiert werden, die Tickets sind billig genug .


(2) Wenn alle wenig zahlen, auch die, die mehr zahlen könnten ist es noch nicht sozial. Es sei denn man (=die Politik) finanziert das 365€ Ticket aus am Einkommen orientierten Steuern
Zitat
PassusDuriusculus

(2) Wenn alle wenig zahlen, auch die, die mehr zahlen könnten ist es noch nicht sozial.

Was wäre denn sozial?
So nach dem gestern Nacht mei Handy einmal abgestürzt ist und einmal Bahninfo abgestürzt ist Versuch Nr.3:

Ein Ticket welches sich im plakativen Extremfall nur nach einer sozialen Komponente richten würde, würde bedeuten, dass der Preis prozentual vom Einkommen abhängt: Bei einem Jahreseinkommen von 100.000 kostet die Jahreskarte bspw. 1000€ und bei einem Jahreseinkommen von 10.000 würde sie nur 100€ kosten.
Dass würde natürlich auch funktionieren wenn jeder den gleichen/einen symbolischen Ticketpreis zahlen würde und der Rest genau so durch einkommensabhängige Steuern finanziert wird.

Da ja Mobilität nicht nur Grundbedürfnissen dient, ist eine 100% Fokussierung auf die soziale Komponente bestimmt nicht sinnvoll.

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Wenn jetzt einfach der Fahrpreis verbilligt wird, sagt das noch lange nichts darüber aus, ob es dadurch mehr oder weniger sozial wird.

Es kann sozialer werden, wenn die Mindereinnahmen und nötigen Investitionen aus bestimmten Steuergeldern oder zusätzlichen Abgaben bezahlt werden.

Es kann weniger sozial werden, wenn dadurch z.B. Ermäßigungen wie ein Sozialticket wegfallen, z.B. weil dann quasi alle ungefähr den Preis des derzeitigen Sozialtickets zahlen, und Bedürftige dann kaum weniger zahlen (derzit ca. 95cent pro Tag mit dem Berliner Sozialticket) also verglichen zu den anderen nicht entlastet werden.

Zum Schluss, was ich noch festhalten will: Sozial heißt nicht einfach nur billig. Leider wird das viel zu oft gleichgesetzt.

Sozial heißt, dass die Gemeinschaft Sachen ermöglicht (finanziert), die sonst auf individueller Ebene nicht finanziert werden könnten.

Und natürlich haben wir derzeit schon diverse soziale Mechanismen, die - wie den Armutsberichten der vergangenen Jahre bzw. dem Auseinandergehen der Schere von Arm und Reich zu entnehmen ist - aber nicht ausreichen.


Zu guter letzt, es ist natürlich auch sehr fragwürdig, wenn gesellschaftliche Missstände über Fahrpreise geregelt werden müssen..Natürlich würde ich da andere UmFairteilungsmechanismen für sinnvoller halten, aber das verlässt dann eindeutig die Nahverkehrsfrage.
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur um Sozial-, sondern auch um Umweltpolitik geht. Für finanziell Schwächere ist es durchaus eine Entlastung, wenn die Jahreskarte nur noch die Häfte kostet. Und besser Situierte kommt die Jahreskarte zuweilen dann in einen Bereich, bei dem man nicht drüber nachdenkt, ob man sie kauft ("Ist ja nur ein Euro pro Tag!") - und wenn man sie erstmal hat, fällt schon mal ein wesentlicher Grund, nicht den ÖPNV zu benutzen, weg ("Keine Lust, Fahrkarten zu kaufen!", "Keine Münzen dabei" etc.) - man hat ja eh die Fahrkarte, also fällt die Entscheidung zugunsten des ÖPNVs leichter.

Insofern schlägt eine günstige Jahreskarte zwei Fliegen mit einer Klappe.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.07.2019 08:38 von def.
Zitat
def
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur um Sozial-, sondern auch um Umweltpolitik geht. Für finanziell Schwächere ist es durchaus eine Entlastung, wenn die Jahreskarte nur noch die Häfte kostet. Und besser Situierte kommt die Jahreskarte zuweilen dann in einen Bereich, bei dem man nicht drüber nachdenkt, ob man sie kauft ("Ist ja nur ein Euro pro Tag!") - und wenn man sie erstmal hat, fällt schon mal ein wesentlicher Grund, nicht den ÖPNV zu benutzen, weg ("Keine Lust, Fahrkarten zu kaufen!", "Keine Münzen dabei" etc.) - man hat ja eh die Fahrkarte, also fällt die Entscheidung zugunsten des ÖPNVs leichter.

Insofern schlägt eine günstige Jahreskarte zwei Fliegen mit einer Klappe.
Dennoch, ohne eine gleichzeitige Verknappung des Straßenlandes für den MIV stehen wir am Ende genauso dumm da wie vorher. Die Straßen sind noch immer voll, der ÖPNV ist nur noch voller geworden. Denn dadurch, dass Leute zum ÖV motiviert werden, und damit den MIV entlasten KÖNNTEN (wer sagt denn, dass die vom MIV kommen und nicht vorher gelaufen oder mitm Fahrrad gefahren sind?), werden die Straßen fürs erste leerer, die dann jedoch von anderen Reisewilligen wieder aufgefüllt werden, weil "jetzt ist ja kein Stau/Zähfließender Verkehr mehr"...
Zitat
Chep87
Dennoch, ohne eine gleichzeitige Verknappung des Straßenlandes für den MIV stehen wir am Ende genauso dumm da wie vorher. Die Straßen sind noch immer voll, der ÖPNV ist nur noch voller geworden. Denn dadurch, dass Leute zum ÖV motiviert werden, und damit den MIV entlasten KÖNNTEN (wer sagt denn, dass die vom MIV kommen und nicht vorher gelaufen oder mitm Fahrrad gefahren sind?), werden die Straßen fürs erste leerer, die dann jedoch von anderen Reisewilligen wieder aufgefüllt werden, weil "jetzt ist ja kein Stau/Zähfließender Verkehr mehr"...

Andersrum wird ein Schuh draus, ohne massive Ausweitung des ÖPNV Angebotes werden die Straßen nicht leerer werden und eine Verknappung des Straßenlandes ohne ÖPNV Ausbau mag in einigen Köpfen eine billige und politisch einwandfreie Aktion darstellen aber letztendlich nur für Frust im Volk sorgen.
Wer mit billigen Tickets Leute in den ÖPNV locken will muß erstmal den auf Kante agierenden ÖPNV ordentlich aufweiten, danach kann über die Vernappung von Straßenland nachgedacht werden!

Gruß aus dem Speckgürtel :-)

Regio + S-Bahn + U-Bahn + Tram + Bus = nur gemeinsam stark
Zitat
Chep87
Zitat
def
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur um Sozial-, sondern auch um Umweltpolitik geht. Für finanziell Schwächere ist es durchaus eine Entlastung, wenn die Jahreskarte nur noch die Häfte kostet. Und besser Situierte kommt die Jahreskarte zuweilen dann in einen Bereich, bei dem man nicht drüber nachdenkt, ob man sie kauft ("Ist ja nur ein Euro pro Tag!") - und wenn man sie erstmal hat, fällt schon mal ein wesentlicher Grund, nicht den ÖPNV zu benutzen, weg ("Keine Lust, Fahrkarten zu kaufen!", "Keine Münzen dabei" etc.) - man hat ja eh die Fahrkarte, also fällt die Entscheidung zugunsten des ÖPNVs leichter.

Insofern schlägt eine günstige Jahreskarte zwei Fliegen mit einer Klappe.
Dennoch, ohne eine gleichzeitige Verknappung des Straßenlandes für den MIV stehen wir am Ende genauso dumm da wie vorher. Die Straßen sind noch immer voll, der ÖPNV ist nur noch voller geworden. Denn dadurch, dass Leute zum ÖV motiviert werden, und damit den MIV entlasten KÖNNTEN (wer sagt denn, dass die vom MIV kommen und nicht vorher gelaufen oder mitm Fahrrad gefahren sind?), werden die Straßen fürs erste leerer, die dann jedoch von anderen Reisewilligen wieder aufgefüllt werden, weil "jetzt ist ja kein Stau/Zähfließender Verkehr mehr"...

Klar. In der Hinsicht ist Wien übrigens auch nicht so vorbildlich wie oft getan wird. Natürlich hat man in nicht wenigen Nebenstraßen verkehrsberuhigende Maßnahmen umgesetzt, aber den Mut, z.B. eine Hauptstraße* um eine Spur zurückzubauen, hatte man noch nicht. Im Gegenteil, es wurden sogar neue gebaut, und man plant als "Entlastung" der Südost-Tangente einen Tunnel unter der Lobau, einem riesigen Schutzgebiet im Südosten, außerdem man völlig neue Bundesstraße (B232) im Norden der Stadt.
___
* Ich meine Hauptstraße hinsichtlich Verkehrsaufkommen, nicht hinsichtlich Bedeutung im Stadtgefüge.
Zitat
Chep87
Zitat
def
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur um Sozial-, sondern auch um Umweltpolitik geht. Für finanziell Schwächere ist es durchaus eine Entlastung, wenn die Jahreskarte nur noch die Häfte kostet. Und besser Situierte kommt die Jahreskarte zuweilen dann in einen Bereich, bei dem man nicht drüber nachdenkt, ob man sie kauft ("Ist ja nur ein Euro pro Tag!") - und wenn man sie erstmal hat, fällt schon mal ein wesentlicher Grund, nicht den ÖPNV zu benutzen, weg ("Keine Lust, Fahrkarten zu kaufen!", "Keine Münzen dabei" etc.) - man hat ja eh die Fahrkarte, also fällt die Entscheidung zugunsten des ÖPNVs leichter.

Insofern schlägt eine günstige Jahreskarte zwei Fliegen mit einer Klappe.
Dennoch, ohne eine gleichzeitige Verknappung des Straßenlandes für den MIV stehen wir am Ende genauso dumm da wie vorher. Die Straßen sind noch immer voll, der ÖPNV ist nur noch voller geworden. Denn dadurch, dass Leute zum ÖV motiviert werden, und damit den MIV entlasten KÖNNTEN (wer sagt denn, dass die vom MIV kommen und nicht vorher gelaufen oder mitm Fahrrad gefahren sind?), werden die Straßen fürs erste leerer, die dann jedoch von anderen Reisewilligen wieder aufgefüllt werden, weil "jetzt ist ja kein Stau/Zähfließender Verkehr mehr"...

Vollkommen realistische Einschätzung.
Ich bin uneingeschränkt für die 365-Euro-Karte. Sie ist tatsächlich geeignet, Leute in den ÖPNV zu ziehen. Sie ist aber - alleine - ungeeignet, um Leute aus den Autos rauszuholen. Dazu braucht es weitere, flankierende Maßnahmen, von denen Du eine genannt hast.
Zitat
schallundrausch
Zitat
Chep87
Zitat
def
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur um Sozial-, sondern auch um Umweltpolitik geht. Für finanziell Schwächere ist es durchaus eine Entlastung, wenn die Jahreskarte nur noch die Häfte kostet. Und besser Situierte kommt die Jahreskarte zuweilen dann in einen Bereich, bei dem man nicht drüber nachdenkt, ob man sie kauft ("Ist ja nur ein Euro pro Tag!") - und wenn man sie erstmal hat, fällt schon mal ein wesentlicher Grund, nicht den ÖPNV zu benutzen, weg ("Keine Lust, Fahrkarten zu kaufen!", "Keine Münzen dabei" etc.) - man hat ja eh die Fahrkarte, also fällt die Entscheidung zugunsten des ÖPNVs leichter.

Insofern schlägt eine günstige Jahreskarte zwei Fliegen mit einer Klappe.
Dennoch, ohne eine gleichzeitige Verknappung des Straßenlandes für den MIV stehen wir am Ende genauso dumm da wie vorher. Die Straßen sind noch immer voll, der ÖPNV ist nur noch voller geworden. Denn dadurch, dass Leute zum ÖV motiviert werden, und damit den MIV entlasten KÖNNTEN (wer sagt denn, dass die vom MIV kommen und nicht vorher gelaufen oder mitm Fahrrad gefahren sind?), werden die Straßen fürs erste leerer, die dann jedoch von anderen Reisewilligen wieder aufgefüllt werden, weil "jetzt ist ja kein Stau/Zähfließender Verkehr mehr"...

Vollkommen realistische Einschätzung.
Ich bin uneingeschränkt für die 365-Euro-Karte. Sie ist tatsächlich geeignet, Leute in den ÖPNV zu ziehen. Sie ist aber - alleine - ungeeignet, um Leute aus den Autos rauszuholen. Dazu braucht es weitere, flankierende Maßnahmen, von denen Du eine genannt hast.

Ist ja alles richtig. Die Gefahr, die ich sehe, ist aber, dass manche meinen, ohne das Andere würde das Eine nicht gehen. "Erst wenn der ÖPNV besser geworden ist, können wir Maßnahmen gegen das Auto einleiten". "Erst wenn der Autoverkehr zurückgedrängt wurde, haben wir mehr Platz für ÖPNV und Fahrrad" und was es noch alles an Kombinationen gibt. So kann man sich bis zum St. Nimmerleinstag blockieren.

Man muss an einer Stelle anfangen. Am besten dort, wo es am einfachsten möglich ist. Erst das erhöht den Druck, auch an den anderen Stellen was zu tun.
Man muss vorallem nicht mit dem einen auf das andere warten. ÖPNV-Ausbau und Straßenrückbau lassen sich sehr gut zu gleich erledigen. Baut man eine neue U- oder Straßenbahnstrecke wird ja sowieso während des Baus häufig der Verkehr eingeschränkt nach Beendigung der Baumaßnahmen kann man die Beschränkungen für den MIV einfach beibehalten.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nemo
Man muss vorallem nicht mit dem einen auf das andere warten. ÖPNV-Ausbau und Straßenrückbau lassen sich sehr gut zu gleich erledigen. Baut man eine neue U- oder Straßenbahnstrecke wird ja sowieso während des Baus häufig der Verkehr eingeschränkt nach Beendigung der Baumaßnahmen kann man die Beschränkungen für den MIV einfach beibehalten.

Nur sind ÖPNV-Ausbaumaßnahmen leider das, was im Regelfall von allen möglichen Sachen, die man anfangen könnte, objektiv am längsten dauert.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.07.2019 10:57 von Global Fisch.
Zitat
Global Fisch
Zitat
schallundrausch
Zitat
Chep87
Zitat
def
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur um Sozial-, sondern auch um Umweltpolitik geht. Für finanziell Schwächere ist es durchaus eine Entlastung, wenn die Jahreskarte nur noch die Häfte kostet. Und besser Situierte kommt die Jahreskarte zuweilen dann in einen Bereich, bei dem man nicht drüber nachdenkt, ob man sie kauft ("Ist ja nur ein Euro pro Tag!") - und wenn man sie erstmal hat, fällt schon mal ein wesentlicher Grund, nicht den ÖPNV zu benutzen, weg ("Keine Lust, Fahrkarten zu kaufen!", "Keine Münzen dabei" etc.) - man hat ja eh die Fahrkarte, also fällt die Entscheidung zugunsten des ÖPNVs leichter.

Insofern schlägt eine günstige Jahreskarte zwei Fliegen mit einer Klappe.
Dennoch, ohne eine gleichzeitige Verknappung des Straßenlandes für den MIV stehen wir am Ende genauso dumm da wie vorher. Die Straßen sind noch immer voll, der ÖPNV ist nur noch voller geworden. Denn dadurch, dass Leute zum ÖV motiviert werden, und damit den MIV entlasten KÖNNTEN (wer sagt denn, dass die vom MIV kommen und nicht vorher gelaufen oder mitm Fahrrad gefahren sind?), werden die Straßen fürs erste leerer, die dann jedoch von anderen Reisewilligen wieder aufgefüllt werden, weil "jetzt ist ja kein Stau/Zähfließender Verkehr mehr"...

Vollkommen realistische Einschätzung.
Ich bin uneingeschränkt für die 365-Euro-Karte. Sie ist tatsächlich geeignet, Leute in den ÖPNV zu ziehen. Sie ist aber - alleine - ungeeignet, um Leute aus den Autos rauszuholen. Dazu braucht es weitere, flankierende Maßnahmen, von denen Du eine genannt hast.

Ist ja alles richtig. Die Gefahr, die ich sehe, ist aber, dass manche meinen, ohne das Andere würde das Eine nicht gehen. "Erst wenn der ÖPNV besser geworden ist, können wir Maßnahmen gegen das Auto einleiten". "Erst wenn der Autoverkehr zurückgedrängt wurde, haben wir mehr Platz für ÖPNV und Fahrrad" und was es noch alles an Kombinationen gibt. So kann man sich bis zum St. Nimmerleinstag blockieren.

Man muss an einer Stelle anfangen. Am besten dort, wo es am einfachsten möglich ist. Erst das erhöht den Druck, auch an den anderen Stellen was zu tun.

Ebenfalls volle Zustimmung. Irgendein Schritt muss nunmal der erste sein. Die "Argumente", bevor nicht dies und jenes geregelt sei, könne man nich sone und solche Maßnahmen ergreifen, sind nichts als Ausreden, Verhinderungstaktik und Zauderei.

Übrigens kommt man aus dem Henne-Ei-Dilemma auch ganz einfach raus. Wenn man von einer 2-spurigen MIV-Richtungsfahrbahn eine Spur wegnimmt, und daraus eine Busspur, dann verdoppelt sich die Durchlassfähigkeit (in Personen) das Straßenquerschnitts. Macht man stattdessen einen Radweg draus, dann verdreifacht sich die (gesamt-)Kapazität sogar.
Wenn man den Autoverkehr zurückdrängt, hat man ja automatisch mehr Platz. Der muss ja dann irgendwohin. :D
Zitat
Global Fisch
Zitat
Nemo
Man muss vorallem nicht mit dem einen auf das andere warten. ÖPNV-Ausbau und Straßenrückbau lassen sich sehr gut zu gleich erledigen. Baut man eine neue U- oder Straßenbahnstrecke wird ja sowieso während des Baus häufig der Verkehr eingeschränkt nach Beendigung der Baumaßnahmen kann man die Beschränkungen für den MIV einfach beibehalten.

Nur sind ÖPNV-Ausbaumaßnahmen leider das, was im Regelfall von allen möglichen Sachen, die man anfangen könnte, objektiv am längsten dauert.

Und sie dauern immer länger. Rückblickend erscheint es ein Wunder, wenn man sich überlegt, was in den gut anderthalb Jahrzehnten (2006) nach der Wende geleistet wurde:

- komplette Umkrempelung des Berliner Eisenbahnsystems, inklusive Stadtbahnsanierung und Neubau des Nord-Süd-Tunnels (samt Zulaufstrecken), des Hauptbahnhofs und der Bahnhöfe Spandau, Gesundbrunnen und Südkreuz
- Wiederinbetriebnahme der gesamten westlichen Ringbahn inkl. Umgestaltung Nordkreuz
- Wiederinbetriebnahme der S-Bahn nach Potsdam, Spandau, Blankenfelde, Lichterfelde Süd, Hennigsdorf sowie der Strecken Neukölln - Baumschulenweg und Frohnau - Hohen Neuendorf
- Neubau der S-Bahn-Strecke Lichterfelde Süd - Teltow Stadt
- Wiederinbetriebnahme der U1 auf der Oberbaumbrücke und der U2 zwischen Mohrenstraße und Wittenbergplatz
- Verlängerung der U8 im Norden und Süden (ich weiß, die Nordverlängerung begann schon in den 80ern)
- Straßenbahn zur Riesaer Straße (auch schon zu DDR-Zeiten geplant), zum Virchow-Klinikum, Alex I, nach Französisch Buchholz und in der Bernauer Straße, nebenbei die komplette Modernisierung des Fahrzeugparks und eines Großteils des Streckennetzes

Es wäre schön, wenn es gesamtgesellschaftlich eine Debatte zur Planungsdauer von Infrastrukturprojekten gäbe. Und dazu muss die Politik, auch wenn es unpopulär ist, einmal den Leuten klarmachen, dass möglichst viel Beteiligung und möglichst schnelle Planung Zielkonflikte sind. Es braucht ein gesellschaftliches Aushandeln, was wichtiger ist (ggf. auch differenziert nach Infrastrukturprojekten) - ich habe aber das Gefühl, dass sich die wenigsten dieses Zielkonflikts bewusst sind. Fragt mann 100 Leute, ob schnell geplant und gebaut werden sollte, antworten sicher 90 von ihnen "Ja!". Fragt man die gleichen Leute, ob sie stärker beteiligt werden wollen, dummerweise auch...
Auch was den MIV angeht, könnte man jetzt gleich sofort anfangen, wenn man denn wollte, ohne jede Bürokratie. Nämlich in dem man die bestehenden Verkehrsregeln durchsetzt. (Und bevor das übliche Autofahrer-Mimimi und das Zeigen mit dem Finger auf die pöhsen Radfahrer kommt: Natürlich dürfen die Ordnungshüter auch Gehwegradler, Rotlichtfahrer und andere gleich mit abkassieren. ) In den Vierteln in den inneren Bezirken müssten flächendeckend und 24/7 Falschparker angezeigt und im Falle von Behinderungen kurzfristig abgeschleppt werden. Das würde vermutlich schon reichen, dass man zu Fuß schneller von der Charlottenburger Fritschestr. zur Wilmersdorfer Hildegardstr. läuft als mit dem Auto fährt und es legal abstellt.

Zweiter Schritt um den Verkehr flüssiger zu machen: Ein Hauptstraßennetz für den Durchgangsverkehr festlegen und die für den reinen Anwohnerverkehr gedachten Straßen an geeigneter Stelle sperren. In der Steglitzer Schloßstr. könnte man z.B. unter der Brücke Schildhornstr. wunderbar eine Schleuse einrichten, die nur ÖPNV und Einsatzfahrzeuge durchlässt. Alle Geschäfte bleiben erreichbar, auch mit dem Auto, nur wer von Schöneberg nach Zehlendorf will, muss die Autobahn nehmen, die genau dafür gebaut wurde. Gleiches gilt für die parallel zur A100 laufenden Straßen.

Schritt 3 wäre dann zu gucken, wo tatsächlich noch zusätzliche Fahrspuren gebraucht werden. Dort muss absolutes Halteverbot eingerichtet und durchgesetzt werden. Erzähl mal einem Londoner, man dürfte an einer Hauptstraße keine Parkplätze wegnehmen. Der lacht sich tot...
Zitat
def
Zitat
Global Fisch
Zitat
Nemo
Man muss vorallem nicht mit dem einen auf das andere warten. ÖPNV-Ausbau und Straßenrückbau lassen sich sehr gut zu gleich erledigen. Baut man eine neue U- oder Straßenbahnstrecke wird ja sowieso während des Baus häufig der Verkehr eingeschränkt nach Beendigung der Baumaßnahmen kann man die Beschränkungen für den MIV einfach beibehalten.

Nur sind ÖPNV-Ausbaumaßnahmen leider das, was im Regelfall von allen möglichen Sachen, die man anfangen könnte, objektiv am längsten dauert.

Und sie dauern immer länger. Rückblickend erscheint es ein Wunder, wenn man sich überlegt, was in den gut anderthalb Jahrzehnten (2006) nach der Wende geleistet wurde:

- komplette Umkrempelung des Berliner Eisenbahnsystems, inklusive Stadtbahnsanierung und Neubau des Nord-Süd-Tunnels (samt Zulaufstrecken), des Hauptbahnhofs und der Bahnhöfe Spandau, Gesundbrunnen und Südkreuz
- Wiederinbetriebnahme der gesamten westlichen Ringbahn inkl. Umgestaltung Nordkreuz
- Wiederinbetriebnahme der S-Bahn nach Potsdam, Spandau, Blankenfelde, Lichterfelde Süd, Hennigsdorf sowie der Strecken Neukölln - Baumschulenweg und Frohnau - Hohen Neuendorf
- Neubau der S-Bahn-Strecke Lichterfelde Süd - Teltow Stadt
- Wiederinbetriebnahme der U1 auf der Oberbaumbrücke und der U2 zwischen Mohrenstraße und Wittenbergplatz
- Verlängerung der U8 im Norden und Süden (ich weiß, die Nordverlängerung begann schon in den 80ern)
- Straßenbahn zur Riesaer Straße (auch schon zu DDR-Zeiten geplant), zum Virchow-Klinikum, Alex I, nach Französisch Buchholz und in der Bernauer Straße, nebenbei die komplette Modernisierung des Fahrzeugparks und eines Großteils des Streckennetzes

Jein. Die Ringbahninbetriebnahme (Westend-Sonnenallee) wurde schon vor der Wende in Angriff genommen. Anfang 1992 sollte Westend-Schöneberg und Ende 1992 Schöneberg-Sonnenallee in Betrieb gehen. Statt Sonnenallee wurde dann zuerst der Ast über Köllnische Heide in Angriff genommen. Westend-Jungfernheide dauerte vier Jahre, bis Westhafen nochmals zwei und der Rest weitere drei Jahre. Die Wiederinbetriebnahme S25 auf der Kremmener Bahn (bis Tegel) war eine absolute Billiglösung. Die paar Meter der U8-Süd dauerten auch ziemlich lange. Wenn man sich damalige Pläne (1991 rum) für die Straßenbahn anschaut, möchte man weinen. Die damalige 4 von der Eberswalder Straße sollte den Lehrter Bahnhof 1994/95 erreichen, ein Jahr vorher war die Inbetriebnahme der 3 zum U-Bhf Osloer Straße geplant! Gut war allerdings, dass man die Versuche des Bezirkes Wedding, die Straßenbahn entlang der Osloer Straße zu verhindern, nicht durchgehen ließ. Ursprünglich sollte die Straßenbahn ja am U-Bhf Seestraße enden, der Bezirk Wedding wollte aber die Parkplatzverluste in der Blockumfahrung Genter und Brüssler Straße nicht hinnehmen - zack wurde die Strecke zum Virchow-Klinikum verlängert, dafür aber in zwei Etappen gebaut.

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Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
VvJ-Ente
Zweiter Schritt um den Verkehr flüssiger zu machen: Ein Hauptstraßennetz für den Durchgangsverkehr festlegen und die für den reinen Anwohnerverkehr gedachten Straßen an geeigneter Stelle sperren.

Da bin ich absolut kein Fan von. Das Abhängen von gewissen Nebenstraßen ist auch noch ein Überbleibsel der autogerechten Stadt. Gleiches gilt für die Umgestaltung von Plätzen zugunsten des Autoverkehrs.

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Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
VvJ-Ente
Auch was den MIV angeht, könnte man jetzt gleich sofort anfangen, wenn man denn wollte, ohne jede Bürokratie. Nämlich in dem man die bestehenden Verkehrsregeln durchsetzt. (Und bevor das übliche Autofahrer-Mimimi und das Zeigen mit dem Finger auf die pöhsen Radfahrer kommt: Natürlich dürfen die Ordnungshüter auch Gehwegradler, Rotlichtfahrer und andere gleich mit abkassieren. ) In den Vierteln in den inneren Bezirken müssten flächendeckend und 24/7 Falschparker angezeigt und im Falle von Behinderungen kurzfristig abgeschleppt werden. Das würde vermutlich schon reichen, dass man zu Fuß schneller von der Charlottenburger Fritschestr. zur Wilmersdorfer Hildegardstr. läuft als mit dem Auto fährt und es legal abstellt.

Zweiter Schritt um den Verkehr flüssiger zu machen: Ein Hauptstraßennetz für den Durchgangsverkehr festlegen und die für den reinen Anwohnerverkehr gedachten Straßen an geeigneter Stelle sperren. In der Steglitzer Schloßstr. könnte man z.B. unter der Brücke Schildhornstr. wunderbar eine Schleuse einrichten, die nur ÖPNV und Einsatzfahrzeuge durchlässt. Alle Geschäfte bleiben erreichbar, auch mit dem Auto, nur wer von Schöneberg nach Zehlendorf will, muss die Autobahn nehmen, die genau dafür gebaut wurde. Gleiches gilt für die parallel zur A100 laufenden Straßen.

Schritt 3 wäre dann zu gucken, wo tatsächlich noch zusätzliche Fahrspuren gebraucht werden. Dort muss absolutes Halteverbot eingerichtet und durchgesetzt werden. Erzähl mal einem Londoner, man dürfte an einer Hauptstraße keine Parkplätze wegnehmen. Der lacht sich tot...

Falschparker: Anzeigen musst Du immer noch selber. Wegeheld runterladen, und frisch ans Werk.

Und ab sofort wird auch abgeschleppt. Zumindest interpretiere ich so die Pressemitteilung, zu der sich die Polizeipräsidentin gestern hat hinreißen lassen:
https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.827763.php

Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.

Abgesehen davon ergeht sich die PM natürlich in blumigem Geschwurbel.

Irre: So weit ist es erst gekommen nachdem sich 2 (zwei!) Aktivisten durch alle Instanzen und durch mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden und öffentliche Schelte durch die Kommunikationsabteilung des Polizeipräsidiums gekämpft hatten, um der Chefin eine Text abzuringen der - Achtung, ich übersetzt mal wieder frei - im Wesentlichen sagt:
"Es gilt das Gesetz. Wirklich. Echt jetzt."
Zitat
B-V 3313
Zitat
VvJ-Ente
Zweiter Schritt um den Verkehr flüssiger zu machen: Ein Hauptstraßennetz für den Durchgangsverkehr festlegen und die für den reinen Anwohnerverkehr gedachten Straßen an geeigneter Stelle sperren.

Da bin ich absolut kein Fan von. Das Abhängen von gewissen Nebenstraßen ist auch noch ein Überbleibsel der autogerechten Stadt. Gleiches gilt für die Umgestaltung von Plätzen zugunsten des Autoverkehrs.

Kommt darauf an. Man hat sie früher abgebunden, um Knoten optimieren zu können. Dabei hat man oftmals die Stadtstruktur zu ihrem Nachteil verändert, man hat Plätze in Straßenkreuzungen umgebaut und durch das Abbinden der Nebenstraßen auch die Länge der Fußwege verlängert - wenn man die Fläche beispielsweise bebaut hat. Der aktuelle Ansatz setzt in die Mitte des Wohngebietes sogenannte Modalfilter, die den Autoverkehr an diesen Stellen sperren. Fußgänger, Radfahrer können an dieser Stelle durchfahren. Das sorgt dafür, dass der Autoverkehr keine Abkürzungen durch Wohngebiete mehr findet und so lediglich zur Erschließung in das Gebiet reinfahren wird. Das hat mit autogerechter Stadt nichts zu tun.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
B-V 3313
Zitat
VvJ-Ente
Zweiter Schritt um den Verkehr flüssiger zu machen: Ein Hauptstraßennetz für den Durchgangsverkehr festlegen und die für den reinen Anwohnerverkehr gedachten Straßen an geeigneter Stelle sperren.

Da bin ich absolut kein Fan von. Das Abhängen von gewissen Nebenstraßen ist auch noch ein Überbleibsel der autogerechten Stadt. Gleiches gilt für die Umgestaltung von Plätzen zugunsten des Autoverkehrs.

Das ist bestimmt ein Missverständnis. Es geht ja heute nicht um die Beschleunigung auf den Hauptarterien, sondern um die Beruhigung im Raum dazwischen.
Schau Dir mal das Konzept der "Superblocks" an. Barcelona hat das mit den "super illes" exemplarisch vorgemacht.
Das hab ich hier auf die Schnelle gefunden:
https://youtu.be/ZORzsubQA_M
Groningen hat das auch. Fußgänger und Radfahrer können zwischen den Stadtvierteln wechseln, der MIV muss erst auf die Ringstraße. ÖPNV müsste ich nachsehen.
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