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Auf ins Pankower Mexiko-Viertel - SPD will U2, U3 und U8 verlängern
geschrieben von B-V 3313 
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Nemo
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DerMichael
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VvJ-Ente
Soll die Siemensbahn nicht privat finanziert werden?

Wie kommst du denn darauf? Das der Senat die Siemensbahn reaktiviert und den Wiederaufbau bezahlt war Bedingung, dass Siemens dort seinen Campus errichtet.

Bei der Siemensbahn könnte der Bund ja bezahlen. Schließlich wollte ja der Bund die Wiederherstellung des Berliner S-Bahnnetzes auf dem Stand von 1961 bezahlen. Das hat man ja nie zurückgenommen.

Doch, das ist ausgelaufen und muss nun anders finanziert werden. Und die Siemensbahn war, soweit ich weiß, davon ausgenommen.
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Nemo
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DerMichael
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VvJ-Ente
Soll die Siemensbahn nicht privat finanziert werden?

Wie kommst du denn darauf? Das der Senat die Siemensbahn reaktiviert und den Wiederaufbau bezahlt war Bedingung, dass Siemens dort seinen Campus errichtet.

Bei der Siemensbahn könnte der Bund ja bezahlen. Schließlich wollte ja der Bund die Wiederherstellung des Berliner S-Bahnnetzes auf dem Stand von 1961 bezahlen. Das hat man ja nie zurückgenommen.

Die Wiederherstellung der Siemensbahn bezahlt ja auch der Bund. Die Strecke ist Teil der Sammelvereinbarung in die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV). Trotzdem entstehen auch dem Senat Kosten u.a. im Rahmen des Eisenbahnkreuzungsgesetzes,
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Jay
Am Rande: Hbf - Moabit dreht Ehrenrunden in der Verwaltung, weil die BVG wohl relativ schlampig gearbeitet hat und die TAB immer wieder Nachbesserungen einfordert. Die Hoffnung ist aktuell, dass der Planfeststellungsbeschluss noch bis Jahresende ergeht.

Werden denn die hier schon Mal verlinkten - und für die Fahrgäste positiven - Anmerkungen des BUND denn berücksichtigt oder bleibt es bei der MIV-first-Planung?
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TomB
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Jay
Am Rande: Hbf - Moabit dreht Ehrenrunden in der Verwaltung, weil die BVG wohl relativ schlampig gearbeitet hat und die TAB immer wieder Nachbesserungen einfordert. Die Hoffnung ist aktuell, dass der Planfeststellungsbeschluss noch bis Jahresende ergeht.

Werden denn die hier schon Mal verlinkten - und für die Fahrgäste positiven - Anmerkungen des BUND denn berücksichtigt oder bleibt es bei der MIV-first-Planung?

Wir haben doch bei den Popup-Radwegen gelernt, dass nichts gebaut werden darf, was den MIV behindert und sich alle anderen Verkehrsarten den Platz mit dem MIV teilen müssen. Nur bei besonderer Gefahr oder bei genügend Platz ist der Bau einer eigenen Trasse erlaubt. War das nicht so in dem Urteil zu den Radwegen?
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Nemo
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def


Also: was meinst Du - aus welchem Grund schließt man Unterlagen über sowas harmloses wie eine U-Bahn-Verlängerung in den Giftschrank? Fallen Dir andere mögliche Gründe ein?

Ich hätte da eine These: Man schließt sie nicht in den Giftschrank, sondern man veröffentlicht vorab ein paar kleine Teile exklusiv in ausgesuchten Medien, natürlich ohne eine Datengrundlage für ernsthafte Diskussionen zu liefern, wichtig ist, dass man das Thema U-Bahn im konkreten Fall nicht fachlich angreifen kann, da eben die Daten fehlen. Wenn dann irgendwann, Monate später, die Studie veröffentlicht wird, ist das Medieninteresse schon weiter gezogen und die fachlichen Bedenken erfahren weniger Resonanz.

Ihr seid echt Verschwörungs-Theoretiker. Tatsächlich hat der Senat überhaupt noch nichts veröffentlicht und auch nichts "durchgestochen". Von "Giftschrank" kann genauso wenig die Rede sein, der Termin zur Veröffentlichung ist seit längerem bekannt. Nur weil einige die paar Tage nicht mehr warten können, entstehen die irrwitzigsten Theorien und Thesen.

Nach meiner Wahrnehmung sind die Zahlen von der BVG "durchgestochen" worden, dort sind sie wohl mündlich auf der Veranstaltung vor einigen Wochen im MV-Tunnel genannt worden. Ob das nun ein Versehen war oder "große Strategie von ganz oben, um die ganze Straßenbahnausbaustrategie ein für alle Mal total kaputt zu machen", da könnt Ihr nun drüber spekulieren, ich bin da raus.
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DerMichael
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Nemo
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DerMichael
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VvJ-Ente
Soll die Siemensbahn nicht privat finanziert werden?

Wie kommst du denn darauf? Das der Senat die Siemensbahn reaktiviert und den Wiederaufbau bezahlt war Bedingung, dass Siemens dort seinen Campus errichtet.

Bei der Siemensbahn könnte der Bund ja bezahlen. Schließlich wollte ja der Bund die Wiederherstellung des Berliner S-Bahnnetzes auf dem Stand von 1961 bezahlen. Das hat man ja nie zurückgenommen.

Doch, das ist ausgelaufen und muss nun anders finanziert werden. Und die Siemensbahn war, soweit ich weiß, davon ausgenommen.

Richtig. Den Großteil der Baukosten wird trotzdem der Bund übernehmen, über das GVFG. Dort ist die Förderquote ja gerade erst auf 90% angehoben worden.

Viele Grüße
André
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def
Nein, denn Bäume halten sicher noch länger als z.T. über hundert Jahre Leitungen.

Einseitig motivierte Spekulation.

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def
Wenn es irgendwann einen Investitionsstau bei Leitungssystemen gibt, muss das Geld ebenso anderswo eingespart werden.

"Irgendwann" und "anderswo" ist was anderes, als im Jahr der Straßenbahnrealisierung das Geld real und sofort und in voller Höhe bereitzustellen. Entlang der fiktiven M21-Straßenbahnachse gilt dies noch massiver als bei der Invalidenstraße, da dort kein Bedarf zur 100%-Erneuerung innerhalb der nächsten zehn Jahre besteht.

Vielleicht nochmal grundsätzlich, weil einige hier (nicht Du, def) irgendwie eine merkwürdige Vorstellung von Straßenbahnbau haben: Das läuft heutzutage nicht mehr so, dass man zwei Reihen Kopfsteinpflaster wegnimmt, Schienen reinlegt und noch n Kupferdraht an die Häuserwände nagelt!

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def
Die Strecken zum Hermannplatz, zur Turmstraße und durch die Leipziger Straße sind sicher keine Ideen, die plötzlich neu aufgeploppt sind, diese Ideen gibt es seit den 90er Jahren. Und das sind sehr zentrale Verbindungen im ÖPNV-Netz, keine Nice-to-Have-Verbindungen wie die bunten Linien der sPD-Verkehrsideologen.

Gleiches gilt für die mehrere der diskutierten U-Bahn-Verlängerungen (U8, U3, U7), die schon sehr lange Zeit in offiziellen Planwerken enthalten sind und entsprechend fortgeschrieben werden. Dagegen ist die hier von VvJ-Ente in die Diskussion reingeschmissene M21-Straßenbahn überhaupt keine offizielle Idee, wohl aus gutem Grund.

Zitat
def
(Es ist übrigens eine absolute Grundlage der Quellenkritik, dass man sich nicht auf die Interpretation derer verlässt, die eigene Interessen haben, sondern die Möglichkeit hat, ins Originaldokument zu blicken. Ich hätte Dich für einen kritischeren Geist gehalten.)

Genau, kannst Du gerne weiterhin von mir halten ;-) Aus eben diesem Grund folge ich dieser Spekulation auch nicht, verlasse mich nicht auf eure Interpretation, sondern warte auf das Originaldokument.

Zitat
def
Also: was meinst Du - aus welchem Grund schließt man Unterlagen über sowas harmloses wie eine U-Bahn-Verlängerung in den Giftschrank? Fallen Dir andere mögliche Gründe ein? Ein geheimes Virus-Labor der CIA unterm MV? (Wo sonst, denn wer würde nach sowas schon im MV suchen!)

;-) Siehe oben, da müssen mir gar keine Gründe einfallen, weil ich mich an der Spekulation nicht beteilige. Plausibel erscheint mir dagegen, dass man alle Untersuchungsergebnisse gesammelt in einem einzigen Termin veröffentlichen will, so wie es angekündigt ist.

Viele Grüße
André
Zitat
der weiße bim
Für die landeseigenen Verkehrsbetriebe wird danach nicht viel übrig bleiben, vom kläglichen Rest muss nach den Willen der Landesregierung der BVG-Busbetrieb nahezu komplett mit teuren elektrisch angetriebenen Fahrzeugen und mehreren dafür erforderlichen Omnibushöfen ausgestattet werden. Alle jetzt vorhandenen und die in den nächsten Jahren noch zu liefernden ca. 500 Citaros und 400 ADL-Doppeldecker müssen ja laut Senatsbeschluss bis 2030 ersetzt sein durch Batteriefahrzeuge.
Also wird es in der Deutschen Hauptstadt außer Planspielen auf längere Sicht weder neue Straßenbahnstrecken noch U-Bahnstreckenverlängerungen geben.

Meines Wissens dürfen ab 2030 keine Busse mit Dieselmotor mehr neu zugelassen werden. Die vorhandenen Dieselbusse dürfen doch weiterfahren. Oder hat sich dies inzwischen wieder geändert?

In den nächsten 30 Jahren wird es meines Wissens viele neue Straßenbahnstrecken in Betrieb gehen im Gegensatz zu neuen U-Bahnstrecken. Gilt diese Planung inzwischen nicht mehr?
Zitat
andre_de
Gleiches gilt für die mehrere der diskutierten U-Bahn-Verlängerungen (U8, U3, U7), die schon sehr lange Zeit in offiziellen Planwerken enthalten sind und entsprechend fortgeschrieben werden. Dagegen ist die hier von VvJ-Ente in die Diskussion reingeschmissene M21-Straßenbahn überhaupt keine offizielle Idee, wohl aus gutem Grund.

Aber sicher ist diese Straßenbahnstrecke Bestandteil der Planungen des Landes Berlin - wenn auch als "weiterer Bedarf".
Hierzu empfiehlt sich ein Blick in den ÖPNV-Bedarfsplan zum Nahverkehrsplan (PDF-Datei):
[www.berlin.de]

Ingolf
Zitat
andre_de
Vor allem aber haben Leute, die ohne Abwägung und Differenzierung herumposaunen "Die Straßenbahn ist viel billiger" sich noch nicht mit dem Thema Lebenszykluskosten beschäftigt haben. Der größte Kostenblock beim U-Bahn-Bau geht in den Rohbau von Strecke und Stationen, und gerade diese Rohbauten werden auf eine Lebensdauer von 100 Jahren bemessen. Und für eine derart lange Zeit erbringen diese Investitionskosten einen entsprechenden Nutzen. Wie lange ein hochbelastetes Straßenbahngleis hält und alle wieviel Jahre dieses quasi komplett neu gebaut werden muss, dürfte grob bekannt sein...

Ich sage damit nicht, dass U-Bahnen per se besser sind als Straßenbahnen, weil ein solcher Vergleich auf diesem Niveau ohnehin Stuss wäre. Ein reiner Vergleich von Einmal-Investitionskosten ohne Lebenszykluskosten und ohne Gegenrechnung des Nutzens ist allerdings genau so Stuss und taugt maximal für den Stammtisch nach 5 Bier.

Und gerade bei den gesamten Lebenszykluskosten - schneiden U-Bahnen bezüglich der anfallenden Kosten überhaupt nicht ab, zumindest wenn man ehrlich rechnet. U-Bahnen sind und bleiben - gerechnet pro Streckenkilometer - die teuersten öffentlichen Verkehrsmittel in Bau und Betrieb. Denn gerade die Tunnelanlagen verschlingen nicht nur beim Bau exorbitante Summen, sondern sie müssen auch selbstverständlich betrieben, gewartet und alle paar Jahrzehnte saniert werden.
Aber dieses Thema hatten wir schon öfter hier in dieser Gruppe, daher begnüge ich mich hier mit einem Blick in den schon anderswo zitierten ÖPNV-Bedarfsplan zum Nahverkehrsplan Berlin: Allein für die Grundinstandsetzung des U-Bahn Netzes sind für den Zeitraum 2020-2035 1,74 Milliarden Euro veranschlagt (Seite 35).
[www.berlin.de]

Ingolf
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der weiße bim
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Nemo
Dieser Umstand ändert an der Diskussion nur insofern etwas da der Bau einer einzigen U-Bahnstrecke dann wohl ausreichen wird das gesamte Straßenbahnausbauprogramm zu torpedieren - Mission "Rettet das Auto" erfüllt.

Warum machen stets und ständig die Straßenbahnbefürworter die stagnierende Realisierung überfälliger Straßenbahnstrecken am überteuren U-Bahnausbau fest? Die Landesetat für Verkehrprojekte wird in den nächsten Jahren vor allem die Projekte der Deutschen Bahn finanzieren müssen, zunächst der dritte Nordsüd-Eisenbahntunnel "S21" durch die Innenstadt, daneben die Siemensbahn, der zweigleisige Wiederaufbau der seit Kriegsende eingleisigen S-Bahnstrecken bis zur Landesgrenze, dazu das Maßnahmenpaket "i2030" für den Regionalverkehr. Daneben steht die Finanzierung für den Austausch und die Erweiterung der S-Bahnflotte an.
Für die landeseigenen Verkehrsbetriebe wird danach nicht viel übrig bleiben, vom kläglichen Rest muss nach den Willen der Landesregierung der BVG-Busbetrieb nahezu komplett mit teuren elektrisch angetriebenen Fahrzeugen und mehreren dafür erforderlichen Omnibushöfen ausgestattet werden. Alle jetzt vorhandenen und die in den nächsten Jahren noch zu liefernden ca. 500 Citaros und 400 ADL-Doppeldecker müssen ja laut Senatsbeschluss bis 2030 ersetzt sein durch Batteriefahrzeuge.
Also wird es in der Deutschen Hauptstadt außer Planspielen auf längere Sicht weder neue Straßenbahnstrecken noch U-Bahnstreckenverlängerungen geben.

1. Zur ersten Frage: Weil in allen öffentlichen Haushalten die Mittel eben nicht beliebig umverteilt werden können, sondern zu weit über 90% mehr oder weniger festliegen.

Das "Etatfenster" für Neubauten/Ausbauten ist in Wirklichkeit relativ klein. Sobald auch nur ein "großes" U-Bahnprojekt ernsthaft vorangetrieben werden würde - also zum Beispiel die Planung und der Bau der U 9 nach Pankow und Lankwitz - , würden sich die finanziellen Handlungsspielräume in anderen Feldern ggfs. bis auf 0 reduzieren.

2. Der Landesetat für Verkehrsprojekte wird ja zu einem großen Teil vom Bund "gefüttert". Die Länder haben zu Weihnachten 1993 die sogenannte "Bahnreform", mit der die Verantwortung für den SPNV gegen mehr oder weniger auskömmliche Zahlungen des Bundes auf sie überging, bekanntlich mitbeschlossen. Mit den Ergebnissen der selbst betriebenen Politik muß man nun eben irgendwie klarkommen.

3. Das Land selbst setzt ja einen (finanziellen) Schwerpunkt bei der U-Bahn, nämlich bei der Erneuerung der Züge, und, wie ich hoffe, bei der weiteren Sanierung der Strecken (die finanzielle Größenordnung, um die es dabei geht, hat Ingolf in seinem nachmitternächtlichen Beitrag (sh. Seite 41) benannt).

Wir haben in zu vielen Bereichen im Bestand Nachholbedarfe, was zu Entscheidungen führen muß, welche Neu- und Ausbauvorhaben mit den dann verbleibenden relativ geringen Mitteln in diesem Jahrzehnt vorangetrieben werden.

Hier hat die das Land regierende Koalition die richtige Grundentscheidung (Konzentration auf den (Wieder-) Ausbau der vergleichsweise günstigen Straßenbahn) getroffen. Ich selbst hoffe auf eine Fortsetzung dieser Koalition und auf eine Fortsetzung dieser Politik - und darauf, jedenfalls bis zum Jahr 2026 etwas mehr Ergebnisse dieser Politik erfahren zu können.

4. Ich glaube, die Stimmung ist schlechter als die Lage: Die Schnellbahnen stehen fahrzeugseitig vor dem Wiederaufschwung (die mit dem Niedergang verbundenen Personen wie Schröder, Wowereit, Nußbaum, Mehdorn, Heinemann usw. sind glücklicherweise auch alle weg), die kleine Ostberliner Straßenbahn muß sich insgesamt nicht verstecken und sie wird (wenn auch viel zu langsam) größer, der Regionalverkehr der Eisenbahn ist erfolgreich (die Eisenbahn hat als Problem zu viele Fahrgäste - dieses Problem hätte die Deutsche Bundesbahn sicher gerne gehabt), ...

5. Anknüpfend an 4.: Wir führen hier zum Teil recht harte Debatten über Verkehrspolitik - meistens mit herabgezogenen Mundwinkeln.

500 Millionenstädte soll es in der Welt geben. Objektiv steht Berlin mit seinem Netz des ÖV, mit seinen Bedienungsstandards, mit der Nutzung des ÖV, mit der Verteilung der Personenkilometerleistungen usw. gar nicht so schlecht da.

Viele andere Millionenstädte würden sehr gerne auf einer vergleichbaren Ausgangsbasis aufbauen - gemeint sind Städte, in denen die Einsicht in die Notwendigkeit eines starken "Umweltverbunds" erkannt ist, womit das Feld natürlich übersichtlicher wird.
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andre_de
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Nemo
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def


Also: was meinst Du - aus welchem Grund schließt man Unterlagen über sowas harmloses wie eine U-Bahn-Verlängerung in den Giftschrank? Fallen Dir andere mögliche Gründe ein?

Ich hätte da eine These: Man schließt sie nicht in den Giftschrank, sondern man veröffentlicht vorab ein paar kleine Teile exklusiv in ausgesuchten Medien, natürlich ohne eine Datengrundlage für ernsthafte Diskussionen zu liefern, wichtig ist, dass man das Thema U-Bahn im konkreten Fall nicht fachlich angreifen kann, da eben die Daten fehlen. Wenn dann irgendwann, Monate später, die Studie veröffentlicht wird, ist das Medieninteresse schon weiter gezogen und die fachlichen Bedenken erfahren weniger Resonanz.

Ihr seid echt Verschwörungs-Theoretiker. Tatsächlich hat der Senat überhaupt noch nichts veröffentlicht und auch nichts "durchgestochen". Von "Giftschrank" kann genauso wenig die Rede sein, der Termin zur Veröffentlichung ist seit längerem bekannt. Nur weil einige die paar Tage nicht mehr warten können, entstehen die irrwitzigsten Theorien und Thesen.

Nach meiner Wahrnehmung sind die Zahlen von der BVG "durchgestochen" worden, dort sind sie wohl mündlich auf der Veranstaltung vor einigen Wochen im MV-Tunnel genannt worden. Ob das nun ein Versehen war oder "große Strategie von ganz oben, um die ganze Straßenbahnausbaustrategie ein für alle Mal total kaputt zu machen", da könnt Ihr nun drüber spekulieren, ich bin da raus.

Du tust ja so, als sei nun, ein, zwei Wochen vor der Veröffentlichung, das Ergebnis vorweg durchgesickert. Dem ist aber nicht so. Seit einem guten Jahr wird in Presse und Politik immer wieder behauptet, es gebe eine vorliegende Untersuchung, die die U8 ins MV für positiv hält (und z.T. wird von "Machbarkeitsstudie" gesprochen, womit offensichtlich nur die technische Realisierungsmöglichkeit gemeint ist, nicht der volkswirtschaftliche Sinn - das stört aber nicht dabei so zu tun, als spräche alles für die U8):

Zitat
Berliner Morgenpost, 03.11.2019
Studie: Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel sinnvoll
(Quelle, hinter Paywall)

Zitat
Berliner Abendblatt, 28.03.2020
Berlin-Reinickendorf: Chancen für Verlängerung der U8 sind gestiegen. Machbarkeitsstudie für Anbindung des Märkischen Viertels an die U-Bahn fällt positiv aus.
(Quelle)

In zwei Beiträgen wird sogar angedeutet, dass die U8 auf Kosten des Busverkehrs geht, wobei nicht klar ist, ob das die Meinung des Autors, in der (ggf. aus zweiter Hand) zitierten Studie oder der Lokalpolitik ist:

Zitat
Berliner Woche, 06.01.2020
Eine U-Bahn könnte also zahlreiche Busfahrten ersetzen.
(Quelle)

Zitat
Reinickendorfer Allgemeine Zeitung, 10.01.2020
Rund 35.000 Einwohner im MV werden derzeit mit Dieselbussen ab dem U-Bahnhof Wittenau ins Märkische Viertel gefahren. Allein am Wilhelmsruher Damm fahren vier Busse, welche durch eine attraktive Schnellbahnanbindung ohne Dieselausstoß ersetzt werden können.
(Quelle)

Die CDU Reinickendorf war in dieser Hinsicht 2017 schon etwas ehrlicher:

Zitat
CDU Reinickendorf, 12.07.2017
Wir bekennen uns auch klar zum Aus- und Neubau von U-Bahnstrecken. Hierdurch wird der Verkehrsfluss auf der Straße verbessert.
(Quelle)

Na, wieso wird wohl der Verkehrsfluss auf der Straße "verbessert"? Weil plötzliche hunderttausende auf die U-Bahn umsteigen? Oder vielleicht doch, weil dann endlich diese lästigen Busse im Wilhelmsruher Damm größtenteils wegfallen?

Aus meiner Sicht:

1. Die Informationen zur angeblichen Notwendigkeit der U8 kursieren schon ein Jahr und scheinen mitnichten nur durch die BVG weitergereicht werden zu sein.

2. Die Annahme, dass die U8 zulasten des Busnetzes geht und auf vielen Relationen sogar zu längeren Fahrzeiten führt, ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern real gegeben. Sogar die CDU vor Ort spricht sich - freilich nur zwischen den Zeilen - dafür aus ("Verkehrsfluss verbessern" klingt halt viel besser als "Busnetz radikal zusammenstreichen"). Dafür sprechen ja auch die Erfahrungen nach früheren U-Bahn-Verlängerungen.

3. Eine Verschwörungstheorie sehe ich weiterhin nicht, da dazu zwei wichtige Aspekte fehlen: weder geht irgendwer von der einen, zentralen Macht aus, die sich gegen den Straßenbahnausbau verschworen hat und zentral gelenkt agiert, sondern eher von einzeln und meist unkoordiniert agierenden Störfeuern - und zum anderen ist ja zumindest die These, dass die positive Untersuchung auf starken Einschnitten im Busverkehr basiert, sehr einfach zu widerlegen, indem man die seit einem Jahr kursierende Untersuchung veröffentlicht. Dass man das nun tut, ist gut, aber eben ein Jahr zu spät.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.2020 08:17 von def.
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andre_de
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def
Wenn es irgendwann einen Investitionsstau bei Leitungssystemen gibt, muss das Geld ebenso anderswo eingespart werden.

"Irgendwann" und "anderswo" ist was anderes, als im Jahr der Straßenbahnrealisierung das Geld real und sofort und in voller Höhe bereitzustellen. Entlang der fiktiven M21-Straßenbahnachse gilt dies noch massiver als bei der Invalidenstraße, da dort kein Bedarf zur 100%-Erneuerung innerhalb der nächsten zehn Jahre besteht.

Allerdings durchaus der Bedarf, dem MIV dienende Fläche zurückzubauen und mehr Grün ins Stadtbild zu bringen - und seien es Rasengleise, die zumindest im Sommer einen kühlenden Effekt haben - was künftig immer wichtiger wird. Vor etwa einem Jahr ging durch die österreichische Presse, dass im Jahr 2050 Wien das heutige Klima von Skopje haben wird. Das Klima von Stockholm entspricht dann dem heutigen Klima von Budapest. Anhand dessen kann man sich vorstellen, wie es in Berlin aussieht (der ORF spricht für Berlin im verlinkten Artikel von +6,1° C Maximaltemperatur im heißesten Monat des Jahres).

Mit anderen Worten: wenn das Leben in Berlin im Sommer Mitte des Jahrhunderts nicht komplett unerträglich sein soll, wird es in den nächsten Jahrzehnten notwendig sein, Stadt- und Straßenräume massiv umzubauen - weniger Parkplätze, weniger offensichtlich betonierte, asphaltierte Flächen, mehr Bäume, mehr Rasenflächen - oder eben Rasengleise. Und wenn man Stadt- und Straßenräume sowieso klimagerecht radikal umbaut, kann man auch direkt zusätzlich Gleise verlegen.

Zitat
andre_de
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def
Die Strecken zum Hermannplatz, zur Turmstraße und durch die Leipziger Straße sind sicher keine Ideen, die plötzlich neu aufgeploppt sind, diese Ideen gibt es seit den 90er Jahren. Und das sind sehr zentrale Verbindungen im ÖPNV-Netz, keine Nice-to-Have-Verbindungen wie die bunten Linien der sPD-Verkehrsideologen.

Gleiches gilt für die mehrere der diskutierten U-Bahn-Verlängerungen (U8, U3, U7), die schon sehr lange Zeit in offiziellen Planwerken enthalten sind und entsprechend fortgeschrieben werden.

Dagegen gilt für die U-Bahn-Verlängerungen eben nicht mein zweites Argument, das Du wohlweislich weggelassen hast. :) Sie haben bei weitem nicht den Netzeffekt wie die beschriebenen Straßenbahnstrecken, sondern dienen mehr oder weniger allein der lokalen Erschließung. (Ja, die U3 würde die S1 erreichen, ich frage mich aber, welche übergeordneten und U-Bahn-würdigen Verkehrsströme damit abgedeckt werden sollten.)
Zitat
def

Sie haben bei weitem nicht den Netzeffekt wie die beschriebenen Straßenbahnstrecken, sondern dienen mehr oder weniger allein der lokalen Erschließung. (Ja, die U3 würde die S1 erreichen, ich frage mich aber, welche übergeordneten und U-Bahn-würdigen Verkehrsströme damit abgedeckt werden sollten.)

Naja, der südwestliche Bereich (Wannsee) würde dann zumindest eine bequemere Anbindung an die Kreuzberger Hochbahn bekommen. Derzeit ist das ja nur mit mehrmaligem Umsteigen machbar.
Zitat
Joe
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def

Sie haben bei weitem nicht den Netzeffekt wie die beschriebenen Straßenbahnstrecken, sondern dienen mehr oder weniger allein der lokalen Erschließung. (Ja, die U3 würde die S1 erreichen, ich frage mich aber, welche übergeordneten und U-Bahn-würdigen Verkehrsströme damit abgedeckt werden sollten.)

Naja, der südwestliche Bereich (Wannsee) würde dann zumindest eine bequemere Anbindung an die Kreuzberger Hochbahn bekommen. Derzeit ist das ja nur mit mehrmaligem Umsteigen machbar.

Den gleichen Effekt würde man durch die S21 über Gleisdreieck allerdings auch erreichen. Außerdem sind die Bahnhöfe Gleisdreieck, Möckernbrücke, Hallesches Tor und Kottbusser Tor ja schon heute mit einmaligem Umstieg aus dem Bereich Wannsee zu erreichen, und der Einzugsbereich des Bahnhofs Schlesisches Tor deckt sich teilweise mit dem des Bahnhofs Warschauer Straße.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.2020 09:53 von def.
Zitat
def

Vor etwa einem Jahr ging durch die österreichische Presse, dass im Jahr 2050 Wien das heutige Klima von Skopje haben wird. Das Klima von Stockholm entspricht dann dem heutigen Klima von Budapest. Anhand dessen kann man sich vorstellen, wie es in Berlin aussieht (der ORF spricht für Berlin im verlinkten Artikel von +6,1° C Maximaltemperatur im heißesten Monat des Jahres).

Mit anderen Worten: wenn das Leben in Berlin im Sommer Mitte des Jahrhunderts nicht komplett unerträglich sein soll, wird es in den nächsten Jahrzehnten notwendig sein, Stadt- und Straßenräume massiv umzubauen - weniger Parkplätze, weniger offensichtlich betonierte, asphaltierte Flächen, mehr Bäume, mehr Rasenflächen - oder eben Rasengleise. Und wenn man Stadt- und Straßenräume sowieso klimagerecht radikal umbaut, kann man auch direkt zusätzlich Gleise verlegen.

Letztens stand in den Zeitungen, dass das Grönlandeis und das Eis der Antarktis in einem nie dagewesenen Tempo schmilzt und die Rate sogar die schlimmsten Berechnungen übertrifft. Es wird prophezeit, dass das Eis in 100 Jahren weg ist. Damit würde der Meeresspiegel um 50m steigen. Berlin hätte dann ungefähr das Klima von Atlantis.
Zitat
DerMichael
Zitat
def

Vor etwa einem Jahr ging durch die österreichische Presse, dass im Jahr 2050 Wien das heutige Klima von Skopje haben wird. Das Klima von Stockholm entspricht dann dem heutigen Klima von Budapest. Anhand dessen kann man sich vorstellen, wie es in Berlin aussieht (der ORF spricht für Berlin im verlinkten Artikel von +6,1° C Maximaltemperatur im heißesten Monat des Jahres).

Mit anderen Worten: wenn das Leben in Berlin im Sommer Mitte des Jahrhunderts nicht komplett unerträglich sein soll, wird es in den nächsten Jahrzehnten notwendig sein, Stadt- und Straßenräume massiv umzubauen - weniger Parkplätze, weniger offensichtlich betonierte, asphaltierte Flächen, mehr Bäume, mehr Rasenflächen - oder eben Rasengleise. Und wenn man Stadt- und Straßenräume sowieso klimagerecht radikal umbaut, kann man auch direkt zusätzlich Gleise verlegen.

Letztens stand in den Zeitungen, dass das Grönlandeis und das Eis der Antarktis in einem nie dagewesenen Tempo schmilzt und die Rate sogar die schlimmsten Berechnungen übertrifft. Es wird prophezeit, dass das Eis in 100 Jahren weg ist. Damit würde der Meeresspiegel um 50m steigen. Berlin hätte dann ungefähr das Klima von Atlantis.
Tja, dann wäre es wohl sinnvoller, den U-Bahnbau auf Marzahhn-Hellersdorf zu konzentrieren. Irgendwie nicht der Teil von Berlin, der zum mondänen Seebad taugt. Das MV könnte dann eine schönne Inselsiedlung sein, mit der U-Bahn wird man dann allerdings nirgendwo mehr hin fahren können.

Zumindest wenn man sich diese Karte hier anschaut - alles was kälter als gelb ist, wäre dann Ostsee...

[www.stadtentwicklung.berlin.de]

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Ich dachte immer die Bahn wird von Siemens bezahlt. Eine bessere Werbung gibts doch gar nicht. ;-)

Heidekraut zum Hauptbahnhof
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Heidekraut
Ich dachte immer die Bahn wird von Siemens bezahlt.

Das wurde sie damals schon beim Bau. Wie oft soll Siemens denn noch dafür bezahlen?

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
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