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Die nächste Grundsatzdebatte zur S-Bahn
geschrieben von dubito ergo sum 
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Railroader
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B-V 3313
Werden da ständig die U-Bahnfahrer gefragt? Nein, werden sie nicht. Was also macht die S-Bahn falsch?

Wie oft erlebst du denn bei der U-Bahn, dass der Zug wegen irgendwas minutenlang am Bahnsteig steht und anschließend vielleicht sogar spontan zurückfährt oder aussetzt, weil die Strecke vor ihm gesperrt ist? Bei der U-Bahn doch eher selten. Wäre es da auch an der Tagesordnung, wären auch mehr Zugfahrer der U-Bahn damit konfrontiert.

Das kommt öfters vor als man denkt. Das hatten wir gerade erst vor zwei Stunden auf der U3. Der U-Bahnfahrer wird auch ständig mit Fragen bombardiert wie "Funktioniert der Aufzug in A?" oder "Der Automat funktioniert nicht"
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Railroader
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Nicolas Jost
Wenn man die Leute fragt, ob sie für die Abschaffung der Zeitumstellung sind, stößt das auch auf breite Zustimmung. Was genau damit gemeint ist und wie es funktionieren soll, bleibt in beiden Fällen erst einmal zweitrangig.

Nö, hat man gut erklärt auf der Abstimmungsseite. Hab auch abgestimmt. :-)

Der Vergleich ist gut. Man fragt, und ja: Zeitumstellung ist irgendwie doof. Also soll sie weg. Ist die Mehrheit begeistert.
Dann kamen die nächsten: "Wir wollen, dass es im Sommer abends lange hell bleibt und nicht schon nachts um 3 hell wird".
Ja, klar: machen wir also ewige Sommerzeit.
Und erst danach fiel es manchen auf, dass es auch doof ist, wenn es im Winter um 9 noch dunkel ist.

Hätte man wiederum gefragt: "Wollt Ihr ernsthaft, dass es im Winter nicht vor 9 hell wird?" "Wollt Ihr ernsthaft, dass es im Sommer schon um 3 hell wird?" hätten man ebenso klare Antworten gekriegt: "Bloß keine ewige Sommerzeit" "Bloß keine ewige Winterzeit".

Und das ist hier genauso.
Auf einseitige Fragen: "Wollt Ihr mehr Personal auf den Bahnsteigen" "Wollt Ihr neue U-Bahn-Strecken" wird man analog jeweils klare Zustimmung kriegen. Das Leben ist aber nicht so. Spannend wird es, wenn man den jeweiligen Preis (natürlich nicht in Geld, sondern in Konsequenzen für den Befragten) dazu nennt.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.2019 07:36 von Global Fisch.
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Railroader
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Global Fisch

So oder so: das klappt im Regionalverkehr zwischen verschiedenen EVU; das klappt im Busverkehr, warum sollte es bei der S-Bahn nicht auch klappen?

Für mich liegt der Unterschied Regionalverkehr/S-Bahn vor allem am dichten Takt in einem nahezu geschlossenem System. Ich hätte eine andere Meinung, würde die S-Bahn im 30-Minutentakt fahren und reichlich Umleitungsstrecken zur Verfügung haben. Was ich speziell befürchte hatte ich ja bereits geschrieben.

Auch im Regionalverkehr hast Du keineswegs überall Umleitungsstrecken.

Übrigens würde ich eher schließen, dass die Probleme bei mehreren Anbietern im Regionalverkehr gerade, wenn doch Umleitungsstrecken da sind, eher größer sind: die Tf brauchen Streckenkenntnis also nicht nur auf "ihren" Strecken.

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Global Fisch
Ausschreibungen bewirken: ein Unternehmen darf nicht vergessen, anderes Unternehmen könnte ja günstiger fahren. Wettbewerb geht in erster Linie nicht auf Kosten der Kosten, sondern auf Kosten der Unternehmensgewinne. Das heißt, eingesparte Gelder landen nicht zwangsweise im Unternehmensgewinn, sondern zwingen das Unternehmen zu günstigeren Angeboten.

Aus meiner Sicht wird aber ein Unternehmen dennoch weiterhin nicht auf seine Gewinne verzichten wollen. Es ist aus meiner Sicht ja nun nicht von der Hand zu weisen, dass viele "Billiggesellschaften" dann meist auch schlechtere Arbeitsbedingugen haben als welche, die sich den Spaß auch etwas kosten lassen.

Mal abgesehen von dem despektierlichen "Billiggesellschaften" (Ausschreibungen setzen Tariftreue voraus, heute auch oft Übernahme des bisherigen Personals): natürlich wird das Unternehmen nicht auf seine Gewinne verzichten wollen. Kriegt es aber nicht oder nicht in dem Umfang. Der Bäcker wird auch gerne zwei Euro für ein Brötchen haben wollen. Kann er aber nicht verlangen, weil Du dann sofort zum Nachbarbäcker oder zu Aldi rennen wirst. That's it.

Und deswegen kann mich keiner davon überzeugen, dass "Die S-Bahn muss unbedingt in der Hand eines einzigen Monopolisten bleiben" ("Die S-Bahn darf nicht zerschlagen werden", schluchz) und "Wir wollen den ÖPNV ausbauen" etwas anderes als sich widersprechende Forderungen sind.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.2019 07:05 von Global Fisch.
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Railroader
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Global Fisch

Mein Senf: ich trauere den Aufsichten nicht nach. Wenn ich (so ca. 2x im Jahr) etwas von denen wollte, war das selten lohnend. Es gab Ausnahmen (in Charlottenburg etwa hatte ich mehrfach über mehrere Jahre kompetente Aufsichten erleben; in Wannsee dagegen grundsätzlich furchtbare). Betrieblich werden sie nicht mehr gebraucht (für Dich mit dem Nachteil, dass Du mehr Fahrgastkontakt ertragen musst), im Störungsfall konnten sie selten kompetente Informationen geben; für den Regelbetrieb hat man heute mit besseren Anzeigetafeln oder Smartphones viel mehr Möglichkeiten als vor 20 Jahren, so dass sie auch dafür entbehrlicher geworden sind.

Du, da bin ich ja völlig bei dir. ich trauere den meisten Aufsichten und dem Konzept von damals auch nicht nach. Das heißt aber nicht, dass ich frequentierte Bahnsteige ohne Personal begrüße. Es geht mir auch weniger um das Ertragen der Kundschaft. Wenn ich keinen Kundenkontakt haben wollte, wäre ich zum Güter- oder Fernverkehr gegangen. Mich belastet es dann eher, die Leute schlichtweg stehenlassen zu müssen, weil ich selbst keine Zeit habe und sie auch nicht an jemanden verweisen kann. Das ist häufig in folgenden Situationen der Fall:

Alles nachvollziehbar. Ich habe keine feste Meinung dazu. Aber man *kann* das natürlich in die Ausschreibungsbedingungen reinschreiben, wenn man das haben will. spricht prinzipiell nichts dagegen. Sind aber im Gesamtkontext nur Detailfragen. Aber eine lästerliche Bemerkung nimm mir doch bitte nicht übel:

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- Das Schlimmste: aufgrund Streckensprerrung endet Zug vorzeitig und fährt zurück. Nun kommen etwa 100 Leute an und wollen von dir wissen, wie sie weiterkommen. Du sollst aber so schnell wie möglich wieder zurückfahren. Also musst du sie stehen lassen und darfst dich dafür beschimpfen lassen.

Den Kunden hilft eine Servicekraft da aber auch nicht weiter. Wenn Du nicht den Leuten sagen kannst, was sie machen sollen, kann sie das erst recht nicht. Einziger Sinn: die Kunden haben jemand anders, den sie beschimpfen können, als Dich. ;-) Hilft Dir aber nichts: Du musst ja in diesem Fall vorbei an den Kunden ans andere Zugende und Dich sehen sie. Die Servicekraft müssten sie erst suchen. :-)

Keine Aufsicht kann in solchem Fall 100 Einzelgespräche führen.

Im Grunde bräuchte man:
- auf jedem Bahnhof (ein Zug kann ja überall liegen bleiben) kompetentes Servicepersonal, das
- ständig über Informationen aus den Betriebsleitzentralen verfügt
- fachkundig ist, sich mit Alternativwegen, den nahen Bushaltestellen etc auskennt
- für touristische Fragen zur Verfügung steht
- natürlich an einem festen Ort erreichbar ist (das Konzept mit irgendwelchen mobilen Aufsichten halte ich in der Tat für Quatsch).
- am besten aus mindestens zwei Personen besteht, dass es auch sicherheitsrelevante Aufgaben leisten kann.
- auch mit Langeweile klar kommt (wenn keine Touristen kommen, keine Störung ist, keine Schnapsleichen).
(das war früher anders: da hatten die Aufsichten ihre Grundfunktion mit der Zugabfertigung)

Ist ne schwierige Branche; weil die Nachfrage nach den Leistungen stark fluktuiert. Deswegen habe ich eben keine feste Meinung dazu.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.2019 07:54 von Global Fisch.
Habe ich das richtig im Kopf, das ab BR 483/4 von Ferne mit dem Fahrgast kommuniziert werden kann, also theoretisch im Falle eines vorzeitig endenden Zuges bspw. eine Person von irgendeiner Stammaufsicht, Bdtriebszentrale oder so über Alternativen nur in diesem einen Zug informieren könnte?
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Railroader
Der öA für diesen Zug oblag sie. Sie wurde auch nicht angeklagt.

Ich habe mittlerweile die dazugehörige Pressemitteilung der Bundespolizei gefunden.

Da es sich bei fahrlässiger wie vorsätzlicher Körperverletzung um ein Antragsdelikt handelt, wundert mich das nicht, zumal die Geschädigte aus dem Ausland kam.
Bei einem ähnlichen Fall neulich am Südkreuz wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Triebfahrzeugführer eingeleitet.

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Sie hat sich aus ihrem Ermessen nach besten Wissen und Gewissen richtig verhalten.

Sie war also der festen Überzeugung, dass in einer Tür eingeklemmte Gliedmaßen kein Ausschlusskriterium für die Erteilung des Abfahrauftrags sind?
Und das willst du mir jetzt als ein positives Beispiel verkaufen, in der eine Aufsicht ein Unglück verhindert hat? Glaubst du eigentlich, ich bin vom Leiterwagen gefallen?

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Wie du aus dem Artikel auch erneut lesen kannst, gibt es den Tatbestand betriebsstörender Eingriffe.

Wie ich der Pressemitteilung entnehme, waren die Beamten mal wieder ganz besonders menschlich-empathisch und leiteten ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Frau ein, die gerade noch einmal knapp mit dem Leben davongekommen war.

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Es mag dem Rechtsverständnis des Einen oder Anderem nicht entsprechen, aber die Frau (und damit meine ich nicht die Aufsicht ;-) ) hat sich selbst in Gefahr gebracht und trägt auch die Verantwortung.

Würdest du eigentlich auch so reden, wenn es ein Kind getroffen hätte?

Grüße
Nic



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.2019 08:51 von Nicolas Jost.
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Nicolas Jost

Wie ich der Pressemitteilung entnehme, waren die Beamten mal wieder ganz besonders menschlich-empathisch und leiteten ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Frau ein, die gerade noch einmal knapp mit dem Leben davongekommen war.

Zu Recht!
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Railroader
Wie viele negative Einzelfälle dieser Art gab es denn und wie viele positive? Muss man gegenüberstellen, ist nur schwer, da von positiven Dingen nicht so häufig öffentlich berichtet wird. In deinem Artikel steht auch überhaupt kein Urteil, sondern nur, dass die Verhandlung weitergeht. Man ist hierzulande immer noch unschuldig, bis die Schuld bewiesen wird. Erst heißt es, die Opfer hätten während der Abfertigung an die Scheibe gehämmert, 2 Sätze später, der Zug sei längst abgefertigt gewesen, als eines der Opfer um Hilfe bat. Entscheidend wäre hier, wie das Verfahren ausging.

Nun muss man aber dazu sagen, dass die positiven Dinge, wenn sie in den Aufgabenbereich fallen, nicht erwähnt werden müssen. Denn dazu sind bzw. waren sie ja da. Das klingt hart, ist aber leider so. Man erwähnt ja bei Diskussionen über die Pünktlichkeit auch nicht die Busfahrer, die ihren Job machen und pünktlich fahren, sondern nur die, die zu früh sind oder absichtlich bummeln.

Ich stelle aber die steile These auf, dass wenn die Aufsichten häufig Leben gerettet hätten, man sie nicht abgeschafft hätte. Klingt ja auch logisch, denn wenn gerade an Gleis 1 abgefertigt wird, kann die Einfahrt an Gleis 2 nicht beobachtet werden.

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
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Global Fisch
Im Grunde bräuchte man:
- auf jedem Bahnhof (ein Zug kann ja überall liegen bleiben) kompetentes Servicepersonal, das
- ständig über Informationen aus den Betriebsleitzentralen verfügt
- fachkundig ist, sich mit Alternativwegen, den nahen Bushaltestellen etc auskennt
- für touristische Fragen zur Verfügung steht
- natürlich an einem festen Ort erreichbar ist (das Konzept mit irgendwelchen mobilen Aufsichten halte ich in der Tat für Quatsch).
- am besten aus mindestens zwei Personen besteht, dass es auch sicherheitsrelevante Aufgaben leisten kann.
- auch mit Langeweile klar kommt (wenn keine Touristen kommen, keine Störung ist, keine Schnapsleichen).
(das war früher anders: da hatten die Aufsichten ihre Grundfunktion mit der Zugabfertigung)

Zitat
Global Fisch
Auf einseitige Fragen: "Wollt Ihr mehr Personal auf den Bahnsteigen" "Wollt Ihr neue U-Bahn-Strecken" wird man analog jeweils klare Zustimmung kriegen. Das Leben ist aber nicht so. Spannend wird es, wenn man den jeweiligen Preis (natürlich nicht in Geld, sondern in Konsequenzen für den Befragten) dazu nennt.

Hervorragend auf den Punkt gebracht. Etwas weiter gehend: Bist Du als Fahrgast bereit, pro Fahrt 20 (oder X) Cent Aufpreis zu zahlen oder Y mehr Steuern zu zahlen, damit die gewünschten zusätzlichen Leistungen angeboten werden können?

Mit besten Grüßen

phönix
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phönix
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Global Fisch
Im Grunde bräuchte man:
- auf jedem Bahnhof (ein Zug kann ja überall liegen bleiben) kompetentes Servicepersonal, das
- ständig über Informationen aus den Betriebsleitzentralen verfügt
- fachkundig ist, sich mit Alternativwegen, den nahen Bushaltestellen etc auskennt
- für touristische Fragen zur Verfügung steht
- natürlich an einem festen Ort erreichbar ist (das Konzept mit irgendwelchen mobilen Aufsichten halte ich in der Tat für Quatsch).
- am besten aus mindestens zwei Personen besteht, dass es auch sicherheitsrelevante Aufgaben leisten kann.
- auch mit Langeweile klar kommt (wenn keine Touristen kommen, keine Störung ist, keine Schnapsleichen).
(das war früher anders: da hatten die Aufsichten ihre Grundfunktion mit der Zugabfertigung)

Zitat
Global Fisch
Auf einseitige Fragen: "Wollt Ihr mehr Personal auf den Bahnsteigen" "Wollt Ihr neue U-Bahn-Strecken" wird man analog jeweils klare Zustimmung kriegen. Das Leben ist aber nicht so. Spannend wird es, wenn man den jeweiligen Preis (natürlich nicht in Geld, sondern in Konsequenzen für den Befragten) dazu nennt.

Hervorragend auf den Punkt gebracht. Etwas weiter gehend: Bist Du als Fahrgast bereit, pro Fahrt 20 (oder X) Cent Aufpreis zu zahlen oder Y mehr Steuern zu zahlen, damit die gewünschten zusätzlichen Leistungen angeboten werden können?

Das Kostenargument ist hier natürlich der größte Punkt, wobei ich davon ausgehe, dass es mit 20 Cent bei weiterem nicht getan ist, x würde deutlich größer sein müssen.
Andererseits: Wir müssen hier jetzt auch nicht so tun, als ob es sich dabei um Raketenwissenschaft handelt: Wissen über Haltestellen in der Umgebung oder Attraktionen ist eine Grundvorraussetzung in einem solchen Job und wirkt als extra aufgeführter Punkt albern; ständige Infos aus den Betriebszentralen sind in Zeiten von Smartphones auch keine Kunst mehr, es müssen einfach nur bei Entscheidungen, die dann ja sowieso in die Programme eingegeben werden müssen (wen sie nicht eh nur aus Mausklicken bestehen), automatisch generierte(!) Mitteilungen an alle rausgehen.
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B-V 3313
Ich stelle aber die steile These auf, dass wenn die Aufsichten häufig Leben gerettet hätten, man sie nicht abgeschafft hätte. Klingt ja auch logisch, denn wenn gerade an Gleis 1 abgefertigt wird, kann die Einfahrt an Gleis 2 nicht beobachtet werden.

Die meisten Lebensrettungen waren sicher normales Tagesgeschäft und weder dem verhinderten Opfer noch dem Betrieb noch der Presse bzw. Öffentlichkeit auch nur eine Erwähnung wert. Viele Gefahrenquellen wurden inzwischen durch technische Sicherung und andere präventive Maßnahmen entschärft. Ein Restrisiko ist im Bahnbetrieb latent vorhanden und nicht vollständig zu beseitigen außer durch dessen Stilllegung.

Übrigens sollte die Zugabfertigung zumindest bei der U-Bahn solange ruhen, bis der zu beobachtende Zug der Gegenrichtung komplett ausgefahren bzw. eingefahren und zum Stillstand gekommen war. Diese Verzögerungen wurden bei der Umstellung der Zugabfertigung auf den Zugfahrer später als Zeitersparnis angesehen und die gleichzeitige Abfertigung auf mehreren Gleisen damit als vorteilhaft verkauft.

so long

Mario
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Nicolas Jost

Da es sich bei fahrlässiger wie vorsätzlicher Körperverletzung um ein Antragsdelikt handelt, wundert mich das nicht, zumal die Geschädigte aus dem Ausland kam.

Das ist kein Grundsatz. Gegen Körperverletzungen wird auch von Amts wegen ermittelt, gerade dann, wenn ein öffentliches Interesse dahintersteckt. Bei uns wird immer ermittelt, sofern Reisende betroffen sind. Zumal es auch meist nicht nur um eine Körperverletzung, sondern um einen gef. Eingriff in den Bahnverkehr geht.

Zitat
Nicolas Jost
Sie war also der festen Überzeugung, dass in einer Tür eingeklemmte Gliedmaßen kein Ausschlusskriterium für die Erteilung des Abfahrauftrags sind?

Und du weißt, dass sie die eingeklemmten Gliedmaßen gesehen hat? Du weißt, dass die Situation es überhaupt hergab, die Gefahr sofort zu erkennen? Warst du denn dabei? Ich vertraue hier eher auf die Bundespolizei. Es wurde keine Ermittlung eingeleitet, die Aufsicht blieb weiterhin im Dienst. Das sagt am Ende für mich mehr aus als hiesige Mutmaßungen. ;-)

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Nicolas Jost
Und das willst du mir jetzt als ein positives Beispiel verkaufen, in der eine Aufsicht ein Unglück verhindert hat?

Richtig.

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Nicolas Jost
Wie ich der Pressemitteilung entnehme, waren die Beamten mal wieder ganz besonders menschlich-empathisch und leiteten ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Frau ein, die gerade noch einmal knapp mit dem Leben davongekommen war.

Glücklicherweise gibt es in diesem Land für alle nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Wenn ich mit meinem Leerzug absichtlich ein rotes Signal überfahre, gegen einen Prellbock fahre und schwer verletzt werde, muss ich dennoch für den Mist, den ich gebaut habe, gerade stehen.

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Nicolas Jost
Würdest du eigentlich auch so reden, wenn es ein Kind getroffen hätte?

Ein Kind ist nicht schuldfähig, von daher nein. Wenn dir aber die Kinder am Herzen liegen, solltest du Türaufhalter nicht verteidigen, da sie Kindern super vorführen, wie man sich in Lebensgefahr bringen kann. Viele ziehen auch die eigenen Kindern noch hinter sich her, wenn sie sich in die Türen quetschen oder blockieren die Tür mit Kinderwagen samt Kind.
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eiterfugel

Defekte und Fundsachen sind relevante Punkte, hier waren Aufsichten Ansprechpartner*innen - aber Hand aufs Herz: Wie oft kommen die wirklich vor und wie oft kommt es wirklich vor, dass damit dann wer zum Tf rennt?

Defekte nicht so häufig, Fundsachen ca. 1x in 2 Wochen, vergessene Gegenstaände im Zug davor ca. 1x alle 1-2 Wochen, Fahrplan-, Tarifauskünfte, Wegbeschreibungen etc. täglich. Bei Fundsachen und vergessenen Gegenständen kommen die Leute vor, der Rest der Anfragen meist auf dem Bahnsteig, vor dem Bahnsteig, auf dem Weg zum Zug, beim Ablösen... Die Zahlen sind nicht insgesamt, sondern nur auf meine Schichten ausgelegt.

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eiterfugel
Bei etwas Verlorengegangenem mag es anders sein - aber wie wurde hier früher denn wirklich verfahren?

Es gab mehrere Möglichkeiten. Wenn der Fahrgast wusste, in welchem Teil des Zuges er sich befand, habe ich die Aufsicht des folgenden Bahnhofs angerufen, die hat nachgeschaut und wenn sie den Gegenstand gefunden hat, konnte der Fahrgast ihn sich abholen. Wenn er nicht mehr wusste wo er sich im Zug befand, habe ich der Aufsicht am Endbahnhof bescheid gesagt. Wurden mir Fundsachen übergeben, habe ich sie der Aufsicht am nächstgelegenen Bahnhof übergeben.

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eiterfugel
Mobilitätseingeschränkten Reisenden wurde "früher" schon häufig wegen Versicherungsproblematiken oder weil eben abgefertigt werden musste, nicht geholfen -

Es geht mir wie gesagt nicht um früher, sondern um das, was man mit Bahnsteigpersonal erreichen könnte. Ich sprach ja immer wieder London an. Gibt eine schöne Dokumentarreihe: "The tube". Da ist super zu sehen, was Bahnsteigpersonal alles macht und kann.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.2019 15:39 von Railroader.
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Global Fisch

Der Vergleich ist gut. Man fragt, und ja: Zeitumstellung ist irgendwie doof. Also soll sie weg. Ist die Mehrheit begeistert.
Dann kamen die nächsten: "Wir wollen, dass es im Sommer abends lange hell bleibt und nicht schon nachts um 3 hell wird".
Ja, klar: machen wir also ewige Sommerzeit.
Und erst danach fiel es manchen auf, dass es auch doof ist, wenn es im Winter um 9 noch dunkel ist.

Damit würde man ja den Leuten unterstellen, dass sie alle zu doof sind, diese Konsequenz selbst zu sehen. Ich denke nicht, dass der Großteil für das Weiterführen der Zeitumstellung wäre, hätte man die Frage expiliziter gestellt. Aber das ist nur eine Annahme.

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Global Fisch
wenn man den jeweiligen Preis (natürlich nicht in Geld, sondern in Konsequenzen für den Befragten) dazu nennt.

Ja, das ist richtig und für mich auch eigentlich das einzig gewichtige Argument gegen Bahnsteigpersonal. Der Preis eben. Und da sind wir wieder beim alten Thema: Will man die Leute in den ÖPNV kriegen, muss man diesen halt attraktiver gestalten, investieren und nicht nur aufs Geld schauen. Wenn für die Leute Bahnsteigpersonal dazu gehört, dann ist es eben so.


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Global Fisch
Der Bäcker wird auch gerne zwei Euro für ein Brötchen haben wollen. Kann er aber nicht verlangen, weil Du dann sofort zum Nachbarbäcker oder zu Aldi rennen wirst.

2 Euro würde ich sicher nicht für ein Brötchen bezahlen. Allerdings entscheidet bei mir tatsächlich in vielen Fällen eher die Qualität als der Preis. Ich zahle ja auch beim Flug lieber mehr, wenn ich weiß, dass die Arbeitsbedingungen der Crew besser sind als die bei Billigfliegern und der Service stimmt.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.2019 15:25 von Railroader.
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Global Fisch

Den Kunden hilft eine Servicekraft da aber auch nicht weiter. Wenn Du nicht den Leuten sagen kannst, was sie machen sollen, kann sie das erst recht nicht.

Das sag mal nicht. Als wir vor 2 Jahren den großen Sturm hatten und der Zugverkehr eingestellt war, stand ich 6 Stunden am Bahnsteig rum. Da kamen auch etliche Leute und wollten Auskunft. Ich hatte die Zeit, sie ihnen zu geben. Es ist etwas ganz anderes, ob ich eine Gruppe vor mir zu stehen habe, in mein Smartphone schaue, schon mal eine Richtung vorgeben kann und auch die Zeit habe, Fragen zumindest irgendwie zu beantworten, oder ob ich sage: "Sorry, geht nicht, muss los" und die dann einfach stehen lasse.
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Bd2001

Das kommt öfters vor als man denkt. Das hatten wir gerade erst vor zwei Stunden auf der U3. Der U-Bahnfahrer wird auch ständig mit Fragen bombardiert wie "Funktioniert der Aufzug in A?" oder "Der Automat funktioniert nicht"

Dann ist es also bei der U-Bahn auch nichts anderes. @B-V 3313
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Railroader
Dann ist es also bei der U-Bahn auch nichts anderes. @B-V 3313

Das weiß ich, aber beschwert sich hier ein U-Bahnfahrer darüber, dass er diese Auskünfte erteilen muss?

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
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B-V 3313

Das weiß ich, aber beschwert sich hier ein U-Bahnfahrer darüber, dass er diese Auskünfte erteilen muss?

Na du hattest doch sinngemäß geschrieben, dass es bei der U-Bahn nicht so ist und ich offenbar der Einzige bin, bei dem diese Nachfrage herrscht?

Wo habe ich mich denn beschwert, dass ich diese Auskünfte geben muss? Lies doch mal richtig. Ich habe gesagt, dass es mir eher leid tut, dass ich sie oft nicht zufriedenstellend geben kann.
Zitat
Railroader
Na du hattest doch sinngemäß geschrieben, dass es bei der U-Bahn nicht so ist und ich offenbar der Einzige bin, bei dem diese Nachfrage herrscht?

Na anscheinend nicht in dem Ausmaß.

Zitat
Railroader
Wo habe ich mich denn beschwert, dass ich diese Auskünfte geben muss? Lies doch mal richtig. Ich habe gesagt, dass es mir eher leid tut, dass ich sie oft nicht zufriedenstellend geben kann.

Gestern (am 19.06. um 3:03), letzter Satz:

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Railroader
Das ist eine Hauptaufgabe des Tf geworden und das ist einfach nicht sein Bereich.

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
B-V 3313

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Railroader
Das ist eine Hauptaufgabe des Tf geworden und das ist einfach nicht sein Bereich.

Das ist doch aber keine Beschwerde. Das ist ein Fakt. Der Tf hat weder die Mittel, noch die Zeit, Aufgaben eines örtlichen Mitarbeiters zu übernehmen. Ich denke, aus den vorangegangenen und weiteren gefühlten 100 Beiträgen sollte deutlich hervorgegangen sein, wie ich zum Thema Kundenservice (durch den Tf) stehe.
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