Hallo,

eine Kleine Anfrage im Brandenburger Landesparlament offenbart, dass für

- die Verlängerung der S-Bahn nach Velten
- die Einbindung des Prignitz-Express entlang der Kremmener Bahn nach Gesundbrunnen

die Bauarbeiten nicht vor 2030 (!) BEGINNEN werden! Bis dahin wird Papier produziert, vielleicht. Der Zeitablauf für diese ganz sicher nicht hochkomplexen Vorhaben ist schlicht und einfach erschreckend.

https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w7/drs/ab_2300/2358.pdf

Viele Grüße
André
Interview Susanne Henckel

Zitat
Interview Susanne Henckel
Kommen wir zur Zukunft, zum Infrastrukturprogramm »i2030« für den Ausbau von S- und Regionalbahn. Die Realisierungszeiträume sind sehr lang. Wäre es nicht ehrlicher gewesen, es »i2040« zu nennen?

Das sehe ich nicht so. Wir haben von Anfang an ganz ehrlich gesagt, dass es darum geht, die Mobilitätssituation des Jahres 2030 als Grundlage für die Planungen zu nehmen, damit wir auch möglichst großzügig aufgestellt sind. Wir setzen Parameter, die nach vorn gerichtet sind. Wie lange eine Planung dauert, ist häufig nicht zu steuern. Ich glaube schon, dass wir bis zum Jahr 2030 bauliche Umsetzungen haben werden. Als erstes wohl die Heidekrautbahn. Für die Wiederinbetriebnahme der Stammstrecke zwischen Basdorf und Berlin-Wilhelmsruh wird an diesem Freitag der Spatenstich stattfinden.
Zitat
andre_de


die Bauarbeiten nicht vor 2030 (!) BEGINNEN werden! Bis dahin wird Papier produziert, vielleicht. Der Zeitablauf für diese ganz sicher nicht hochkomplexen Vorhaben ist schlicht und einfach erschreckend.

Viele Grüße
André

Tja, hättest du damals Bauingenieur studiert und dich in BIM spezialisiert, wäre das bistimmt schon fast fertig.
Ob die da nach den Planungen überhaupt mal bauen, steht doch in den Sternen. Das Ziel ist erst einmal der Planfeststellungsbeschluss. Alles andere sieht man dann erst.
Zitat
DerMichael
Zitat
andre_de


die Bauarbeiten nicht vor 2030 (!) BEGINNEN werden! Bis dahin wird Papier produziert, vielleicht. Der Zeitablauf für diese ganz sicher nicht hochkomplexen Vorhaben ist schlicht und einfach erschreckend.

Viele Grüße
André

Tja, hättest du damals Bauingenieur studiert und dich in BIM spezialisiert, wäre das bistimmt schon fast fertig.

Leider kann man nur eine Sache studieren und ich habe mich für ein anderes Themenfeld entschieden, um dort die Welt zu retten ;-)

Als ich Mitte der 1990er Jahre studiert habe, waren übrigens mehrere Milliarden-schwere Bahnprojekte mitten in der Bauphase und zum Teil sogar schon abgeschlossen, zu denen es fünf Jahre vorher noch kein einziges Blatt Papier gab:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrsprojekte_Deutsche_Einheit#Schiene

Und hier bei i2030 braucht die Bahn jetzt allein 10 Jahre Planungszeit, um das Verlegen von wenigen Kilometern S-Bahn-Gleis auf eine vorhandene Trasse zu Papier zu bringen. Da darf man wohl schon mal die Grundsatzfrage stellen, was hier komplett falsch läuft. U.a. ist es sicherlich nicht förderlich, wenn man überhaupt keine Kompetenz und Kapazität im eigenen Haus mehr dafür hat, sodass jedes "Bleistift-Anspitzen" als Gewerk extern beauftragt und zuvor noch aufwändig ausgeschrieben werden muss.

Viele Grüße
André
Zitat
andre_de
Zitat
DerMichael
Zitat
andre_de


die Bauarbeiten nicht vor 2030 (!) BEGINNEN werden! Bis dahin wird Papier produziert, vielleicht. Der Zeitablauf für diese ganz sicher nicht hochkomplexen Vorhaben ist schlicht und einfach erschreckend.

Viele Grüße
André

Tja, hättest du damals Bauingenieur studiert und dich in BIM spezialisiert, wäre das bistimmt schon fast fertig.

Leider kann man nur eine Sache studieren und ich habe mich für ein anderes Themenfeld entschieden, um dort die Welt zu retten ;-)

Als ich Mitte der 1990er Jahre studiert habe, waren übrigens mehrere Milliarden-schwere Bahnprojekte mitten in der Bauphase und zum Teil sogar schon abgeschlossen, zu denen es fünf Jahre vorher noch kein einziges Blatt Papier gab:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrsprojekte_Deutsche_Einheit#Schiene

Und hier bei i2030 braucht die Bahn jetzt allein 10 Jahre Planungszeit, um das Verlegen von wenigen Kilometern S-Bahn-Gleis auf eine vorhandene Trasse zu Papier zu bringen. Da darf man wohl schon mal die Grundsatzfrage stellen, was hier komplett falsch läuft. U.a. ist es sicherlich nicht förderlich, wenn man überhaupt keine Kompetenz und Kapazität im eigenen Haus mehr dafür hat, sodass jedes "Bleistift-Anspitzen" als Gewerk extern beauftragt und zuvor noch aufwändig ausgeschrieben werden muss.

Viele Grüße
André

1990 war aber noch die Zeit vor der großen neoliberalen Wende. Viele Bauingenieursabsolventen der damaligen Zeit bekamen keine Arbeit und gingen z.B. in die Schweiz. Nun fehlen die hier und die heutigen jungen Leute setzen eben eher auf Influenzer, irgendetwas mit Medien oder beschäftigen sich mit den notwendigen Anpassungen im Gender Mainstreaming. Es gibt vermutlich nicht mehr genug Planer, die das noch umsetzen können und zu viele Juristen und Politiker, die das ganze Bahnsystem so "übersicher" gemacht haben, dass es kaum noch umzusetzen ist.
Dazu gibt es auch kaum noch Baukonzerne, die das bauen können. Stuttgart21 wird auch fast nur noch von Ausländern gebaut, die erst einmal herangeschafft werden müssen. (Die besten Eisenflechter in Europa kommen angeblich aus der Türkei).
Nichts gegen die Ausländer. Man kann ja froh sein, dass die es wenigstens noch können.
Zitat
DerMichael
1990 war aber noch die Zeit vor der großen neoliberalen Wende. Viele Bauingenieursabsolventen der damaligen Zeit bekamen keine Arbeit und gingen z.B. in die Schweiz. Nun fehlen die hier und die heutigen jungen Leute setzen eben eher auf Influenzer, irgendetwas mit Medien oder beschäftigen sich mit den notwendigen Anpassungen im Gender Mainstreaming. Es gibt vermutlich nicht mehr genug Planer, die das noch umsetzen können und zu viele Juristen und Politiker, die das ganze Bahnsystem so "übersicher" gemacht haben, dass es kaum noch umzusetzen ist.
Dazu gibt es auch kaum noch Baukonzerne, die das bauen können. Stuttgart21 wird auch fast nur noch von Ausländern gebaut, die erst einmal herangeschafft werden müssen. (Die besten Eisenflechter in Europa kommen angeblich aus der Türkei).
Nichts gegen die Ausländer. Man kann ja froh sein, dass die es wenigstens noch können.

Da muss ich dich in deinem früher-war-mehr-Lametta-Rant enttäuschen. Es werden so viele Bauingenieure fertig, wie schon lange nicht mehr. Guggst du da.
Eine aktuellere Statistik ist vielleicht hilfreicher. Spoiler: Die Zahl der Bauinigenieurs-Absolventen ist weiter gestiegen.
Zitat
nicolaas
Eine aktuellere Statistik ist vielleicht hilfreicher. Spoiler: Die Zahl der Bauinigenieurs-Absolventen ist weiter gestiegen.
Ups. Ich glaube, die wollte ich auch ursprünglich verlinken. Dankeschön!
OK, einen allgemeinen Mangel an Bauingenieuren scheint es nicht zu geben.

Hat sich der Planungsaufwand seitdem verdoppelt? Einen Grund muss es doch geben.
Zitat
DerMichael
OK, einen allgemeinen Mangel an Bauingenieuren scheint es nicht zu geben.

Das würde ich allerdings aus den Zahlen nicht schlussfolgern. Dazu müsste man zumindest die Zahl der Bauingenieur/innen gegenüberstellen, die den Beruf verlassen (Rente, Auswandern, berufliche Neuorientierung etc.), und natürlich auch die Zahl der zu leistenden Arbeitsstunden. Wenn 1.000 Studierende ihren Abschluss machen, aber 2.000 berufstätige Bauingenieur/innen in Rente gehen und zugleich immer mehr und immer komplexere Aufgaben anstehen, kann es trotzdem einen Mangel geben.

Wir sprechen hier ja außerdem von hochgradig spezialisierten Themen, gerade wenn dann rechtliche Aspekte noch hinzukommen. Eine in Deutschland tätige Bauingenieurin kann ja durchaus eine Brücke in Dänemark mitplanen - ein in Dänemark tätiger Bauingenieur aber vielleicht nicht unbedingt eine Bahnstrecke in Deutschland, die hohe rechtliche Hürden hat.

Zitat
DerMichael
Einen Grund muss es doch geben.

Ich denke, den einen Grund gibt es nicht. Mehrere Thesen dazu:

- Politisches Desinteresse auf Bundesebene, das sieht man ja nicht nur in Berlin und Brandenburg. Überspitzt gesagt: Während Italien und Österreich den Brenner zur Hälfte untertunnelt haben (und in Österreich der Zulauf fertiggestellt und in Italien zumindest abschnittsweise baureif ist), hat man sich in Deutschland noch nicht mal auf eine Trasse geeinigt. Während die Elektrifizierung der Strecke von Wegliniec nach Zgorzelec seit einem Jahr abgeschlossen ist, gibt es für die Fortführung bis Dresden noch nicht mal einen Zeitplan (und das gleiche wiederholt sich gerade weiter nördlich bei der Ostbahn). Solange man das Verkehrsressort weiterhin als komfortable Abstellmöglichkeit für den dümmstmöglichen csU-Deppen sieht, wird sich daran auch nichts ändern.

- Eine zwischenzeitlich völlig ausgewucherte Unternehmensstruktur bei der DB, die inzwischen jeden einzelnen Etagendrucker in eine eigene Tochterfirma ausgelagert zu haben scheint. Einfacher macht das die Planung sicher nicht.

- Tatsächlich ein Mangel an verfügbaren Fachkräften - es gibt ja auch durchaus außerhalb des Eisenbahnwesens Bedarf nach Bauingenieuren (immerhin boomt auch der Immobiliensektor), und der Bereich Bahn erfordert doch ein gewisses Maß an Spezialisierung und Erfahrung.

- Die Planungsaufgaben werden m.E. tatsächlich immer komplexer.

Letztlich würde ich aber vor allem den ersten Punkt als Hauptgrund sehen. Zehn weitere Jahre Planungszeit für den Ausbau einer bestehenden Strecke im Flachland auf überwiegend vorbereiteter Trasse ist ein absolutes Armutszeugnis, Planendenmangel hin, komplexere Planungen her. So am Rande: Planung und Bau der Semmeringbahn dauerten 13 Jahre (von der Vergabe an Carl Ritter von Ghega 1841 bis zur Eröffnung 1854). 13 Jahre - mit den technischen Möglichkeiten und dem Forschungsstand Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne GIS und satellitengestütztes Gedöns, mit 14 Tunneln und 16 Viadukten.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.12.2020 13:27 von def.
Zitat
def
Zitat
DerMichael
Einen Grund muss es doch geben.

Ich denke, den einen Grund gibt es nicht. Mehrere Thesen dazu:

[etliches unter Zustimmung gelöscht]

Zitat
def
- Die Planungsaufgaben werden m.E. tatsächlich immer komplexer.

Letztlich würde ich aber vor allem den ersten Punkt als Hauptgrund sehen. Zehn weitere Jahre Planungszeit für den Ausbau einer bestehenden Strecke im Flachland auf überwiegend vorbereiteter Trasse ist ein absolutes Armutszeugnis,

In aller Deutlichkeit: zehn *weitere* Jahre!

Zum Ausbau der Kremmener Bahn: manche Leser hier haben das gar nicht mehr miterlebt!

Übermorgen vor 25 Jahren, am 17. Dezember 1995, wurde die Strecke Neuruppin-Velten gesperrt. Da sollten die Arbeiten für das Projekt "Prignitz-Express" beginnen; das der Region eine schnelle Verbindung an *Berlin* ermöglichen sollte.

Nochmal, liebe jungen Mitleserinnen, liebe jungen Mitleser, das ist jetzt 25 Jahre her!

Danach passierte übrigens erstmal Murks: die Bauarbeiten begannen wegen irgendwelchem Hickhack erst 2 Jahre später. Kam auch von der Sache her mit dem Wegfall aller Kreuzungsmöglichkeiten einiges an Problemen dazu. Aber immerhin schon 2000, also im Vergleich zu heute rasend schnell, war man damit fertig. Die direkte Anbindung an Berlin? Fehlt bis heute.

Übrigens, weil Du das mit dem "immer komplexeren Planungsaufgaben" ansprichst: das ist einerseits für die "Verantwortlichen" eine weitere wohlfeile Ausrede (gibt noch genug andere), nichts machen zu müssen. Aber diese erzeugen ein Problem: sie werden tatsächlich immer komplexer und gehen über eine Legislaturperiode hinaus. Das senkt für viele Politiker die Motivation, denn sie werden die Fertigstellung so nicht mehr im Amt erleben.

Hinzu kommt: die Welt dreht sich. Wenn die Planungen zu lange dauern, erscheinen immer wieder neue, besser erscheinende, Ideen.

In den 1990ern hätten sich alle über eine S-Bahn nach Falkensee gefreut. Die kam aber nicht. Dafür kamen schnelle und bequeme Regionalzüge. Und als es dann hieß: "wenn die S-Bahn kommt, nehmen wir Euch die wieder weg" war die Begeisterung über die S-Bahn naturgemäß nicht mehr so groß. Und erst in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre kam dann die Idee, das vielleicht beides auch ganz nett wäre. Und jedesmal wird, ähnlich wie auch auf der Kremmener Bahn oder der Stammbahn, wieder von vorne überlegt, *was* man nun eigentlich gerne hätte.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.12.2020 14:04 von Global Fisch.
Zitat
def
Zitat
DerMichael
OK, einen allgemeinen Mangel an Bauingenieuren scheint es nicht zu geben.

Das würde ich allerdings aus den Zahlen nicht schlussfolgern. Dazu müsste man zumindest die Zahl der Bauingenieur/innen gegenüberstellen, die den Beruf verlassen (Rente, Auswandern, berufliche Neuorientierung etc.), und natürlich auch die Zahl der zu leistenden Arbeitsstunden. Wenn 1.000 Studierende ihren Abschluss machen, aber 2.000 berufstätige Bauingenieur/innen in Rente gehen und zugleich immer mehr und immer komplexere Aufgaben anstehen, kann es trotzdem einen Mangel geben.

Wir sprechen hier ja außerdem von hochgradig spezialisierten Themen, gerade wenn dann rechtliche Aspekte noch hinzukommen. Eine in Deutschland tätige Bauingenieurin kann ja durchaus eine Brücke in Dänemark mitplanen - ein in Dänemark tätiger Bauingenieur aber vielleicht nicht unbedingt eine Bahnstrecke in Deutschland, die hohe rechtliche Hürden hat.

Zitat
DerMichael
Einen Grund muss es doch geben.

Ich denke, den einen Grund gibt es nicht. Mehrere Thesen dazu:

- Politisches Desinteresse auf Bundesebene, das sieht man ja nicht nur in Berlin und Brandenburg. Überspitzt gesagt: Während Italien und Österreich den Brenner zur Hälfte untertunnelt haben (und in Österreich der Zulauf fertiggestellt und in Italien zumindest abschnittsweise baureif ist), hat man sich in Deutschland noch nicht mal auf eine Trasse geeinigt. Während die Elektrifizierung der Strecke von Wegliniec nach Zgorzelec seit einem Jahr abgeschlossen ist, gibt es für die Fortführung bis Dresden noch nicht mal einen Zeitplan (und das gleiche wiederholt sich gerade weiter nördlich bei der Ostbahn). Solange man das Verkehrsressort weiterhin als komfortable Abstellmöglichkeit für den dümmstmöglichen csU-Deppen sieht, wird sich daran auch nichts ändern.

- Eine zwischenzeitlich völlig ausgewucherte Unternehmensstruktur bei der DB, die inzwischen jeden einzelnen Etagendrucker in eine eigene Tochterfirma ausgelagert zu haben scheint. Einfacher macht das die Planung sicher nicht.

- Tatsächlich ein Mangel an verfügbaren Fachkräften - es gibt ja auch durchaus außerhalb des Eisenbahnwesens Bedarf nach Bauingenieuren (immerhin boomt auch der Immobiliensektor), und der Bereich Bahn erfordert doch ein gewisses Maß an Spezialisierung und Erfahrung.

- Die Planungsaufgaben werden m.E. tatsächlich immer komplexer.

Letztlich würde ich aber vor allem den ersten Punkt als Hauptgrund sehen. Zehn weitere Jahre Planungszeit für den Ausbau einer bestehenden Strecke im Flachland auf überwiegend vorbereiteter Trasse ist ein absolutes Armutszeugnis, Planendenmangel hin, komplexere Planungen her. So am Rande: Planung und Bau der Semmeringbahn dauerten 13 Jahre (von der Vergabe an Carl Ritter von Ghega 1841 bis zur Eröffnung 1854). 13 Jahre - mit den technischen Möglichkeiten und dem Forschungsstand Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne GIS und satellitengestütztes Gedöns, mit 14 Tunneln und 16 Viadukten.

Ich glaube, einen weiteren Punkt sollte man auch erwähnen, nämlich das schon die rechtlichen Vorgaben sich stetig verändert haben. Der Umfang, der zu den Planungen gehört, Planfeststellungsbeschluß, positive KNA (Kosten-/Nutzen-Analyse), die Beteiligung der Bevölkerung (ggf. bis hin zu Klagen), das alles kostet schon im wahrsten Sinne des Wortes Zeit.
Zu früheren Zeiten wurden Gleise rasch und ohne großes Tamtam elektrifiziert oder auch mit einer Stromschiene versehen, um sie für die S-Bahn nutzbar zu machen. Das ist heute undenkbar.
Ein anderes Beispiel zeigt aber auch, daß generell die Kosten ausufern - allein einen Bahnübergang nachträglich mit einer technischen Sicherung auszustatten, kostet 6stellige Beträge. Davon entfällt nur ein Bruchteil auf die Materialkosten, der weit überwiegende Anteil geht für die Planung drauf...

Dennis
Zitat
drstar
Zitat
def
- Die Planungsaufgaben werden m.E. tatsächlich immer komplexer.
.
Ich glaube, einen weiteren Punkt sollte man auch erwähnen, nämlich das schon die rechtlichen Vorgaben sich stetig verändert haben. Der Umfang, der zu den Planungen gehört, Planfeststellungsbeschluß, positive KNA (Kosten-/Nutzen-Analyse), die Beteiligung der Bevölkerung (ggf. bis hin zu Klagen), das alles kostet schon im wahrsten Sinne des Wortes Zeit.

Sicherlich, aber m.E. steckt das im von def genannten Punkt mit drin. Und zum anderen: so etwas mag bei der Kremmener Bahn vielleicht, wenn's hochkommt, zwei Jahre oder so an Verzug erklären (eins für detaillierte nötigere Planung, eins für die Verfahrensabwicklung). Es erklärt aber, wie auch immer, nur einen kleinen Bruchteil der Verzögerung.
Zitat
Global Fisch
Zum Ausbau der Kremmener Bahn: manche Leser hier haben das gar nicht mehr miterlebt!

Übermorgen vor 25 Jahren, am 17. Dezember 1995, wurde die Strecke Neuruppin-Velten gesperrt. Da sollten die Arbeiten für das Projekt "Prignitz-Express" beginnen; das der Region eine schnelle Verbindung an *Berlin* ermöglichen sollte.

Nochmal, liebe jungen Mitleserinnen, liebe jungen Mitleser, das ist jetzt 25 Jahre her!

Danach passierte übrigens erstmal Murks: die Bauarbeiten begannen wegen irgendwelchem Hickhack erst 2 Jahre später. Kam auch von der Sache her mit dem Wegfall aller Kreuzungsmöglichkeiten einiges an Problemen dazu. Aber immerhin schon 2000, also im Vergleich zu heute rasend schnell, war man damit fertig. Die direkte Anbindung an Berlin? Fehlt bis heute.

Nein, man war nicht fertig. Die Bauarbeiten gingen weiter. Erst sechs Jahre später war der 3. Ausbauabschnitt fertig. Das ist doppelt so lang.
Zitat
Bd2001
Zitat
Global Fisch
Zum Ausbau der Kremmener Bahn: manche Leser hier haben das gar nicht mehr miterlebt!

Übermorgen vor 25 Jahren, am 17. Dezember 1995, wurde die Strecke Neuruppin-Velten gesperrt. [...] Aber immerhin schon 2000, also im Vergleich zu heute rasend schnell, war man damit fertig. Die direkte Anbindung an Berlin? Fehlt bis heute.

Nein, man war nicht fertig. Die Bauarbeiten gingen weiter. Erst sechs Jahre später war der 3. Ausbauabschnitt fertig. Das ist doppelt so lang.

Mit Neuruppin-Velten (davon war die Rede!) war man bis 2000 fertig. Bis 2005 (oder 2006, müsste nachsehen) war dann der nächste Abschnitt bis Wittstück an der Reihe. Das ist ein anderer Abschnitt. 2006 bis 2008 war dann Wittenberge-Wittstock an der Reihe.
Zitat
def
So am Rande: Planung und Bau der Semmeringbahn dauerten 13 Jahre (von der Vergabe an Carl Ritter von Ghega 1841 bis zur Eröffnung 1854). 13 Jahre - mit den technischen Möglichkeiten und dem Forschungsstand Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne GIS und satellitengestütztes Gedöns, mit 14 Tunneln und 16 Viadukten.

Ganz schlechtes Beispiel: Solche Baustellen wünscht sich heute niemand mehr, außer vielleicht einzelne Ahnungslose.
Allein in der intensivsten Bauphase zwischen 1848 und 1854 starben 1024 Menschen, bei Arbeitsunfällen durch die katastrophalen Arbeitsbedingungen und an Infektionskrankheiten durch die Unterbringung in primitiven Behausungen. Vorwiegend angeworbene Ausländer, sogar Arbeitslose aus Wien schufteten beim Bau zu Hungerlöhnen. Die Beerdigung der Opfer fand in Massengräbern an der Strecke statt.
Heutzutage wäre der Bauleiter Carl Ritter von Ghega nicht auf Denkmalsockel gehoben worden, sondern im Strafvollzug gelandet. Widerlich.

so long

Mario



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.12.2020 15:43 von der weiße bim.
Zitat
der weiße bim
Zitat
def
So am Rande: Planung und Bau der Semmeringbahn dauerten 13 Jahre (von der Vergabe an Carl Ritter von Ghega 1841 bis zur Eröffnung 1854). 13 Jahre - mit den technischen Möglichkeiten und dem Forschungsstand Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne GIS und satellitengestütztes Gedöns, mit 14 Tunneln und 16 Viadukten.

Ganz schlechtes Beispiel: Solche Baustellen wünscht sich heute niemand mehr, außer vielleicht einzelne Ahnungslose.
Allein in der intensivsten Bauphase zwischen 1848 und 1854 starben 1024 Menschen, bei Arbeitsunfällen durch die katastrophalen Arbeitsbedingungen und an Infektionskrankheiten durch die Unterbringung in primitiven Behausungen. Vorwiegend angeworbene Ausländer, sogar Arbeitslose aus Wien schufteten beim Bau zu Hungerlöhnen. Die Beerdigung der Opfer fand in Massengräbern an der Strecke statt.
Heutzutage wäre der Bauleiter Carl Ritter von Ghega nicht auf Denkmalsockel gehoben worden, sondern im Strafvollzug gelandet. Widerlich.

Naja, die primitiven Behausungen sowie die Löhne haben ja nun erstmal nicht viel mit der Bauzeit zu tun (oder sinken die Löhne, wenn man schneller baut?). Und natürlich würde man heute so planen, dass tödliche Arbeitsunfälle nahezu ausgeschlossen sind (auch wenn man im Bergbau vor bösen Überraschungen nicht gefeit ist) - weil ein menschliches Leben heute zu recht mehr wert ist, aber auch, weil einfach die technischen Möglichkeiten ganz andere sind. Wir sprechen von 180 Jahren technischer Entwicklung - 1841 gab es noch nicht einmal einen Telegrafen, heute können wir live nachvollziehen, wenn der US-Präsident eine Rede hält; zwischenzeitlich war die Menschheit auf dem Mond.

Allein in der Planungsphase: bei einer Änderung der Planung ändert man in wenigen Minuten den CAD-Plan und verschickt ihn neu an die Projektbeteiligten. Die Gegenden entlang der Kremmener Bahn dürften hinsichtlich geologischen Gegebenheiten doch auch ganz anders durcherforscht sein als die Alpen der 1840er Jahre. Selbst die Lage von Fliegerbomben, die bei Bauvorhaben schon oft genug für böse Überraschungen gesorgt haben, kann inzwischen mit einer gewisser Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden (auf Grundlage von GIS-Programmen und Luftbildern von 1945).

Letztlich ändern Deine Anmerkungen doch aber wenig an der Grundaussage: wenn man tatsächlich 2030 mal mit dem Planen fertig sein sollte, sind seit 1995 (ich nehme einfach mal das gleiche Datum wie Global Fish) ganze 35 Jahre vergangen. Im Flachland. Bei weitgehend vorhandener Strecke mit wenigen herausfordernden Zwangspunkten (z.B. Bahnübergang Gorkistraße). Das ist allein für die Planung fast dreimal so lange, wie Planung und Bau der Semmeringbahn gebraucht haben. Ja, ein sehr plakatives Beispiel, aber zeigt doch letztlich doch, dass irgendetwas sehr schief läuft.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.12.2020 16:50 von def.
Zitat
def
sind seit 1995 (ich nehme einfach mal das gleiche Datum wie Global Fish) ganze 35 Jahre vergangen. Im Flachland. Bei weitgehend vorhandener Strecke mit wenigen herausfordernden Zwangspunkten .

Du vergisst die ganzen Moorlinsen, die a) immer völlig überraschend auftauchen, aber b) so ziemlich jedes Bahnbauprojekt in die Länge ziehen.
Zitat
Global Fisch
Zitat
def
sind seit 1995 (ich nehme einfach mal das gleiche Datum wie Global Fish) ganze 35 Jahre vergangen. Im Flachland. Bei weitgehend vorhandener Strecke mit wenigen herausfordernden Zwangspunkten .

Du vergisst die ganzen Moorlinsen, die a) immer völlig überraschend auftauchen, aber b) so ziemlich jedes Bahnbauprojekt in die Länge ziehen.

Und zwar bei JEDEM Bauprojekt wieder... :)
Aber selbst für Bodenerkundungen hätte man ja während des letzten Vierteljahrhunderts ausreichend Zeit gehabt.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.12.2020 17:28 von def.
Zitat
def
Zitat
der weiße bim
Zitat
def
So am Rande: Planung und Bau der Semmeringbahn dauerten 13 Jahre (von der Vergabe an Carl Ritter von Ghega 1841 bis zur Eröffnung 1854). 13 Jahre - mit den technischen Möglichkeiten und dem Forschungsstand Mitte des 19. Jahrhunderts, ohne GIS und satellitengestütztes Gedöns, mit 14 Tunneln und 16 Viadukten.

Ganz schlechtes Beispiel: Solche Baustellen wünscht sich heute niemand mehr, außer vielleicht einzelne Ahnungslose.
Allein in der intensivsten Bauphase zwischen 1848 und 1854 starben 1024 Menschen, bei Arbeitsunfällen durch die katastrophalen Arbeitsbedingungen und an Infektionskrankheiten durch die Unterbringung in primitiven Behausungen. Vorwiegend angeworbene Ausländer, sogar Arbeitslose aus Wien schufteten beim Bau zu Hungerlöhnen. Die Beerdigung der Opfer fand in Massengräbern an der Strecke statt.
Heutzutage wäre der Bauleiter Carl Ritter von Ghega nicht auf Denkmalsockel gehoben worden, sondern im Strafvollzug gelandet. Widerlich.

Naja, die primitiven Behausungen sowie die Löhne haben ja nun erstmal nicht viel mit der Bauzeit zu tun (oder sinken die Löhne, wenn man schneller baut?). Und natürlich würde man heute so planen, dass tödliche Arbeitsunfälle nahezu ausgeschlossen sind (auch wenn man im Bergbau vor bösen Überraschungen nicht gefeit ist) - weil ein menschliches Leben heute zu recht mehr wert ist, aber auch, weil einfach die technischen Möglichkeiten ganz andere sind. Wir sprechen von 180 Jahren technischer Entwicklung - 1841 gab es noch nicht einmal einen Telegrafen, heute können wir live nachvollziehen, wenn der US-Präsident eine Rede hält; zwischenzeitlich war die Menschheit auf dem Mond.

Allein in der Planungsphase: bei einer Änderung der Planung ändert man in wenigen Minuten den CAD-Plan und verschickt ihn neu an die Projektbeteiligten. Die Gegenden entlang der Kremmener Bahn dürften hinsichtlich geologischen Gegebenheiten doch auch ganz anders durcherforscht sein als die Alpen der 1840er Jahre. Selbst die Lage von Fliegerbomben, die bei Bauvorhaben schon oft genug für böse Überraschungen gesorgt haben, kann inzwischen mit einer gewisser Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden (auf Grundlage von GIS-Programmen und Luftbildern von 1945).

Letztlich ändern Deine Anmerkungen doch aber wenig an der Grundaussage: wenn man tatsächlich 2030 mal mit dem Planen fertig sein sollte, sind seit 1995 (ich nehme einfach mal das gleiche Datum wie Global Fish) ganze 35 Jahre vergangen. Im Flachland. Bei weitgehend vorhandener Strecke mit wenigen herausfordernden Zwangspunkten (z.B. Bahnübergang Gorkistraße). Das ist allein für die Planung fast dreimal so lange, wie Planung und Bau der Semmeringbahn gebraucht haben. Ja, ein sehr plakatives Beispiel, aber zeigt doch letztlich doch, dass irgendetwas sehr schief läuft.

Vor allem, wenn man sich die ursprüngliche Bauzeit hier ansieht:

Der erste Teilabschnitt konnte nach rund zweijähriger Bauzeit am 1. Oktober 1893 zwischen Schönholz-Reinickendorf an der Nordbahn und Velten, der zweite am 20. Dezember 1893 zwischen Velten und Kremmen eröffnet werden.

Zwei Jahre für den ursprünglichen Bau. 10 Jahre für den Wiederaufbau.
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